Freitag, 28.11.2014

Euroleague, 7. Spieltag: Panathinaikos Athen - Bayern München 87:72

Bayerischer Albtraum in Athen

Durch ein deutliches 72:87 bei Panathinaikos Athen verliert der FC Bayern München sein fünftes Euroleague-Spiel in Serie. Obwohl die Griechen ihren Topscorer vermissen, kommt der FC Bayern erst spät ins Spiel und hat dazu den nächsten Verletzten zu beklagen

Nihad Djedovic (l.) und der FC Bayern kassierten in Athen die fünfte Euroleague-Pleite in Serie
© getty
Nihad Djedovic (l.) und der FC Bayern kassierten in Athen die fünfte Euroleague-Pleite in Serie

Das Hinspiel war der Bayern wohl schönstes Erlebnis in dieser Euroleague-Saison. Ausgerechnet gegen Panathinaikos gelang ihnen der bislang einzige Erfolg der Spielzeit. Nun lag der Sieg allerdings bereits vier Spieltage zurück, was mittlerweile ein wenig am Selbstbewusstsein zu nagen scheint. Dass man aufgrund eines Streiks in Griechenland erst am Freitag in Athen eintraf, half wahrscheinlich ebenfalls nicht.

Panathinaikos Athen vs. Bayern München im Re-live

Dennoch startete der deutsche Meister nicht einmal schlecht. Zwar lief es nicht perfekt, aber es lief. Der Bruch kam jedoch bereits nach vier Minuten. Pana zwang den Bayern sein Tempo auf - sprich: es ging eher gemächlich zu. Allein verantwortlich waren die Griechen dafür allerdings nicht. Der FCB wirkte sowohl offensiv als auch defensiv ein wenig lethargisch, übte so kaum Druck auf Athen aus.

Pana spielte zwar keinesfalls überragend, nutzte allerdings das, was Bayern anbot. Die Griechen spielten ihr Spiel routiniert runter und zogen fast schon unbemerkt und dennoch unaufhaltsam davon. Zu allem Überfluss überstreckte sich Vassilije Micic, einer der besten Münchner, in der Defense auch noch den Arm und musste mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld.

Es war der nächste Schock für verletzungsgeplagte Münchner, aufgeben wollten sie deshalb allerdings nicht. Gegen Ende des dritten Viertels erhöhten sie plötzlich den Druck, kamen zwischenzeitlich sogar auf neun Zähler heran, mussten Pana schlussendlich aber doch wieder deutlich davonziehen lassen. Die Griechen sind durch den Erfolg bereits für das Top 16 qualifiziert. Topscorer der Partie war A.J. Slaughter (17 Punkte), Bo McCalebb kam für die Bayern auf 15 Zähler.

Die Reaktionen:

Svetislav Pesic (Bayern München): "Gratulation an Panathinaikos. Aus meiner Sicht haben die letzten zwei Minuten vor der Pause entschieden, als wir nur zwei Punkte gemacht haben und Panathinaikos 13, darunter drei Dreier. Wir haben nur zugeschaut und nicht reagiert, einige waren offenbar auch überrascht. Dabei konnte man über jemanden wir Slaughter nicht überrascht sein, er war schon vorher auffällig. Insgesamt muss man sagen, dass Panathinaikos zum jetzigen Zeitpunkt mehr Qualität hat."

Robin Benzing (Bayern München): "18 Minuten haben wir gut mitgehalten, doch dann haben wir das Momentum verloren. Und wenn du hier einmal zurückliegst, ist es in der Halle und mit den Zuschauern sehr schwer."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tipoff: Panathinakos beginn mit Dimitris Diamantidis, A.J. Slaughter, Vlantimir Giankovits, Antonis Fotsis, und Loukas Mavrokefalidis. Bei den Bayern startet erneut Neuzugang Bo McCalebb. Zudem schickt Svetislav Pesic Nihad Djedovic, Robin Benzing, Dusko Savanovic und John Bryant zum Tipoff aufs Parkett.

4.: Die Bayern kommen gut in die Partie. Savanovic rutscht beim Drive zwar aus, hält jedoch die Balance und trifft den Fadeaway über Fotsis - 8:6 Bayern!

9.: Bayerns Offense ist nahezu komplett zum Erliegen gekommen. Micic' Korbleger nach gutem Zug bringt den Münchnern die Punkte neun und zehn des ersten Viertels. Ein Feuerwerk brennt Pana bislang allerdings auch nicht ab - 14:10 Athen!

15.: Djedovic' Dreier ist mal wieder zu kurz, Pappas' Floater dagegen genau richtig. Dennoch sind die Bayern dran. Derzeit liegen sie trotz einiger Probleme in der Offense lediglich mit sechs zurück.

18.: Diesmal passt die Rotation der Bayern überhaupt nicht. Micic orientiert sich am Perimeter zu Diamantidis, lässt dabei Slaughter stehen, Savanovic kommt zu spät raus - und schon sitzt der Dreier. Fotsis trifft kurz darauf ebenfalls von draußen - 39:31 Pana!

