Julius Brink im Interview

"Tour de France ist Zirkussport"

Von Interview: Alexander Mey
Montag, 27.07.2009 | 10:30 Uhr
Julius Brink spielt erst seit Beginn dieser Saison mit Jonas Reckermann zusammen
© Imago
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Julius Brink und Jonas Reckermann sind die besten Beachvolleyballer der Welt. Das sagt die aktuelle Weltrangliste, auf der Brink/Reckermann Platz eins belegen. Dazu sind die beiden auch noch Weltmeister. Viel Grund zur Freude also, wäre da nicht die Berichterstattung der Medien, über die sich vor allem Julius Brink ärgert.

Rekord! Julius Brink und Jonas Reckermann haben 25 Spiele der Beachvolleyball-Weltserie hintereinander gewonnen und dabei die Weltmeisterschaft in Stavanger sowie die Grand-Slam-Turniere in Gstaad und Moskau für sich entschieden. So lange war noch nie ein Beachvolleyball-Duo ungeschlagen.

Jetzt ist die Serie gerissen. Im Halbfinale des Grand Slams in Marseille setzte es eine Pleite gegen die Olympiasieger Todd Rogers/Philip Dalhausser aus den USA.

Aber egal: Für Brink/Reckermann hat nach dem WM-Titel sportlich ein neues Leben begonnen. Aber wird ihr Erfolg in den Medien ausreichend gewürdigt? Brink diskutiert im Interview mit SPOX über verschobene Prioritäten in der deutschen Sportberichterstattung und erklärt, warum er und Reckermann die WM eigentlich gar nicht hätten gewinnen sollen.

SPOX: Sagen Sie mal, Herr Brink, wie viele Interviews haben Sie nach dem WM-Titel gegeben?

Julius Brink: Auf jeden Fall deutlich mehr als in den Wochen davor.

SPOX: Also doch alles gar nicht so schlimm, wie Sie es in Ihrer Medienschelte angeprangert haben?

Brink: Da muss ich erst einmal ein bisschen was zurechtrücken. So wütend, wie es dargestellt wurde, war ich gar nicht. Mir ist auch klar, dass Beachvolleyball nie die Sportart Nummer eins in den Medien werden wird, und natürlich konzentriert sich vieles auf Fußball. Aber wenn ich dann sehe, worüber im Sommerloch berichtet wird, wundere ich mich schon.

SPOX: Zum Beispiel?

Brink: Bestes Beispiel ist die Tour de France. Für mich ist das nach all den Dopingfällen nur noch ein Zirkussport, und trotzdem berichten die öffentlich-rechtlichen Sender darüber. Diese Sender haben einen Bildungsauftrag, den ich seit Jahren schon nicht nachvollziehen kann. Das heißt aber nicht, dass ich mich über mangelndes Medieninteresse an uns beschwere. Kann ich auch gar nicht, denn für uns hat sich in den vergangenen Wochen sehr viel verändert. Man macht durch so einen Erfolg wie den WM-Titel auf sich aufmerksam. Viele Medien, die Beachvolleyball nicht so auf dem Schirm haben, fragen sich plötzlich, was da los ist, was das für Typen sind, die plötzlich so einen Erfolg haben.

SPOX: Trotzdem ist die Medienpräsenz von Beachvolleyball sehr überschaubar.

Brink: Stimmt. Aber man muss bedenken, dass Beachvolleyball ein Event-Sport ist. Das Feeling vor Ort hat aufgrund der Nähe zu den Sportlern etwas, das kann man mit einem Fußballstadion nicht vergleichen. Man muss sich als Ziel setzen, das Event, das für sich genommen sehr gut funktioniert, auf einem vernünftigen Weg dem TV-Zuschauer nahe zu bringen. Das funktioniert eben nicht, wie es in der Vergangenheit gemacht wurde. Die Übertragungen, die das DSF jetzt macht, finde ich sehr gut.

SPOX: Wie ist denn die TV-Präsenz in der Beachvolleyball-Hochburg Brasilien?

Brink: Da hat der Sport definitiv einen anderen Stellenwert. Wir sind im Trainingslager oft in Brasilien und konnten dort sehr viel mehr Beachvolleyball im TV sehen als hierzulande. Aber auch dort dominiert der Fußball natürlich total.

SPOX: Wird in Deutschland das Interesse nach Ihren Triumphen wieder nach und nach abebben und erst zu Olympia wieder aufkommen?

