Freitag, 17.09.2010

Alexander Frenkel & Karo Murat im Interview

Anarchie, Armut und die Mafia

Der eine konnte mit zehn Jahren nicht lesen und schreiben, der andere musste vor der Ukraine-Mafia fliehen. Jetzt baut der Sauerland-Boxstall das Duo Frenkel/Murat zu den kommenden Box-Stars auf. Die beiden sind nach wie vor unbesiegt - doch jetzt stehen sie vor der Reifeprüfung. Am 18. September treten beide in Birmingham gegen zwei Lokalmatadoren an: Frenkel trifft auf Enzo Maccarinelli, Murat auf Nathan Cleverly.

Zwei der größten Box-Hoffnungen Deutschlands: Alexander Frenkel (l.) und Karo Murat
© spox
Zwei der größten Box-Hoffnungen Deutschlands: Alexander Frenkel (l.) und Karo Murat

SPOX: Am 18. September stehen Sie beide vor den wichtigsten Kämpfen Ihrer Karriere - und das ausgerechnet in Birmingham, wo Ihre Gegner Heimvorteil genießen. Warum gehen Sie ein solches Risiko ein?

Alexander Frenkel: Die britischen Fans sollen ruhig ihren Spaß haben und mich auspfeifen. Das macht die Sache doch erst richtig interessant. Schon als Amateur hat es mir nie etwas ausgemacht, wenn die Zuschauer komplett gegen mich waren.

Karo Murat: Ganz genau. Ich mag es, wenn die Masse mich fertig machen will und sie mich hasst. Dann schaltet mein Kopf auf hundert Prozent und ich bin in einem Zustand der totalen Konzentration. Außerdem habe ich extra Witali Klitschkos letzten Kampf auf Schalke besucht, um die Atmosphäre schon einmal aufzusaugen. So ähnlich knisternd wird es auch in Birmingham sein.

SPOX: Herr Frenkel, Ihr Gegner Enzo Maccarinelli ist Ex-Weltmeister und gehörte noch vor wenigen Jahren zu den großen Namen des Boxens. Wie gefährlich ist er?

Frenkel: Der Fight wird wohl meine bisher größte Herausforderung. Nach dem Video-Studium zu urteilen ist Maccarinelli sehr schnell, schlägt hart und bringt eine gute Größe mit. Dennoch habe ich keine Angst, denn die wahren Schwächen eines Boxers offenbaren sich erst im Ring.

SPOX: Seit seiner Niederlage gegen David Haye im August 2008 ist Maccarinelli nur noch ein Schatten vergangener Tage. In den letzten sieben Kämpfen verlor er dreimal durch Technischen K.o. - weswegen der erst 30-jährige Maccarinelli bereits von seiner "letzten Chance" spricht.

Frenkel: Er steckte in den letzten Jahren in einer Krise. Dass er sich deswegen so sehr unter Druck setzt, ist dementsprechend verständlich: Wenn er verliert, bekommt er wohl nie wieder einen WM-Fight. Mal sehen, wie er mit den eigenen Erwartungen klarkommt. Ich werde mit viel Selbstvertrauen in den Ring steigen - aber auch mit dem Wissen, dass Boxen am Ende doch nur eine Sportart ist und eine Niederlage nicht gleich das Ende der Welt bedeutet.

SPOX: Herr Murat, welche Stärken hat Ihr 23-jähriger Gegner Nathan Cleverly?

Murat: In Großbritannien gilt er ja als großes Talent - aber Talent ist nicht alles. Erfahrung und Kampfherz sind mindestens genauso wichtig. Bisher hat er nur bewiesen, dass er ein Großmaul ist, als er sich mit Joe Calzaghe verglichen hat. Ich habe vor jedem Respekt, aber jemanden, der solche Sprüche reißt, kann ich nicht ernst nehmen.

SPOX: Cleverly gehört zu den Hoffnungsträgern des britischen Boxens, Sie beide wiederum stehen für die Zukunft des deutschen Boxsports. Herr Murat, wie wichtig wäre es für Sie, in naher Zukunft gegen einen Box-Star wie Bernard Hopkins zu kämpfen, um Ihren Anspruch zu unterstreichen?

Murat: Ich bin sehr stolz auf den Ruf, den ich mir bereits erarbeitet habe. Aber ein Fight gegen Hopkins wäre großartig. Dann hätte ich den Vergleich, wie weit ich bereits bin. Es ist unglaublich, wie gut Hopkins mit seinen 45 Jahren noch ist, Roy Jones beispielsweise hat den Absprung verpasst. Ich würde alles daran setzen, um mit Hopkins im Ring zu stehen.

SPOX: Herr Frenkel, Sie hingegen stecken in der Zwickmühle: Mit Marco Huck und Steve Cunningham verfügt Sauerland bereits über zwei Weltmeister im Cruisergewicht. Spielen Sie Stall-intern nur die zweite Geige?

