Basketball

Basketball Champions League - Louis Olinde: "Die NBA ist mein großes Ziel"

Von Ann-Sophie Kimmel
Louis Olinde (l.) steht mit Brose Bamberg im Achtelfinale der Champions League

Louis Olinde gilt als eines der größten Basketball-Talente Deutschlands. Der 20-Jährige wechselte 2016 zu Brose Bamberg und steht mit Freak City im Achtelfinale der Basketball Champions League (live auf DAZN).

Im Interview mit DAZN und SPOX spricht der gebürtige Hamburger über seinen Traum von der NBA, seine Rolle in Bamberg sowie über die Nachwuchsarbeit im deutschen Basketball.

Louis, Du bist HSV-Fan und kickst selber ganz gern. Welche Bedeutung hat denn bei dir der Fußball?

Louis Olinde: Eine sehr große. In der Schule haben wir immer gekickt. Ich bin auch früher mit meinem Vater zum HSV gegangen. Nach Basketball ist es der zweitcoolste Sport und ich gucke es einfach sehr gerne.

Warum hast du dich dann für Basketball entschieden?

Olinde: Ganz einfach: Weil ich im Basketball besser bin (lacht). Ich habe nie im Verein Fußball gespielt. Von daher bin ich beim Basketball geblieben. Außerdem gefällt mir Basketball besser, weil es schneller ist. Jede Sekunde kann etwas passieren. Beim Fußball guckt man lange Zeit und es passiert nichts. Beim Basketball ist einfach mehr Action drin.

Deine Eltern haben dabei eine Rolle gespielt. Beide waren erfolgreiche Profis. Inwieweit haben dich deine Eltern geprägt?

Olinde: Natürlich sehr. Dass ich Basketball spiele, kommt natürlich von ihnen. Meine Freunde haben Fußball gespielt, weil das der Sport ist, den in Deutschland irgendwie alle machen. Aber ich habe mit Basketball angefangen, auch in dem Wissen, dass mein Vater Profi war. Das wollte ich auch werden. Er hat mir den Weg gezeigt und ich habe versucht, in seine Fußstapfen zu treten.

Hat Druck für dich eine Rolle gespielt? Gerade, weil du einen erfolgreichen Vater hattest?

Olinde: Nein, nicht wirklich. Mein Vater hat mir ziemlich viel Freiraum gelassen. Er hat gesagt, das ist dein Ding, deine Karriere, mit der du machen kannst, was du willst. Aber natürlich ist ein kleiner Druck da. Bei meinem ersten Bundesligaspiel beispielsweise kam ein Reporter zu mir und hat mich erst einmal auf meinen Vater und das, was er erreicht hat, angesprochen. Leute vergleichen mich viel mit meinem Vater, aber das ist auszuhalten.

Olinde über die Anfänge seiner Karriere

Wie muss man sich deine Kindheit vorstellen?

Olinde: Ich war fast immer in der Basketball-Halle. Mein Vater hat zwar nicht mehr gespielt, dafür aber meine Mutter. Deswegen war ich ziemlich viel unterwegs. Ich war eigentlich die ganze Woche in der Halle und habe bei den Spielen zugeschaut. Dann habe ich selbst angefangen und viel mit Freunden gespielt. Daheim sind auch immer Bälle herumgelegen. Es hat sich eigentlich alles um Baskteball gedreht.

Also ist Basketball bei Euch auch immer Gesprächsthema Nummer 1, oder?

Olinde: Wenn mich mein Vater besucht oder wenn ich in Hamburg bin, sprechen wir sehr viel über Basketball, aber auch über Sport generell. NBA, Euro League oder halt Fußball-Bundesliga.

Blicken wir auf die Anfänge deiner Karriere. Du hast beim BC Hamburg in der Jugendabteilung mit sechs Jahren begonnen.

Olinde: Genau, damals nur Ballsport mit dem Fokus auf Basketaball. Das hat sich mit der Zeit dann gesteigert.

Brose Bamberg vs. Banvit BK in der Champions League am 5. oder 6. März LIVE auf DAZN

Wann reifte der Gedanke, wirklich Profi-Basketballer zu werden?

