Huck sorgt für Aufruhr im Schwergewicht

Die Schlacht des Straßenköters

Von Für SPOX in Stuttgart: Haruka Gruber
Sonntag, 26.02.2012 | 12:30 Uhr
Das ständige Abducken von Alexander Powetkin führte zu keiner Verwarnung
© Getty
Advertisement
Erlebe
deinen Sport
live
National Rugby League
Sa11:30
Roosters -
Storm
AEGON Classic Women Single
Sa12:30
WTA Birmingham: Halbfinals
Mallorca Open Women Single
Sa15:00
WTA Mallorca: Halbfinals
Rugby Union Internationals
Sa21:15
Argentinien -
Georgien
AEGON International Women Single
So12:00
WTA Eastbourne: Tag 1
AEGON Classic Women Single
So14:30
WTA Birmingham: Finale
Mallorca Open Women Single
So17:00
WTA Mallorca: Finale
AEGON International Women Single
Mo12:00
WTA Eastbourne: Tag 2
AEGON International Women Single
Di12:00
WTA Eastbourne: Tag 3
Boodles Challenge
Di13:30
The Boodles -
Tag 1
AEGON International Women Single
Mi12:00
WTA Eastbourne: Tag 4
Boodles Challenge
Mi13:30
The Boodles -
Tag 2
National Rugby League
Do11:50
Eels -
Bulldogs
AEGON International Women Single
Do12:00
WTA Eastbourne: Viertelfinals
Boodles Challenge
Do13:30
The Boodles -
Viertelfinals
National Rugby League
Fr11:50
Broncos -
Storm
AEGON International Women Single
Fr12:00
WTA Eastbourne: Halbfinals
Boodles Challenge
Fr13:30
The Boodles -
Halbfinals
AEGON International Women Single
Sa13:15
WTA Eastbourne: Finale
FIBA U19 World Cup
Sa15:15
Argentinien -
Frankreich
FIBA U19 World Cup
Sa17:30
Iran -
USA
FIBA U19 World Cup
Sa17:45
Deutschland -
Litauen
National Rugby League
So08:00
Rabbitohs -
Panthers
FIBA U19 World Cup
So15:30
Frankreich -
Neuseeland
FIBA U19 World Cup
So16:00
Spanien -
Kanada
FIBA U19 World Cup
So17:45
Puerto Rico -
Deutschland
FIBA U19 World Cup
Di13:45
Spanien -
Mali
FIBA U19 World Cup
Di16:00
Italien -
USA
Shanghai Darts Masters
Do13:00
Shanghai Darts Masters -
Tag 1
National Rugby League
Fr11:50
Roosters -
Rabbitohs
Shanghai Darts Masters
Fr13:00
Shanghai Darts Masters -
Tag 2

Betrug? Schiebung? Komplott? Der WM-Kampf zwischen Alexander Powetkin und Marco Huck wurde zu einem echten Rumble - mit dem falschen Sieger und einem triumphalen Verlierer. Powetkin sorgt für Kopfschütteln.

In einer Nacht, in der Marco Huck sich der Seriosität verpflichtet hatte, war es eine kurze Rückkehr zu seinem früheren Selbst. Als Retourkutsche auf die teils seltsam anmutenden Äußerungen seines Kontrahenten Alexander Powetkin riss Huck eine Geschichte an, die sich vor ungefähr drei Jahren ereignet hat.

Powetkin, schon damals nach Meinung vieler der weltbeste Schwergewichtler hinter den Klitschkos, war mit seiner Entourage nach Berlin gereist und bereitete sich mit Huck als einer der Trainingpartner auf einen Kampf vor. Dabei zeigte sich der Russe im Sparring so chancenlos, "dass er sich seitdem nie mehr bei uns blicken ließ", sagte Huck und blickte rüber zu Powetkin.

Mann im Fokus: Luis Pabon

Dieser hatte sich für seine schwache Leistung im WM-Kampf von Stuttgart damit erklärt, dass er Huck nicht für voll genommen habe. Huck: "Du hast mich auf keinen Fall unterschätzt. Du hast mich in sehr, sehr guter Erinnerung." Sein Trainer Ulli Wegner pflichtete bei: "Marco hat Powetkin damals schön unter Strom gesetzt."

Doch all die rhetorische Überlegenheit blieb eine Staffage. Denn den wichtigsten Erfolg errang Powetkin. Im Ring. Dank der Hilfe von zwei der drei Punktrichter, die den Russen mit 116:112 und 116:113 vorne sahen, obwohl das Unentschieden des Dritten (114:114) der Wahrheit wesentlich näher kam.

Und dank des puertoricanischen Ringrichters namens Luis Pabon, der anfangs Hucks Runterdrücken des Gegners zu sachte bewertet hatte - und daraus für sich die Legitimation ableitete, Powetkin noch mehr durchgehen zu lassen.

Nicht anders ist es zu erklären, dass Powetkins ständiges Abducken kein einziges Mal verwarnt wurde.

