Freitag, 17.02.2012

Tumulte vor dem WM-Kampf in München

Chisora ohrfeigt Klitschko nach dem Wiegen

Dereck Chisora hat beim Wiegen vor dem WM-Kampf im Schwergewicht am Samstag in München gegen Witali Klitschko (22.45 Uhr im LIVE-TICKER) für einen erwarteten Eklat gesorgt.

Dereck Chisora (r.) teilte schon vor dem WM-Kampf gegen Witali Klitschko (l.) ordentlich aus
© Getty
Dereck Chisora (r.) teilte schon vor dem WM-Kampf gegen Witali Klitschko (l.) ordentlich aus

Witali Klitschko ist es gewohnt, seine Kämpfe zu gewinnen. Im Boxring sowieso. 45 Mal stand er als Profi im Ring, 43 Mal verließ er ihn als Sieger. Am Samstag in München versucht der vorlaute Brite Dereck Chisora dem WBC-Champion seinen Schwergewichtstitel abzunehmen und sorgte am Tag zuvor beim Wiegen schon mal für einen erwarteten Eklat.

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Dereck Chisora, Witali Klitschko, Ohrfeige

Mit seiner Rechten verpasste er Klitschko eine schallende Ohrfeige. "Ich werde am Samstag zurückschlagen", sagte der deutlich gezeichnete Champion, "er wird seine Abreibung bekommen."

Dann sitz auch wieder Ehefrau Natalia am Ring, mit der er seit 15 Jahren verheiratet ist. "Auch um die Liebe muss man kämpfen", sagt Klitschko, auch da ist er offenbar erfolgreich. Vergangenes Jahr wurden die beiden Wahl-Hamburger zum "Paar des Jahres" gekürt. Und dabei mag sie die Boxerei doch gar nicht.

Gegner kämpfen nicht mit fairen Mitteln

Aber sie weiß, dieser Teil von Witalis Leben neigt sich dem Ende entgegen. 40 Jahre alt ist ihr Mann inzwischen, aber "fitter denn je" (Trainer Fritz Sdunek). 110,5 Kilo brachte er auf die Waage, Chisora 109,4. Einen Boxkampf will Witali noch machen, im Sommer. Danach soll das neue Leben in der Politik so richtig beginnen. Mit Gegnern, die nicht mit fairen Mitteln kämpfen.

Chisora ist dagegen ein Job, der erledigt wird. Muss ja, der TV-Vertrag mit RTL verlangt es und es ist lukrativ. "Man muss immer voll konzentriert sein und darf den Gegner auf keinen Fall unterschätzen", sagt Klitschko, "Chisora ist sehr locker und selbstbewusst drauf. Er wird eine harte Nuss."

Klitschko vs. Adamek: die besten Bilder
Ein fast schon gewohntes Bild: Die strahlenden Klitschko-Brüder präsentieren stolz ihre Titelsammlung nach dem Kampf
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120 Ländern übertrugen den Kampf, selbst der amerikanische TV-Sender "HBO" zeigte den Fight live. Dafür präsentierten sich die Veranstalter in Breslau von ihrer besten Seite
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Witalis Frau Natali (l.) hatte Schauspielerin Uschi Glas als Unterstützung mit am Ring
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Von Beginn an deckte WBC-Weltmeister Witali Klitschko (r.) seinen Herausforderer Tomasz Adamek mit Schlagsalben zu
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Witali Klitschko dominierte seinen überforderten Gegner im Ring nach Belieben. Adamek wurde oft von den schnellen Attacken des Weltmeisters überrascht
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Kurze Schrecksekunde in der 8. Runde, als Klitschko unglücklich ausrutschte. Aber der Weltmeister konnte problemlos weiterkämpfen
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In der 10. Runde sah der Ringrichter Massimo Barrovecchio keine andere Alternative, als den überforderten Polen aus dem Kampf zu nehmen
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Somit feierte Witali Klitschko den 43. Sieg in seiner Karriere und bleibt Weltmeister im Schwergewicht. Seit 2003 bleibt Klitschko somit ungeschlagen
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Chisora kündigt K.o. in Runde acht an

Der 27 Jahre alte Brite machte in der Woche vor dem Kampf seinen Job jedenfalls perfekt. Bis hin zum Watsch´n-Skandal. Er beleidigte, kündigte seinen Sieg an, schuf Interesse. Alles wie bestellt, ein Vollprofi. "Ich rieche Klitschkos Angst, etwas Großes zu verlieren, ich werde ihn in der achten Runde k.o. schlagen", sagte der Londoner, "Witali mag ein Doktor sein, ich bin die Pest."

Wenn der Kampf im Boxring geschlagen und wahrscheinlich gewonnen ist, dann folgt der Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse in seinem Heimatland. Klitschko meint es offenbar ernst mit seinem Eintreten für Demokratie und Meinungsfreiheit, gegen Korruption und Vetternwirtschaft. "In der Ukraine läuft im Moment vieles falsch", sagt er, "wir sollten eine Demokratie nach westeuropäischen Vorbild werden."

"Die Ukraine ein autoritäres Land"

Im Sommer tritt er zunächst bei den Bürgermeisterwahlen in Kiew an. Zweimal bereits ist er dabei gescheitert, entmutigen lässt er sich dadurch nicht. 2010 hat Klitschko die "Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen" gegründet, UDAR. Ein Wortspiel, Udar bedeutet Schlag. Im Oktober will er ins Parlament einziehen, die Umfragen machen optimistisch - und alarmieren die Gegner.

Schon gibt es Vorwürfe, Klitschkos Vater hätte seinen Diplomatenpass zum Waffenschmuggel missbraucht und er selbst leide an Parkinson. "Das sind die gleichen Leute, die Julia Timoschenko ins Gefängnis gesteckt haben", sagt Klitschkos Manager Bernd Bönte. Die ehemalige Ministerpräsidentin Timoschenko sitzt seit August 2011 wegen zweifelhafter Korruptionsvorwürfe in Haft.

"Die Ukraine ist ein autoritäres Land" sagt Klitschko, "jederzeit kann die Polizei kommen und dich in den Knast stecken." Das alles schreckt ihn aber nicht, er kämpft, so wie er es gewohnt ist in seinem Leben. Ein Dereck Chisora ist da wirklich das geringste Problem.

Die Weltranglisten der vier Verbände


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