Boxen

Sauerland erobert verlassenes Gebiet

SID
Jack Culcay (r.) soll in Hamburg als Lokalmatador aufgebaut werden
© Getty

Das alte Gentlemen's Agreement gilt nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert. Hamburg ist wieder eine fast weiße Landkarte in der deutschen Boxlandschaft. Und das Haus Sauerland aus Berlin strebt danach, die verlassenen Gebiete für sich zu erobern.

Am Samstag schickt man deshalb seinen Schwergewichtler Alexander Powetkin (Russland) zum sogenannten WM-Kampf um den Titel der WBA gegen Hasim Rahman (USA) in der Hansestadt in den Ring.

Von besonderem Interesse für Promoter Kalle Sauerland ist allerdings der Kampf von Jack Culcay im Vorprogramm. "Golden Jack" verteidigt seinen WBA-Intercontinental-Titel im Super-Weltergewicht gegen den Briten Mark Thompson. Der Amateur-Weltmeister von 2009 soll als Lokalmatador in Hamburg aufgebaut werden. "Jack ist für Hamburg interessant, er lebt schließlich hier", sagt Kalle Sauerland.

Hamburg als Sauerland-Stadt

Culcay stammt aus der "Konkursmasse" der Universum Box-Promotion, mit der es nach dem Auslaufen des Vertrages mit dem "ZDF" im Sommer 2010 stets bergab ging. Inzwischen hat Ex-Eigner Klaus-Peter Kohl sein Unternehmen an den Hamburger Geschäftsmann Waldemar Kluch verkauft. Man streitet. Von ausbleibenden Zahlungen hört man, Boxer haben gekündigt, auch Trainer Michael Timm ist gegangen, es wird geklagt.

"In der Vergangenheit war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir nicht in Hamburg veranstalten und er nicht in Berlin", sagt Sauerland. Dies gilt nun nicht mehr. "Universum ist nicht mehr so stark. Hamburg soll jetzt auch eine Sauerland-Stadt werden", verkündet Kalle Sauerland, der selbst in der Hansestadt lebt. So wie Arthur Abraham das Aushängeschild für Berlin ist, soll es Culcay für Hamburg werden.

"ARD" sucht neue deutsche Stars

Mit entsprechend großem Brimborium wird der 27 Jahre alte Hesse verkauft. Schließlich ist Sauerlands wichtiger TV-Partner "ARD" an einem weiteren deutschen Hauptkämpfer interessiert. "Jack ist jung, intelligent, sieht gut aus und boxt spektakulär", erklärt Sportkoordinator Axel Balkausky in der "Bild". Also werden gregorianische "Pop-Mönche" zusammen mit der russischen Sängerin Eva Mali den Song "World Without End" beim Einmarsch singen, "Golden Jack" betritt den Ring mit einer goldenen Kutte, alles große Show.

Die "ARD" setzt nun also genau das um, was sich einst Klaus-Peter Kohl vom "ZDF" vergebens erhofft hatte. Mit dem Ausstieg des "ZDF" war auch der im November 2009 unterschriebene Sechsjahresvertrag von Culcay mit Universum praktisch hinfällig. Nach einigem juristischen Gezerre soll er sich schließlich für 300.000 Euro freigekauft haben und boxt nun seit Februar 2012 offiziell für Sauerland.

"Hamburg ist einfach toll. Ich lebe hier seit drei Jahren. Die Menschen sind unglaublich nett", sagt Culcay artig. Er bekommt nun alle Möglichkeiten, um sich als neuer Star in der an charismatischen deutschen Stars eher armen Szene zu etablieren und ist entschlossen, seine Chance zu nutzen: "Die Hamburger sind generell sehr sportbegeistert und werden mich unterstützen. Ich werde natürlich alles tun, damit es ein guter Kampf wird."

Die Weltmeister der vier größten Boxverbände

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