Boxen

"Ich sehe Angst in Vitalis Augen"

Von Interview: Carolin Blüchel
Der Black Panther Juan Carlos Gomez will Weltmeister Vitali Klitschko "die Fresse polieren"
© Getty

Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko wollte den Kampf gegen den Kubaner Juan Carlos Gomez unbedingt umgehen. Am Samstag muss er sich dem Black Panther nun doch stellen. In Stuttgart kommt es zum großen Showdown zweier ehemaliger Stallkollegen. Bei SPOX spricht Gomez über die Chance seines Lebens, seine Patchwork-Familie und durchzechte Partynächte.

Was wäre eine Schwergewichts-WM ohne das Säbelrasseln im Vorfeld? Richtig, nur halb so schön. Herausforderer Juan Carlos Gomez hat sich in dieser zugegeben unwichtigeren Disziplin wacker geschlagen. Am Samstag in Stuttgart will er auch in der zweiten Disziplin, dem Kampf, überzeugen.

Alles ist so schön angerichtet: Dr. Eisenfaust gegen den Schwarzen Panther. Nach dem verbalen Schlagabtausch brennt die Luft. Der Fight könnte so schön unemotional sein, wäre da nicht Fritz Sdunek.

Der Coach von Vitali Klitschko ist zugleich der Großvater von Gomez' Tochter Delia und zugleich der Schwiegervater von Gomez-Promoter Ahmet Öner. Ein Familien-Duell das selbst Hollywood nicht besser inszenieren könnte.

"Familie ist Familie und Sport ist Sport", sagt Gomez kurz und knapp und will sich von Gefühlsduseleien nicht beirren lassen. Bei SPOX spricht der Black Panther über die Chance seines Lebens, Familienbande und durchzechte Partynächte.

SPOX: Der Kampf gegen Vitali Klitschko steht unmittelbar bevor. Aller Augen werden dabei auf Sie gerichtet sein. Spüren Sie schon die Nervosität?

Juan Carlos Gomez: Natürlich steigt die positive Anspannung - das ist auch wichtig für den Kampf, aber nervös bin ich nicht. Ich bin ein geborener Boxer, und ich freue mich auf diesen Kampf. Ich will und ich werde Vitali die Fresse polieren!

SPOX: Sie nehmen den Mund ganz schön voll. Wie soll das "Fresse polieren" denn gehen?

Gomez: Ich werde hier natürlich nicht verraten, was sich mein Trainer Orlando Cuellar und ich für Vitali ausgedacht haben. Grundsätzlich ist doch aber klar, dass ich der schnellere und technisch bessere Boxer bin. Ich werde mich so gut bewegen, dass Vitali mich gar nicht sieht. Und was er nicht sieht, das kann er nicht treffen. Ich dagegen werde ihn immer wieder von allen Seiten treffen und - wie gesagt - ordentlich die Fresse polieren.

SPOX: Klitschko und sein Management wollten den Kampf um alles in der Welt umgehen. Angeblich, weil Sie zu schwach seien. Jetzt ist Vitali aber plötzlich voll des Lobes. Wie erklären Sie sich den Meinungsumschwung?

Gomez: Vielleicht hat Vitali durch unsere Zusammentreffen bei den Pressekonferenzen gemerkt, wie ernst ich es meine. Er wollte den Kampf von Beginn an deswegen nicht, weil er wusste, dass ich gut genug bin, ihn zu schlagen. Alles andere war und ist blödes Gerede!

SPOX: Sie glauben, er hat Angst?

Gomez: Natürlich, das sieht man in seinen Augen. Er hat ja auch alles zu verlieren. Er ist der Champion, sein Gürtel steht auf dem Spiel. Ich kann dagegen nur gewinnen, denn viele Leute glauben, dass er mich leicht besiegen wird.

SPOX: Das glaubt auch Vitalis Trainer Fritz Sdunek, der Sie ja noch aus Universum-Zeiten kennt. Er behauptet, er kennt Ihre Schwächen genau.