Brink: Ich glaube nicht. Wir haben sportlich alles dafür getan, dass mehr und mehr Interesse entsteht. Das Gute ist, dass wir nicht allein dastehen. Wir sind zwar im Moment das Zugpferd, aber David Klemperer und Eric Koreng sind auch auf Platz fünf der Weltrangliste. Und bei den Frauen haben wir zwei Paare, die gut aussehen und dazu noch jede Menge Potenzial haben. In der Breite sind wir sehr gut aufgestellt.

SPOX: Ist Beachvolleyball mit seinem coolen Image überhaupt massenkompatibel?

Brink: Wir gelten ja in der Öffentlichkeit gerne als Mischung aus Sportveranstaltung, Disco, und Rock-Konzert. Das Klischee der Unprofessionalität heftet uns immer noch an, auch wenn das überhaupt nicht stimmt. Der Lifestylefaktor ist aber auch eine Chance für Unternehmen, die mehr transportieren wollen als Schweißgeruch und harte Arbeit.

SPOX: Haben Sie Bedenken, dass Ihre sportliche Leistung durch den Lifestyle-Faktor in Vergessenheit gerät?

Brink: Die Gefahr besteht definitiv. Als Unbeteiligter sieht man auf dem Center Court nur 15 halbnackte Mädels, die in den Spielpausen tanzen. Danach kommen vier coole Typen auf den Platz, die total locker miteinander umgehen. So ist es aber natürlich nicht. Wenn ich mir von manchen medial sehr viel präsenteren Sportarten die Trainingspläne anschaue, denke ich mir nur: Das ist ja ein nettes Aufwärmprogramm. Wer unsere Pläne damit vergleicht, merkt sehr schnell, was los ist. Jeder, der sich selbst mal im Sand bewegt hat, kann gut nachvollziehen, wie fit wir sein müssen.

SPOX: Ein flammendes Plädoyer - passend zu Ihrem berüchtigten Temperament. Wann haben Sie auf dem Platz zum letzten Mal etwas gesagt, das Sie später bereut haben?

Brink (lacht): Das passiert mir fast in jedem Spiel. Da fallen immer wieder Kraftausdrücke, die nicht zum guten Ton gehören. Meine Mama schlägt regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie über die Außenmikrofone hört, was ich so von mir gebe. Aber das gehört bei mir dazu.

SPOX: Ihr Naturell oder eine bewusste Taktik, um die Gegner zu verunsichern?

Brink: Eigentlich keine Taktik. Ich verhalte mich auf dem Platz so, wie ich denke, dass es für mein Spiel am besten ist. Manchmal muss ich eben aus meiner Haut heraus.

SPOX: Sie werden gerne mit John McEnroe verglichen, der seine Ausraster sehr wohl bewusst als taktisches Mittel eingesetzt hat.

Brink: Okay, manchmal kommt das schon vor, aber es ist auf keinen Fall die Regel. Sicher gibt es auf der Tour beliebtere Spieler als mich. Aber es denkt auch nicht jeder meiner Gegner, dass ich das größte Arschloch auf der Welt bin.

SPOX: Zumindest Ihr Partner Jonas Reckermann nicht. Kann man Sie beide als perfektes Team bezeichnen?

Brink: In den Leistungsspitzen hat mich die Verbindung mit Jonas auf ein anderes Level gebracht. Aber wichtiger ist, dass mich Jonas in meiner Spielweise viel besser unterstützen kann als mein vorheriger Partner. Wir ergänzen uns sehr gut und schaffen es, sehr konstant unsere Stärken auszuspielen. Ich habe es auch mit Christoph Dieckmann geschafft, Turniere zu gewinnen, aber mit Jonas gelingt mir das jetzt regelmäßiger.

SPOX: Wie lief die Trennung von Christoph Dieckmann ab?

Brink: Komplett ohne jegliche Schlammschlacht. Es lief alles bestens.

SPOX: Sie spielen erst sehr kurz mit Jonas Reckermann zusammen und sind quasi noch in der Einspielphase. Wie viel besser geht es denn im Hinblick auf Olympia 2012 noch?

Brink: Es mag sich arrogant anhören, wenn man sagt, wir sind noch in der Einspielphase. Aber es war in der Tat so, dass diese WM für uns eigentlich viel zu früh kam. Wir brauchen Zeit und Training, um auf das nächste spielerische Level zu kommen. Wir haben noch Defizite, und die werden uns unsere Gegner auch irgendwann wieder aufzeigen. Im Moment kommt uns noch zu Gute, dass uns unsere Gegner nicht richtig einschätzen können.

SPOX: Letzte Frage: Würde ich als Hobby-Beachvolleyballer gegen Sie überhaupt einen Stich bekommen?

Brink (lacht): Sagen wir es mal so: Ich könnte so spielen, dass wir einen schönen Ballwechsel haben - oder ich könnte Ihnen eine Lektion erteilen.

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