Frenkel: Ich gehe davon aus, dass Sauerland auch für mich WM-Kämpfe veranstalten wird, solange ich meine Leistungen bringe. Natürlich ist so ein großes Event immer schwierig zu organisieren, aber Sauerland ist es ja schon gelungen, mir den Fight gegen Maccarinelli um den EM-Titel einzufädeln. Einen WM-Kampf zu veranstalten sollte das letzte Problem sein.

SPOX: Wie ist Ihr Verhältnis zum gleichaltrigen Huck?

Frenkel: Wir sind keine Freunde und jeder geht seinen eigenen Weg. Es ist aber nicht so, als ob wir uns nicht verstehen würden. Ich habe mich mit ihm gefreut, als er den Weltmeisterschaftsgürtel gewonnen hat. Er hat ihn sich verdient.

"Ich bin stärker als Marco Huck. Ich habe den härteren Punch, die bessere Technik und bringe mehr Nehmerqualitäten."

Alexander Frenkel

SPOX: Ist Huck der bessere Boxer?

Frenkel: Ich denke, dass ich stärker bin als er. Ich habe den härteren Punch, die bessere Technik und bringe mehr Nehmerqualitäten mit. Andererseits denkt er wahrscheinlich genau das Gleiche über sich, das gehört wohl zum Box-Geschäft dazu. Der WM-Titel spricht auf jeden Fall für ihn.

SPOX: Huck galt früher als schlampig und faul, bevor ihn Trainer Ulli Wegner zurechtwies. Sie beide werden ebenfalls von Wegner betreut. Erging es Ihnen genauso?

Murat: Genauso war es. Bevor ich in den Profi-Bereich gewechselt bin, habe ich gelebt, wie ich wollte. Erst Ulli Wegner hat mich dazu gebracht, den Leistungssport in aller Konsequenz anzunehmen. Das wäre die Grundvoraussetzung, um es irgendwann zum weltbesten Boxer im Halbschwergewicht zu schaffen. Diese Lektion habe ich gelernt.

Frenkel: Bei mir war es ähnlich. Ich stand zwar im Boxring, aber ich lebte nicht wie ein Boxer. Schlafen, essen, ausruhen: Ich habe nichts eingehalten, was einen echten Profi ausmacht. Ich war abends weg, ging in die Disco, habe bei McDonald's gegessen, das ganze Programm. Jetzt ist mein gesamter Tagesablauf auf den Sport ausgerichtet und ich merke, wie sehr ich mich dadurch schon verbessert habe.

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SPOX: Haben Sie die nötige Professionalität auch entwickelt, um den ärmlichen Verhältnissen zu entfliehen?

Murat: Als ich 17, 18 Jahre alt war, bin ich häufig Joggen gegangen und habe dabei immer einen schicken Mercedes gesehen, der in einem Autohaus ausgestellt war. Auf der Laufroute stand auch häufig ein tiefer gelegter Golf.  Damals hatte ich zu wenig Geld, aber ich habe mir gesagt: Ich werde schuften wie nur möglich und mir eines Tages so einen Wagen leisten. Und tatsächlich, vor zwei Jahren hat es mit dem Kauf eines 7er BMWs geklappt. Es ging mir dabei gar nicht ums Protzen, sondern um das Gefühl, etwas erreicht zu haben.

SPOX: Es heißt, dass Ihr Vater nach Deutschland ausgewandert ist, weil er im Irak vor Saddam Hussein fliehen musste.

Murat: Das ist eine Falschmeldung. Meine Familie kommt zwar ursprünglich aus dem Irak, aber ich bin in Armenien geboren und aufgewachsen, bis ich zehn Jahre alt war. Weil in Armenien aber keine Perspektiven geboten wurden, sind wir nach Deutschland gezogen.

SPOX: Stimmt es, dass Sie erst in Deutschland schreiben und lesen gelernt haben?

Murat: Ja, ich musste alles nachholen. Die deutsche Sprache, das Lesen, das Schreiben, das alles war komplett neu für mich und sehr, sehr hart. Aber ich habe mich durchgebissen. Seither weiß ich auch, dass man solange kämpfen muss, bis man nicht mehr stehen kann. Aufgeben ist keine Option, egal ob im Leben oder beim Boxen.

SPOX: Warum ist Ihre Familie 1995 aus der Ukraine nach Deutschland übergesiedelt, Herr Frenkel?

Frenkel: In der Ukraine ging es in den 90er Jahren sehr gefährlich zu, es herrschte Anarchie. Ich kenne keine Details, aber mein Vater hat eine Firma besessen, die mit Autos gehandelt hat. Nachdem ihn jedoch die organisierte Kriminalität unter Druck gesetzt hat, bekam er Angst um die Gesundheit der Familie und wir sind gezwungenermaßen umgezogen.

SPOX: Haben Sie Kontakt zu den Klitschko-Brüdern, die ebenfalls aus der Ukraine stammen?

Frenkel: Leider nicht. Das ändert jedoch nichts daran, wie sehr ich sie respektiere. Ich kann boxerisch noch sehr viel von ihnen lernen, aber auch menschlich sind sie klasse. Es ist sehr beeindruckend, wie sie charakterstark und zielgerichtet ihren Weg aus der Ukraine in die weite Welt gegangen sind.

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