Gomez: Fritz war mein Trainer, das stimmt. Und er hat auch gesagt, dass ich der beste Boxer war, den er je trainiert hat. Aber seitdem hat sich viel getan. Ich habe mit vielen anderen Trainern zusammengearbeitet, habe noch mehr Erfahrung gesammelt, bin noch besser geworden. Fritz kennt den Cruisergewichts-Weltmeister Juan Carlos Gomez. Er weiß nichts über den kommenden Schwergewichts-Weltmeister - den "Black Panther" von heute. Wenn er glaubt, mich in- und auswendig zu kennen, könnte das zu einem der größten Probleme von Vitali werden, denn ich habe einige Überraschungen auf Lager.

SPOX: Sdunek ist nicht nur Vitalis Trainer sondern auch noch der Großvater Ihrer Tochter Delia und sozusagen Ihr Ex-Schwiegervater. Wie ist das Gefühl, wenn in der anderen Ecke ein Mitglied der Familie steht?

Gomez: Das ist doch alles unwichtig. Familie ist Familie, Sport ist Sport und Geschäft ist Geschäft. Fritz hat das bei der Pressekonferenz richtig gesagt. Wenn Bayern gegen Hertha spielt, stehen sich da mit Uli und Dieter Hoeneß sogar zwei Brüder gegenüber. So etwas passiert im Profi-Sport, aber das ist vollkommen unwichtig. Wichtig ist, was im Ring passiert.

SPOX: Dennoch ist die familiäre Situation eine besondere. Ihr Promoter, Ahmet Öner, ist auch noch mit Sduneks Tochter Kati, Ihrer Ex, verheiratet. Haben Sie beide ein besonderes Verhältnis?

Gomez: Wie ich schon sagte, Familie und Business haben nichts miteinander zu tun. Ahmet ist ein sehr guter Promoter. Er hat an mich geglaubt und mir diesen WM-Kampf verschafft. Niemand hätte gedacht, dass ich es noch einmal in diesen großen Kampf gegen Vitali schaffen würde - außer Ahmet. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Jetzt zahle ich sein Vertrauen zurück, indem ich Vitali schlage. Das ist alles.

SPOX: Sie haben es vorhin bereits angesprochen, dass Sie eigentlich aus dem Cruisergewicht kommen. Ähnlich wie der Brite David Haye. Woher kommt es, dass so viele Cruisergewichtler ins Schwergewicht aufsteigen, obwohl sie ja meist Größennachteile haben?

Gomez: Das ist kein neues Phänomen. Roy Jones jr. hat sich einen Titel im Schwergewicht geholt, Evander Holyfield kam aus dem Cruisergewicht, Leon Spinks war der kleinere Mann und hat Muhammad Ali geschlagen und Goliath hatte gegen David nicht den Hauch einer Chance. Zu glauben, dass der größere Mann immer den kleineren schlägt, ist albern.

SPOX: Sie wirken sehr fokussiert. Früher waren Sie dagegen auch für Drogen-, Alkohol- und Frauengeschichten bekannt. Sind Sie geläutert?

Gomez: Die Vergangenheit liegt hinter mir, darüber will ich nicht reden. Aber Fakt ist: Ich habe nie Drogen genommen. Diese Kokain-Geschichte war von Universum inszeniert, um mich loszuwerden.

SPOX: Also doch keine Läuterung?

Gomez: Doch schon. Ich habe den Glauben an Allah gefunden. Er hilft mir, meinen Weg zu gehen. Und natürlich hilft mir meine Familie, vor allem mein Cousin Oscar. Es hilft mir auch, in die strahlenden Augen meiner Kinder zu gucken. Und was mich vor allem antreibt, ist der Wunsch, meinem Vater auf Kuba den Weltmeister-Gürtel im Schwergewicht zu präsentieren. Dafür arbeite ich, dafür schwitze ich, das treibt mich an.

SPOX: Gibt es denn überhaupt keine langen Disco-Nächte mehr?

Gomez: Ich habe mich über ein Vierteljahr konzentriert auf diesen Kampf vorbereitet - ohne Party und komplett ohne Alkohol und Zigarren, was für einen Kubaner nicht leicht ist. Aber wenn ich mir Vitalis Gürtel geschnappt habe, werden wir eine Party feiern, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat!

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