Basketball

Basketball-CL - Federico Perego von Brose Bamberg im Interview: "Ich habe alles von Trinchieri gelernt"

Von DAZN/SPOX
Federico Perego ist Trainer von Brose Bamberg.

Federico Perego ist seit Januar Cheftrainer bei Brose Bamberg. Im Interview mit DAZN und SPOX spricht der Italiener vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen AEK Athen (ab 18.30 Uhr live auf DAZN) über seine Zeit als Assistenzcoach unter Erfolgstrainer Andrea Trinchieri und die Veränderungen in der Bamberger Mannschaft.

Außerdem äußert sich Perego zu NBA-Profi Daniel Theis und der Entwicklung des deutschen Basketballs.

Herr Perego, Sie hatten bis zur Pleite gegen Alba Berlin zwölf Spiele in Folge gewonnen. Warum läuft es so gut für Ihr Team?

Federico Perego: Wir haben eine gute Chemie im Team gefunden und einige enge Spiele gewonnen - das hat uns Selbstvertrauen gegeben. Der Pokalsieg hat uns außerdem geholfen, enger zusammenzurücken. Jetzt läuft es, aber wir werden im nächsten Monat noch auf Widerstand treffen und wollen in jedem Spiel konkurrenzfähig sein.

Sie sind seit Mitte der Saison der neue Headcoach und haben einige Veränderungen vorgenommen. So starten Nikos Zisis und Tyrese Rice gemeinsam. Was hat Sie zu dieser Umstellung bewogen?

Perego: Es ist natürlich schwer, innerhalb einer Woche alles zu ändern. Man muss zuerst Dinge übernehmen, die das Team schon kennt. Ich wollte unsere beiden erfahrensten Spieler in der Startformation haben, um gut ins Spiel zu kommen. Ricky Hickman kann uns einen Schub von der Bank geben. Aber natürlich kann es jederzeit wieder Wechsel geben, das hängt auch immer vom Gegner ab.

Ihre Verteidigung hat sich verbessert. Es fällt auf, dass Sie mehr switchen. Ist das ein Teil Ihrer Philosophie?

Perego: Wir wussten von Beginn an, dass wir unsere Verteidigung verbessern müssen, um über lange Zeit konstante Leistungen zu bringen. Unsere Mannschaft ist gut dafür geeignet, in der Defense zu switchen, weil wir Big Men haben, die schnelle Füße haben und gleichzeitig Guards, die auch größere Spieler im Eins-gegen-Eins verteidigen können. Es wird Spiele geben, in denen das nicht funktioniert, aber es ist gut, diese Waffe zu haben.

Die Offense funktioniert momentan sehr gut. Wie wichtig ist es für das Bamberger Spiel, dass der Ball gut bewegt wird?

Perego über sein Verhältnis zu Trinchieri

Perego: Wir habe viele Spieler mit einer Menge Talent und für den Gegner ist es viel schwerer, uns zu stoppen, wenn wir den Ball teilen, als wenn wir uns auf Isolations verlassen. Es wird Momente geben, in denen wir Dinge im One-on-One lösen, aber das soll nicht die Regel sein.

Es gab einige personelle Veränderungen. Stevan Jelovac ist nicht mehr da, auch Arnoldas Kulboka spielt nur wenig. Liegt dies auch daran, dass sie in der Verteidigung nicht die Erwartungen erfüllt haben?

Perego: Das sind zwei verschiedene Situationen. Wir haben viele Talente im Kader und haben uns dazu entschieden, Louis (Olinde, Anm. d. Red.) mehr Spielzeit zu geben. Deshalb ist Stevan nicht mehr da. Arnoldas ist gerade dabei, einen Schritt nach vorne zu machen, er hat enormes Talent, aber muss noch lernen, dieses richtig einzusetzen. Er arbeitet hart, aber es gibt starke Spieler auf seiner Position.

Viele Außenstehende dachten, dass es für Sie als jungen Coach schwer sein würde, das Erbe von Andrea Trinchieri anzutreten. Was konnten Sie von ihm lernen?

Perego: So ziemlich alles, würde ich sagen. Ich habe fast meine gesamte Karriere mit ihm verbracht. Das Besondere an ihm ist, dass er seine Assistenztrainer dazu zwingt, als Headcoach zu denken. Wir hatten viele Diskussionen. Das hilft mir sehr dabei, diesen Schritt jetzt zu gehen.

Unter Trainer Ainars Bagatskis (coachte Bamberg von Juni 2018 bis Januar 2019) wirkte es so, als hätten die Spieler sehr viele Freiheiten. Erachten Sie es als wichtig, dass die Mannschaft mit harter Hand geführt wird?