22.: Micic hat sich bei einem Foul vor einigen Augenblicken offenbar am Ellbogen verletzt, kann aber noch nicht ausgewechselt werden. Und der Serbe macht das beste draus. Er spielt den feinen Pass auf Stimac, der den Ball nur noch die Reuse zu legen braucht. Danach muss Micic mit schmerzverzerrtem Gesicht jedoch auf die Bank. Das sieht nicht gut aus. Zu allem Überfluss legt Giankovits den Ball auch noch locker rein - 53:35 Panathinaikos!

28.: Bei Djedovic läuft überhaupt nichts zusammen. Diesmal unterläuft dem Bosnier beim Drive der Ballverlust. Pappas steht kurz darauf auf der Weakside völlig frei und trifft den Dreier. Es läuft einfach nicht für die Bayern - 64:46 Athen!

32.: Athen zaubert, doch Bryant interessiert's wenig. Big John vollendet das Dreipunktspiel, aber es hilft einfach nichts. Denn Fotsis trifft im Gegenzug aus der Distanz - 70:54 Pana!

37.: Die Schiedsrichter nehmen es heute besonders genau. Bei McCalebb bereits zum fünften Mal - und das auch noch nach einem vergebenen Dreier des Amerikaners. McCalebb ist damit raus, die Bayern liefen mit 11 zurück.

Panathinaikos Athen vs. Bayern München: Hier geht's zum BOXSCORE

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Der Star des Spiels: A.J. Slaughter stellte die Münchner Defense schnell vor Probleme. Der Amerikaner war nur schwer zu greifen, traf verlässlich von draußen (3/5 3FG) und war Ende Topscorer der Partie.

Der Flop des Spiels: Es war nicht das Spiel des Nihad Djedovic. Der Bosnier vergab direkt seinen ersten Wurf und enttäuschte auch in der Folge offensiv. Djedovic zog nur selten zum Korb, nahm einige schlechte Würfe und beendete das Spiel mit 0 von 7 aus dem Feld.

Das fiel auf:

  • Bayerns Offense mangelte es deutlich an Finesse, Bewegung und Balance. Zwar spielten die Münchner am Perimeter viele Pässe und Handoffs, der Nutzen bewegte sich jedoch nahe der Nullgrenze. Wenn etwas klappte, dann nach Einzelaktionen. Speziell Vassilije Micic brachte von der Bank die nötige Aggressivität und zog immer wieder in die Zone. Allerdings setzten er und all die anderen Guards dort die Big Men zu selten ein. Kaum einmal wurde unter dem Korb abgelegt oder der Kick-out-Pass an die Dreierlinie gespielt
  • So kamen weder Bryant oder Stimac noch die Schützen in ihren Rhythmus. Wenn überhaupt, durften die Big Men aufposten, am Perimeter eröffneten sich mangels Ballmovement kaum offene Würfe. Wurde doch einmal abgedrückt, dann mit Hand im Gesicht oder dem Defender in unmittelbarer Nähe. Natürlich litten da die Quoten (17 Prozent 3FG).
  • Dabei hätte der FCB durchaus das Fehlen von Esteban Batista nutzen können. Panathinaikos' Topscorer saß in Zivil auf der Bank, weshalb den Griechen gerade offensiv die Präsenz in der Zone und damit die Balance fehlte. Gist und Wright machten allerdings einen Teil durch Athletik wett. Waren die Bayern selbst im Angriff nutzten sie Bryants und Stimac' Massenvorteile gegen Mavrokefalitis einfach nicht konsequent aus. Der Grund: besagtes Ignorieren der eigenen Big Men.
  • Zwar verteidigten die Bayern das Pick-and-Roll durchaus solide, ließen selten den Pass auf den abrollenden Big Man zu, insgesamt funktioniert die Defense jedoch nicht wie gewollt. Der Druck auf den Ball war nahezu nicht existent - Pana leistete sich in der ersten Hälfte nicht einen Ballverlust - dazu passte die Rotation irgendwie nicht, was immer wieder unnötig offene Würfe zur Folge hatte.
  • Der mangelnde defensive Druck wirkte sich zudem negativ auf die eigene Offense aus. Kaum einmal kamen die Bayern ins Laufen, waren damit größtenteils auf ihre Halfcourt Offense angewiesen, die jedoch, wie erwähnt, ziemlich ungefährlich daherkam. Zumal das Spiel damit im von Pana favorisierten Tempo vonstatten ging.
  • Erst gegen Ende des dritten Viertels schienen die Bayern im Spiel angekommen zu sein. Sie verteidigten nun druckvoller und ließen ihre Offense zudem häufiger über groß laufen. Auch der Drive wurde öfter gesucht. Und Pana zeigte Wirkung. Ein wenig jedenfalls. Bayern kam heran, zwischenzeitlich sogar auf neun Punkte, doch irgendwie fehlte immer das letzte Stück.

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Max Marbeiter

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Max Marbeiter(Redaktion)

Max Marbeiter, Jahrgang 1984, ist seit 2012 bei SPOX.com. Während seines Anglistik- und Politikstudiums in Erlangen knapp 3 Jahre lang freier Mitarbeiter bei kicker.de und im Anschluss an ein Praktikum auch einige Monate in der Lokalsportredaktion der Süddeutschen Zeitung. Bei SPOX.com festes Mitglied im Basketball-Ressort. Neben Texten zur NBA zählt der europäische Basketball zum Hauptaufgabenbereich.

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