Der FC Bayern nach dem Euroleague-Aus

Gesucht und (noch) nicht gefunden

Von Max Marbeiter
Donnerstag, 11.12.2014 | 14:24 Uhr
Nihad Djedovic (r.) schied mit dem FC Bayern in der Euroleague-Vorrunde aus
© getty
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Bereits vor seinem letzten Heimspiel gegen den PGE Turow Zgorzelec (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist der FC Bayern München aus der Euroleague ausgeschieden. Dabei hatte die Saison so vielversprechend begonnen. Das neue System funktionierte noch nicht wie gewünscht. Der Mannschaft fehlte eine wichtige Komponente. Unglückliche Fügungen und hochkarätige Gegner erschwerten jedoch das Vorhaben Top 16.

Am Ende herrschte Einigkeit. Eigentlich sei sein Team das bessere gewesen, erklärte Coach Svetislav Pesic. Auch Heiko Schaffartzik sprach von einer großen Enttäuschung. "Vor allem, weil wir das Gefühl haben, dass Mailand das Spiel nicht gewonnen hat, sondern wir es selbst aus der Hand gegeben haben." Schaffartzik hatte nicht Unrecht, die Bayern waren gut in Milan, hätten einen Sieg durchaus verdient gehabt. Allerdings hatte Daniel Hackett das Spiel dann eben doch für Milan gewonnen.

Wäre dem Italiener lediglich ein schlichter Gamewinner gelungen, die Bayern hätten es vielleicht verschmerzen können. Nur zerstörte Hackett eben nicht nur des deutschen Meisters Hoffnungen auf den Sieg, er schmiss den FCB gleichzeitig auch noch aus der Euroleague. Und das bei noch zwei zu absolvierenden Partien.

Fast perfekter Start und Einbruch

Einem Sieg stehen nach acht Spielen sieben Niederlagen gegenüber. Keine glückliche Bilanz. Zumal die bayerische Euroleague-Saison so verheißungsvoll begonnen hatte. Zum Auftakt hatte man den großen Favoriten aus Barcelona am Rande einer Niederlage. Auswärts, wohlgemerkt. Bereits im zweiten Spiel gelang gegen den einstigen Serienchamp Panathinaikos der erste Sieg. Es fehlte nicht viel und den Bayern wäre in der mit Abstand schwersten Vorrundengruppe ein perfekter Start gelungen.

Er gelang nicht. Soweit kein Problem. Allerdings folgte auf die beiden mehr als überzeugenden Auftaktpartien ein Einbruch, der nur schwer vorherzusehen war - trotz hochkarätiger Gegner. Die Niederlage am dritten Spieltag gegen Milan war vermeidbar, die Art und Weise der Pleite beim krassen Außenseiter Turow Zgorzelec unerklärlich. Plötzlich fanden sich die Münchner in einer Abwärtsspirale wider. Weder gegen Fenerbahce noch in den Rückspielen gegen Barca und Pana hatten sie auch nur den Hauch einer Chance.

Irgendwie schien es, als sei den Bayern ihre Selbstverständlichkeit abhandengekommen, als suchten sie ein wenig nach ihrer eigenen Identität. Die sollte sich in dieser Saison eigentlich durch Teambasketball definieren, durch Ballmovement, durch offensive und defensive Balance. Unausrechenbar wollte der deutsche Meister sein. "Das hat uns vergangenes Jahr ein wenig gefehlt", hatte Pesic' Assistent Emir Mutapcic vor Beginn der Euroleague-Saison im Gespräch mit SPOX noch angedeutet.

Stockende Offense

Allein deshalb wollte man ab sofort weniger abhängig vom Können Einzelner sein, den Gegner regelmäßig vor verschiedene Aufgaben stellen. Gelungen ist dies zu selten. Häufig wirkte die Offense dann doch ausrechenbarer als angedacht. Es mangelte an Fluss, an Ideen. Das Ballmovement, das zu Saisonbeginn noch so gut funktioniert hatte, kam im Verlauf der Saison immer häufiger zum Erliegen. Lediglich 15,8 Assists spielt der deutsche Meister bislang im Schnitt und liegt damit auf Rang 17 der Euroleague.

Dass die Bayern sich mit der Penetration in die Zone merklich schwer taten, verschärfte die Problematik zusätzlich. Zu selten durfte der geneigte Betrachter einen Münchner Guard oder Flügel dabei beobachten, wie er in die Zone zog und dabei entweder seinen eigenen Abschluss kreierte oder aber Räume für die Schützen an der Dreierlinie schuf und schlussendlich den Pass an den Perimeter spielte.

So entwickelte sich eine Spacing-Problematik, der die Bayern im Verlauf der Vorrunde immer weniger Herr wurden. Allein 15 Teams nehmen bislang mehr Dreier als der FCB, acht treffen aus der Distanz hochprozentiger (35,5 Prozent 3FG). Speziell in den vergangenen Spielen vermissten die Münchner den Distanzwurf als Option nahezu komplett. Gegen Barca fielen lediglich 3 von 13 Dreiern, in Athen gar nur 4 von 23, in Mailand 6 von 21.

"Das passiert immer gegen uns"

Dass die Gegner ihre Dreier auf der anderen Seite regelmäßig hochprozentig versenkten, ließ eine Diskrepanz entstehen, mit der der FCB nur schwerlich umzugehen wusste. "Das passiert irgendwie immer gegen uns", ärgerte sich Coach Pesic, nachdem Barca seinem Team gerade 12 Dreier eingeschenkt und Feners Andrew Goudelock in der Woche zuvor ausgerechnet gegen die Bayern einen neuen Euroleague-Rekord aufgestellt hatte (10 Dreier).

"Das heißt, dass wir entweder so schlecht verteidigen", mutmaßte Pesic weiter, "oder, dass die Gegner gegen uns so motiviert sind und Würfe treffen, die sie sonst nicht treffen." Motivation ist in der Euroleague sicherlich immer vorhanden. Zumal speziell Barca und Fener eine Qualität mitbringen, die in Europa nur selten zu finden ist.

Andererseits ließ die Defense der Münchner in dieser Saison tatsächlich häufig jene Aggressivität vermissen, die ihr Coach eigentlich so eingängig predigt. Gerade rund um den Perimeter. Häufig brachten Drives in die Zone die Defense aus dem Konzept, was wiederum offene Würfe von jenseits der Dreierlinie zur Folge hatte. Häufig trafen die Gegner nicht nur die schwierigen Würfe, sie trafen vor allem die, die Bayern ihnen anbot. Beispielsweise, als Milan im Hinspiel direkt im ersten Viertel heiß lief und sich einen entscheidenden Vorteil erspielte.

Waren die Guards geschlagen, kam die Hilfe unter dem Korb zudem mitunter zu spät. Die Rotation geriet durcheinander. Kurz: Es mangelte an Balance. Und genau das stellt einen Umstand dar, den die Münchner eigentlich vermeiden wollten.

Schwächen ausgerechnet beim Rebound

Dass man dazu ausgerechnet im für Pesic vielleicht zentralsten Aspekt des Spiels deutlich schwächer auftrat als in der Vorsaison, erschwerte die Münchner Mühen um die Top 16 zusätzlich. Denn während im vergangenen Jahr kein Team besser reboundete, liefern diesmal gleich 13 Teams effektivere Arbeit unter den Brettern als der FCB (34,8 Rebounds pro Spiel).

Aber wo liegt die Ursache für all diese Probleme? Der eine oder andere mag schnell auf die Kaderzusammenstellung verweisen - respektive auf die Abkehr weg von der Athletik und hin zu mehr Finesse und Spielintelligenz. So verließ mit Deon Thompson beispielsweise ein explosiver Rebounder das Team. Auch auf dem Flügel mangelte es an Athletik. "Fehler in der Kaderplanung", wird da gern und schnell geschrien.

Während vorne Malcolm Delaneys Zug zum Korb tatsächlich vermisst wurde, gilt der MVP der vergangenen BBL-Saison auf der anderen Seite jedoch nicht unbedingt als herausragender Verteidiger. Eigentlich stellt Anton Gavel defensiv sogar ein Upgrade zu Delaney dar. Das Problem liegt vielmehr an einer Komponente, die so nur schwer vorherzusehen, die für die Bayern schlicht nicht zu beeinflussen war.

Kein Taylor, kaum Athletik

Ausgerechnet Bryce Taylor, der neue Kapitän, die Allround-Waffe, der beste Athlet, der Glue-Guy, fehlte den Bayern verletzungsbedingt. Und das bereits seit Saisonbeginn. Jedes Team besitzt Spieler, deren Ausfall schwer bis kaum zu kompensieren ist. Taylor ist einer von ihnen. Die Fähigkeiten als Slasher, seine Qualitäten als Defender und beim Rebound - all das fehlte den Bayern. Mehr noch: All das bringt kein Münchner in dieser Kombination mit.

Ohne Taylor fehlte den Bayern also ein essentieller Teil ihres Konzepts. Vielleicht wäre es weniger gravierend gewesen, hätten sich die Verletzungen damit erledigt. Hatten sie aber nicht. Speziell auf der Eins mussten die Münchner immer wieder Spieler ersetzen. So war Anton Gavel zwar zum ersten Spiel gegen Barca fit, hatte zuvor jedoch einige Zeit mit einer Schulterverletzung pausieren müssen. Das Rückspiel gegen die Katalanen verpasste der ehemalige Bamberger aufgrund einer Fußverletzung dann ebenso wie die Partien gegen Fenerbahce und bei Panathinaikos.

Verletzungsprobleme auf der Eins

In Athen zog sich Vasilije Micic dann auch noch einen Bänderanriss im Ellbogen zu und fällt damit insgesamt sechs Wochen aus. Einzige Konstante auf der Eins war so Heiko Schaffartzik. Angesichts derlei Rückschläge brachten die Bayern nie die so wichtige Konstanz in ihr Aufbauspiel. Jene Konstanz, die gerade für den propagierten Teambasketball so wichtig gewesen wäre.

Das zu Saisonbeginn häufig praktizierte Spiel mit zwei Point Guards, von denen einer die zweite Welle des Playmakings übernimmt, sobald die gegnerische Defense durch eine Reihe von Blöcken, Cuts und Pässen ein wenig durcheinandergebracht wurde, war gerade in letzten Spielen nur schwer möglich.

Wahrscheinlich wäre gerade in einer solchen Phase ein echter Closer hilfreich gewesen. Einer, der nicht auf ein funktionierendes Gesamtkonstrukt angewiesen ist, der sich seine Würfe selbst kreieren, das Team durch kleine Täler tragen kann. Einer wie Malcolm Delaney.

Fehlt ein Closer?

Einen solchen Spielertypen besitzen die Bayern derzeit jedoch nicht. Nihad Djedovic wäre sicherlich eine Option gewesen, ließ guten Leistungen allerdings immer wieder schwächere folgen, brachte zu selten Konstanz in sein Spiel. Bo McCalebb wäre in der Theorie verglichen mit Delaney sogar die bessere Variante, der Einfluss des Point Guards blieb - nach dessen langer Auszeit nur verständlich - jedoch gering.

So besaß Bayerns Offense am Ende weder die dominante Hand eines Malcolm Delaney noch die austarierende Wirkung eines perfekt funktionierenden Systems. Auch die offensiv teils schwächelnden Big Men lieferten zu selten den erhofften Beitrag zur Balance. Der deutsche Meister wirkte wie ein Suchender, der angesichts der Qualität der Gegner schlussendlich ein wenig verloren war.

Keine Schande

Die Gründe sind vielschichtig. Die Verletzungen waren in ihrer Masse zwar nicht erdrückend, ereilten jedoch ausgerechnet Schlüsselspieler, die dem Spiel - speziell im Fall Bryce Taylor - sicherlich mehr Balance verliehen hätten. Unter Umständen wurde der Faktor Athletik tatsächlich ein wenig unterschätzt.

Ganz sicher ist es jedoch keine Schande, in einer Gruppe mit zwei absoluten Favoriten auf den Titel, Panathinaikos und einem hochgerüsteten Emporio Armani Milan bereits in der Vorrunde auszuscheiden. Allerdings präsentierten sich die Italiener deutlich schwächer als erwartet. Eine Chance auf das Top 16 bestand also. Entsprechend verständlich ist die Enttäuschung, nachdem Daniel Hackett auch diese Hoffnung zunichte gemacht hatte.

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