Der "sexuelle Akt" von Powetkin

"Der Ringrichter kam vorher extra in der Kabine zu uns und mahnte uns dazu an, dass keiner mit dem Kopf runtergehen soll. Ich dachte schon, Powetkin wollte einen sexuellen Akt an mir ausüben", sagte Huck: "Betrüger gibt es überall, selbst im eigenen Land. Wie kann jemand gewinnen, wenn man selbst bei der Siegerverkündung noch wackelt?"

Powetkin schlug mit einer höheren Frequenz auf Huck ein, dieser jedoch traf wesentlich genauer und wirkungsvoller, so dass der Gegner wiederholt kurz vor dem K.o. stand. Dieser jedoch ließ mit dem Selbstverständnis eines Weltmeisters wissen: "Es gab keinen einzigen Schlag, der mich ins Wanken gebracht hat."

Von derlei Sperenzchen des Russen ließ sich Huck jedoch nicht provozieren, weder im Kampf noch bei der Pressekonferenz. Nach den letzten weniger überzeugenden Auftritten wurde ihm vorgeworfen, dass er sich nicht weiterentwickelt und durch die Annehmlichkeiten eines Box-Stars die innere Mitte verloren habe. Gegen Powetkin bewies Huck das Gegenteil: Sein Auftreten war gleichsam selbstbewusst wie konzentriert, sein Boxstil mutig wie aufregend.

Huck ist im positiven Sinn ein Straßenköter. Einer, der als Kriegsflüchtling mit seiner Familie nach Deutschland geflohen war und sich vom Asylbewerber zum Weltmeister durchbiss. Wer in der 12. Runde gegen Powetkin in das nicht von Blut beschmierte Auge blickte, sah jene Tugend, die Promoter Kalle Sauerland so beschrieb: "Ganz tief, irgendwo in Marcos Körper, sitzt dieses Kämpferische."

Powetkin: An der Grenze des Kollaps'

In der jüngeren Vergangenheit gab es zwei Boxer von Rang, deren Karrieren ausgerechnet durch eine Niederlage begründet wurden. Felix Sturm verlor 2004 in Las Vergas gegen den damaligen Superstar Oscar de la Hoya kontrovers nach Punkten. Ein Jahr zuvor musste sich Vitali Klitschko in Los Angeles Lennox Lewis und seinem blutenden Cut beugen.

Powetkin ist nicht das gleiche Kalibers eines de la Hoya und Lewis - dennoch sollte Hucks Leistung ähnlich gewürdigt werden. Huck war der erste Cruisergewichtler, der nach dem Aufstieg in die Königsklasse sofort einen WM-Kampf forderte und bekam. Und das nicht gegen irgendjemanden, sondern gegen den designierten Regenten der Schwergewichtsszene, sollten die Klitschkos abdanken.

Powetkin genoss anders als Spätstarter Huck eine fundierte Ausbildung, gewann als Amateur Gold bei Olympia, WM und EM - und war im Kampf fast zwölf Kilogramm schwerer als jeder Gegner, mit dem es Huck je zu tun bekam. Huck selbst nahm zwar knapp fünf Kilogramm zu, trotzdem blieb eine Differenz von neun Kilogramm.

Die fehlende Masse ignorierte Huck aber beflissentlich und brachte mit seinen Salven den nicht austrainierten Powetkin an die Grenze des Kollaps'. Explosiv, schnell, taktisch clever: Was fehlte, war nach der guten Vorbereitung mit der linken Führhand die Geduld beim Nachsetzen, um mit einem rechten Aufwärtshaken den Knockout zu erzwingen.

Rückkehr ins Cruisergewicht?

Ansonsten gab es wenig auszusetzen: "Ich habe nur 15 Amateurkämpfe bestritten und dominiere Powetkin, der im Amateurbereich alles gewonnen hat. Ich habe ihn nicht nur dominiert, ich habe ihn nach Strich und Faden verprügelt."

Dass der Sieger dennoch Powetin heißt, spottet jeder Beschreibung - und wäre der perfekte Aufhänger für ein Rematch. Dies sei aber erst im Herbst möglich, so Kalle Sauerland. Denn zuvor steht noch Powetkins Pflicht-Herausforderung gegen Hasim Rahman bevor.

Vor der Terminierung gäbe es ohnehin genug Fragen zu beantworten: Promoter-Übervater Wilfried Sauerland plädierte für eine Rückkehr von Huck ins Cruisergewicht. Huck selbst hält sich alles offen: Erst in eineinhalb Wochen muss er sich der WBO erklären, was er gedenkt.

Tritt er wieder im Cruisergewicht an, darf er den WM-Titel behalten. Bleibt er im Schwergewicht, muss er sich mit Aufbaukämpfen die Weltranglisten hochkämpfen.

Doch dass wäre nichts neues für den Straßenköter.

Die Weltranglisten im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung