Sonntag, 19.02.2012

Wladimir Klitschko im Interview

Chisora-Drohung: "Das war ein krimineller Akt"

Die Pressekonferenz des Grauens und die Folgen: Wladimir Klitschko stellte sich nach dem Punktsieg seines Bruders Witali den Fragen der Journalisten und sprach über Dereck Chisoras Morddrohung an David Haye und das Einschalten der Polizei.

Direkt nach dem Kampf war die Welt noch in Ordnung bei Witali (l.) und Wladimir Klitschko
© Getty
Direkt nach dem Kampf war die Welt noch in Ordnung bei Witali (l.) und Wladimir Klitschko

Frage: Sie saßen auf einem Journalisten-Platz, als die Pressekonferenz zu einer Schlägerei zwischen dem gegen Ihren Bruder Witali unterlegenen Dereck Chisora und dem als TV-Experte anwesenden David Haye ausartete. Wie bewerten Sie den Eklat?

Wladimir Klitschko: Das machte überhaupt keinen Sinn, das war Nonsens. Es ist immer noch Boxen. Wir brauchen keine Schlägereien und wir brauchen keine blutigen Gesichter bei einer Pressekonferenz. Im Ring zu kämpfen ist okay, aber doch nicht außerhalb. Ich bin sehr überrascht, ich bin sehr enttäuscht. Man sollte ein gewisses Maß an Respekt mitbringen.

Die Chronologie: So lief es nach dem Klitschko-Kampf alles ab

Frage: Was sagen Sie zum Verhalten von Chisora?

Klitschko: Ich habe selbst gehört, dass Chisora zu David gesagt hat, dass er ihn persönlich erschießen will. Das ging zu weit. Es ist immer noch Boxen. Ich bin sprachlos.

Frage: Wird es Konsequenzen geben?

Klitschko: Ich kenne mich mit den Gesetzen nicht aus, aber was Chisora gesagt hat, ist ein krimineller Akt. So etwas gehört definitiv zur Polizei. Das ist jetzt deren Fall. Solche Sätze darf man nicht sagen. Das ist widerlich.

Frage: Und Ihr Kommentar zu Haye?

Klitschko: Es machte alles keinen Sinn: Zwei britische Boxer, die nicht einmal gegeneinander kämpfen, prügeln sich auf deutschem Boden. Ich habe David vorher gewarnt: Bleib lieber draußen und gehe nicht in den Pressekonferenz-Raum, sonst bekommst du paar auf die Mütze. Dass dennoch so etwas passieren konnte, ist eine Schande.

Frage: Welche Folgen hat das Ereignis in München auf den Boxsport an sich?

Klitschko: Es tut dem Boxsport nicht gut, ganz sicher.

Frage: Schon vor dem Kampf kam es zu einem Skandal, der angesichts der Pressekonferenz fast unterging: Chisora spuckte Ihnen ins Gesicht. Was möchten Sie Chisora mitgeben?

Klitschko: Ich bin enttäuscht, tief enttäuscht. Ich schäme mich für ihn. Chisora gehört einfach nicht in unseren Sport. Er spuckte nicht nur mir ins Gesicht, sondern auch ins Gesicht aller Fans und des Sports an sich. Mit solch einem Verhalten hat er gezeigt, dass er keinen Respekt vor dem Boxen und deren Champions hat. Keinen Respekt vor Muhammad Ali, Joe Louis, Max Schmeling oder Rocky Marciano.

Frage: Das Spucken war offenbar eine Reaktion auf Ihre Beschwerde, wodurch sich Chisora seine Bandagen neu legen lassen musste. Deswegen verzögerte sich auch der Kampfbeginn.

Klitschko: Die Regeln sind ganz klar: Bandagen dürfen nicht direkt auf der Haut liegen. Genau das habe ich angemerkt. Dass Chisora offenbar die Regeln nicht kennt, geht gar nicht. Zwischendurch sagte er sogar, dass er nicht mehr kämpfen wolle.

Frage: Was ärgert Sie am meisten über Chisora?

Klitschko: Millionen Menschen schauen zu meinem Bruder auf und verfolgen den Kampf - und dann tritt Chisora so auf. Das ist nicht akzeptabel. Er muss bestraft werden.

Frage: Heißt es, dass Sie bereit wären, ebenfalls gegen Chisora in den Ring zu steigen?

Klitschko: Erst sollen Chisora und Haye untereinander klären, wer dran ist. Ich schaue mir das in Ruhe an und entscheide dann, was ich mache.

Frage: Chisora erwartet auch von Ihrem Bruder einen Rückkampf, weil er so gut ausgesehen hätte gegen ihn. Dabei litt Witali nach eigenen Angaben ab der 4. Runde an einer Schulterverletzung. Wie geht es ihm?

Klitschko: Ich muss sagen: Chisora hat gut Druck ausgeübt. Aber anhand seines vebeulten Gesichts sah man, wer der eindeutige Sieger ist. Dabei konnte Witali wegen der Verletzung seine linke Hand nicht aktiv nutzen. Das habe ich gesehen. Für eine Diagnose müssen wir jedoch den Sonntag abwarten.

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