Boxen

Klitschko: Fight mitten im Wahlkampf

SID
Witali Klitschko (l.) war beim Wiegen mit 112,5 Kilo drei Kilo schwerer als Gegenüber Manuel Charr
© Getty

Witali Klitschko geht am Samstagabend als klarer Favorit in den Weltmeisterfight gegen Manuel Charr (ab 22.45 Uhr im LIVE-TICKER). Wenn alles nach Plan läuft, verteidigt der Ukrainer seinen Gürtel gegen den Deutsch-Libanesen. Doch es bleibt die Frage, ob Klitschko nach dem Kampf erneut in den Ring steigt oder sich endgültig seiner politischen Karriere widmet.

Ein lässiges, fast mitleidiges Grinsen von Witali Klitschko, eine ziemliche gequälte Jubelpose vom vermeintlichen "Kanonenfutter" Manuel Charr.

Das Aufeinandertreffen beim Wiegen im überfüllten Konferenzsaal des Moskauer Sportkomplexes "Olimpijski" gewann der Box-Champ am Freitagnachmittag nicht nur auf der Waage (112,5 gegenüber 109,5 Kilo).

Vor dem scheinbar ungleichen Duell um den Weltmeister-Gürtel nach Version des Weltverbandes WBC sind die Rollen klar verteilt.

Charr 21 Kämpfe unbesiegt

Der Kölner Schwergewichtler Manuel Charr gilt am Samstagabend allenfalls als Zählkandidat auf der einmaligen K.o.-Liste (40 der 44 Profisiege vorzeitig) von "Doktor Eisenfaust" Witali Klitschko.

Der mittlerweile 41 Jahre alte ältere der seit Jahren das Schwergewicht dominierenden Klitschko-Brüder wird zwar nicht müde, von einem schweren Kampf gegen den immerhin in 21 Duellen unbesiegten Charr zu sprechen.

Der einst selbst kurzzeitig von Klitschko-Coach Fritz Sdunek betreute Herausforderer weiß genau, dass der akribische Witali keinen Hang zur Unterschätzung seiner Kontrahenten hat. "Manuel hat ein Kämpferherz und wird mutig kämpfen", sagt Sdunek.

Karriere-Ende nach politischem Sieg wahrscheinlich

Da die beim letzten Sieg im Februar gegen Dereck Chisora erlittene Schulter-Blessur längst ausgeheilt ist, ist von einem perfekt vorbereiteten Klitschko auszugehen, dem ein Großteil der Wettfreunde im Internet zutrauen, dass er die Nummer 35 der unabhängigen Weltrangliste innerhalb der ersten drei Runden entscheidend in den Ringstaub befördert.

Mehr als das Duell gegen den gebürtigen Libanesen mit Wohnsitz Köln beschäftigt die Box-Fans ohnehin die Frage, ob Witali danach seine Laufbahn beendet. Als Chef der prowestlichen Partei UDAR (Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen) befindet sich Klitschko derzeit im ukrainischen Wahlkampf.

Sollte sich am Wahltag 28. Oktober die aktuelle Prognose von 12 bis 15 Prozent bestätigen, dann zieht der Berufsboxer in das Parlament von Kiew ein.

Auch mit diesem Hintergrund ist der aktuelle Kampfort Moskau ein Signal. Zweimal schon wurde der Boxer bei Bürgermeister-Wahlen in Kiew schwer geschlagen. Zu westlich orientiert kam der Weltbürger Klitschko in seiner vom pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch regierten Heimat rüber.

Heimspiel-Atmosphäre für Klitschko

In Moskau hebt Klitschko ganz staatsmännisch permanent seine guten Kontakte und vielen russischen Freunde hervor. Und die mit wahrscheinlich 30.000 Zuschauern besetzte Riesenhalle des Sportkomplexes Olimpijski wird ohnehin Heimspiel-Atmosphäre für den Zwei-Meter-Recken liefern.

Läuft alles nach Plan, gewinnt Klitschko nach dem vermeintlich leichten Boxkampf auch endlich ein schweres politisches Gefecht und wird wahrscheinlich im nächsten Jahr den Beruf des Boxers zugunsten der Politik aufgeben.

Möglicherweise mit einem letzten Spektakel gegen das bereits von Bruder Wladimir verhauene englische Großmaul David Haye. Kampfort könnte Kiew sein. Witali hat immer erklärt, seine Karriere in der Heimat beenden zu wollen.

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