Wer braucht schon einen Power Forward?

Von Philipp Dornhegge
Bundestrainer Frank Menz schickt eine extrem unerfahrene Mannschaft in die EuroBasket 2013
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Center: Tibor Pleiß, Maik Zirbes, Andreas Seiferth

Obwohl Chris Kaman - immerhin bester Rebounder der EuroBasket 2011 (10,0) - nicht dabei ist, sind die Deutschen auf der Fünf sehr ordentlich besetzt. Tibor Pleiß hat sich in Spanien weiterentwickelt und ist in allen Facetten seines Spiels noch etwas stärker geworden, die Erfahrung im Ausland hat ihm sicher auch in punkto Reife geholfen.

So muss sich der 23-Jährige im Vergleich vor kaum einem in Europa aktiven Konkurrenten mehr verstecken und wird neben Schaffartzik und Benzing mit Sicherheit eine tragende Säule im deutschen Spiel sein. Mit seiner Größe wird er vor allem in der Defense ein wichtiger Rückhalt sein, insbesondere dann, wenn Benzing mit seinen Gegnern Probleme hat.

Offensiv bleibt Pleiß natürlich eher ein filigraner Spieler, der sich gern auf seinen Mitteldistanzwurf stützt und nicht unbedingt durch rohe Power heraussticht. Das ist schon eher das Steckenpferd von Maik Zirbes, der sich trotz seiner zuvor geringen Erfahrung auf Topniveau schon bei Bamberg toll entwickelt hat und bei den Tests als Pleiß-Backup meist einen sehr ermutigenden Eindruck hinterließ.

Der 23-Jährige zeigte sich im Rebound konstant, taktisch diszipliniert und in der Offense opportunistisch. Der Center ist keiner, der ständig den Ball fordert, sich aber gut bewegt und seine freien Chancen hochprozentig nutzt. Zirbes' Problem sind aber die Turnover. Daran muss er arbeiten.

Andreas Seiferth wird als dritter Center allenfalls sporadisch zum Einsatz kommen, zu gut haben sich Pleiß und Zirbes präsentiert. Als Versicherung für den Fall einer Verletzung oder bei Foulproblemen ist der 23-jährige Trierer, der seine Punkte und Rebounds in der BBL in der letzten im Vergleich zur Saison zuvor mehr als verdoppeln konnte (9,5 Punkte, 5,0 Rebounds in der Spielzeit 2012/2013), aber eine solide Wahl.

Fazit: Das DBB-Team gehört mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Mannschaften, die bei der EuroBasket 2013 nicht allzu viel reißen werden. Zu groß ist der Aderlass nach den Absagen der NBA-Kräfte Dirk Nowitzki, Dennis Schröder, Elias Harris, Tim Ohlbrecht und Chris Kaman. Auch Philipp Neumann und Philipp Schwethelm wurden nach ihren Verletzungen (Rücken bzw. Achillessehne) nicht rechtzeitig fit, Daniel Theis war aufgrund einer Schulter-OP keine Option.

Übrig geblieben sind viele Youngster und einige gestandene Nationalspieler, die nach den Absagen aber eine viel größere Rolle spielen als je zuvor. Schaffartzik liebt den Job als Go-to-Guy, für Pleiß und Benzing ist es aber neu, Anführer zu sein. Wie werden sich die Etablierten schlagen, wie gut fügen sich die EM-Neulinge Tadda, Giffey, King und Co. ein?

Es ist ein spannendes Projekt, das für die Zukunft wichtige Erkenntnisse bringen wird. Und es muss auch in diesem Jahr nicht im sportlichen Desaster enden: Mit couragierten Leistungen hat das DBB-Team unter den gegebenen Umständen eine ordentliche Vorbereitung gespielt, die EM-Vorrundengruppe A ist außerdem die klar schlechteste des Turniers.

Frankreich wird einsam seine Kreise ziehen, aber dahinter hauen einen Gegner wie Israel, Ukraine, Belgien und das ersatzgeschwächte Großbritannien auch nicht aus den Socken. Von den sechs Teams erreichen drei die Zwischenrunde. Warum sollte Deutschland da nicht dabei sein können?

Kann das junge Team die sichere Niederlage gegen Frankreich zum Auftakt aus den Köpfen schütteln und im zweiten Spiel gegen Belgien in die Spur finden, ist das durchaus möglich. Von mehr als dem Erreichen der Zwischenrunde zu träumen, wäre aber vermessen.

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