Perego: Ich denke, dass es am wichtigsten ist, dass man sich selbst ist. Ich bin nicht Ainars oder Andrea, ich bin Federico. Mein Verhalten muss zu meiner Persönlichkeit und meinen Fähigkeiten passen. Ainars hatte einen anderen Stil.

Ist es heutzutage wichtiger als früher, daran zu denken, dass über Bamberg auch der Sprung in die NBA möglich ist?

Perego: Das hängt von der jeweiligen Person ab. Jeder Spieler sollte das Ziel haben, eines Tages in der NBA zu landen und sich mit den besten Spielern zu messen, aber man sollte nicht seinen ganzen Fokus darauf richten. Am wichtigsten ist es, sich täglich zu verbessern und an das Team zu denken, für das man gerade spielt. Nur dann kann man dieses Ziel erreichen.

Ist es schwierig, dass die Gefahr besteht, Talente frühzeitig zu verlieren, auch weil die G-League (Entwicklungsliga der NBA, Anm. d. Red.) zunehmend populärer wird?

Perego: Das gehört dazu. Mir müssen den Spielern die Möglichkeit geben, sich zu verbessern. Sie müssen merken, dass sie sich in Bamberg weiterentwickeln können.

Einige Spieler wie P.J. Tucker, Brad Wanamaker oder Daniel Theis haben den Sprung aus Bamberg in die NBA geschafft. Ist das eine positive Sache, auf die man stolz sein kann? Oder ist es vielmehr traurig, dass diese Spieler nicht mehr da sind?

Perego: Ich finde, wir sollten stolz darauf sein, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben. Wir haben auch Spieler an europäische Topteams abgegeben, wie zum Beispiel Nicolo Melli oder Daniel Hackett. Wir wissen, dass wir nicht zur Elite in Europa gehören, also müssen wir Spieler weiterentwickeln, die uns gleichzeitig helfen. Das macht uns stolz.

Perego: "Theis kam zum perfekten Zeitpunkt in die NBA"

Haben Sie Daniel Theis ein wenig in der NBA verfolgt? Was halten Sie von seiner Entwicklung?

Perego: Er ist zum perfekten Zeitpunkt in die NBA gekommen. Er hat sich vorher optimal in Europa entwickelt und ging dann in die NBA, als er bereit dafür war. Ich bin sehr glücklich für ihn.

Dirk Nowitzki ist in Deutschland der beste Spieler aller Zeiten ...

Perego: ... nicht nur in Deutschland.

Was denken Sie über den deutschen Basketball? Wie wird die Zeit nach Nowitzki, bei all dem NBA-Talent, das es momentan gibt?

Perego: Ich denke, dass der Basketball in Deutschland schnell wächst, es gibt eine Menge Talente und alles ist gut organisiert. Alle arbeiten sehr zukunftsorientiert. Ich bin froh, ein Teil davon zu sein.

Was speziell läuft in Deutschland gut?

Perego: Die BBL ist perfekt organisiert, es gibt immer ein tolles Rahmenprogramm und keine negative Stimmung im Umfeld der Vereine. Die Spieler können sich wirklich auf ihren Job konzentrieren.

Der Basketball in Italien ist noch etwas größer als in Deutschland. Lassen sich in Bamberg italienische Tendenzen erkennen?

Perego: "Fast besser als in Italien"

Perego: Es sind ja in der jüngeren Vergangenheit einige Spieler aus Italien nach Bamberg gewechselt. Es gibt hier eine große Leidenschaft, das mag ich. Die Basketballgeschichte ist noch nicht so alt hier. Aber Deutschland holt auf. Ich würde sagen, dass es hier schon fast besser ist als in Italien.

Heute treten Sie zum Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals bei AEK Athen an. Einer deren Schlüsselspieler ist Jordan Theodore (erzielte im Hinspiel 14 Punkte, Anm. d. Red.). Was für ein Spieler ist er? Sie kennen ihn noch aus Frankfurt.

Perego: Er ist ein Floor General und kann das Spiel sehr gut lesen. Er kann für seine Teamkollegen kreieren und wichtige Würfe nehmen. Sein Pick-and-Roll mit Vince Hunter ist schwer zu verteidigen.

Wer in Ihrer Mannschaft kann sich um Theodore kümmern?

Perego: Ich glaube nicht, dass ihn ein Spieler stoppen kann. Wir lösen das als Team, haben aber auch gute Eins-gegen-Eins-Verteidiger, die ihn unter Druck setzen können.

Wie bewerten Sie das Team im Gesamten? Sie haben noch weitere gute Spieler.

Perego: Jede Mannschaft, die noch im Wettbewerb ist, ist stark und hat es verdient, hier zu sein. Wir werden über 40 Minuten kämpfen und dann schauen, was dabei herauskommt.

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