Olinde: Mit sechs Jahren natürlich noch nicht. (lacht) Später irgendwann, als man realisiert hat, es gibt die Bundesliga, es gibt die NBA. Da war dann natürlich das Ziel immer vor Augen.

Olinde über den Wechsel nach Bamberg

Wie schwer fiel der Abschied aus Hamburg in Richtung Bamberg?

Olinde: Es war schwer. Mein Herz war in Hamburg. Alle meine Freunde und meine Trainer waren in Hamburg. Aus basketballerischer Sicht war es ein wichtiger Schritt, hierhin zu wechseln. Ich wollte einen neuen Schritt, nachdem ich Abitur gemacht habe. Eine Veränderung, eine neue Stadt, das erste Mal alleine wohnen, das war mir wichtig. Von daher bin ich sehr zufrieden mit dem Schritt.

Gab es eine Phase, in der du gezweifelt hast?

Olinde: Nein. Natürlich hatte ich am Anfang mal Heimweh. Aber ich habe mir nie gedacht 'Ich will wieder zurück'. Ich bin sehr überzeugt von dem Schritt und fühle mich sehr wohl hier.

Welche Erwartungen hast du mit diesem Wechsel verbunden?

Olinde: Auf der einen Seite natürlich die Veränderung als Mensch, selbstständig zu sein. Auf der anderen Seite in Sachen Basketball. Nach den vier Jahren (Olinde hat in Bamberg einen Vierjahresvertrag unterzeichnet. Anm. d. Red.) möchte ich in der NBA spielen. Das ist das Ziel. Zusätzlich will ich mich persönlich entwickeln und eine gute Rolle im und mit dem Team spielen.

Wie würdest du deine aktuelle Rolle beschreiben?

Olinde: Ich glaube, ich habe eine sehr gute Rolle für mich gefunden. Ich soll verteidigen, ich rebounde den Ball und in der Offense bin ich dafür da, dass sich der Ball bewegt. Ich habe das gute Gefühl, dass der Trainer mich braucht. Das ist wichtig, weil man merkt, dass man angekommen ist.

Hattest du schon diesen Moment, in welchem du dir dachtest 'Jetzt habe ich es geschafft'?

Olinde: Nein, diesen hatte ich noch nicht. Klar, der dritte Platz bei der U20-WM im vergangenen Jahr und auch der Pokalsieg und die Meisterschaft waren Highlights, aber wirklich geschafft habe ich noch nichts. Man hält sich eher an die kleinen Schritte, wie das erste Bundesliga-Spiel, das erste Euro-League-Spiel etc..

Olinde über die Faszination Freak City

Was macht die Mannschaft bei Brose Bamberg so besonders?

Olinde: Vor allem die Stadt und die Basketball-Kultur sind etwas ganz besonderes hier. Man sagt immer, dass jeder Zehnte gemessen an der Einwohnerzahl und der Hallenkapazität hier zum Basketball kommt. Das ist einfach eine großartige Atmosphäre, die man auch in der Stadt selbst spürt. Überall sind Plakate oder die Leute reden über Basketball. Das kannte ich vorher nicht. Das ist ein ausschlaggebender Punkt für einen Profi, der sieht , dass in dieser Stadt Basketball die Nummer eins ist.

International seid ihr in der Basketball Champions League vertreten. Habt ihr ein Minimalziel?

Olinde: Nein, das nicht. Aber wir sind sehr ambitioniert. Deswegen will auch jeder von uns ins Top-Four (Finalturnier mit den vier besten Mannschaften, Anm. d. Red.) kommen. Wir haben dieses Ziel nicht ausgesprochen. Aber wir wollen so weit wie möglich kommen.

Du hast dich im vergangenen Jahr zum NBA Draft angemeldet. Ist das dein großes Ziel?

Olinde: Ja klar. Die NBA ist mein großes Ziel. Ich hoffe, dass ich es mir kurz- oder mittelfristig erfüllen kann. Daraufhin arbeite ich jeden Tag.

Verfolgst du auch die aktuellen deutschen NBA-Spieler?

Olinde: Natürlich. Ich habe viel Kontakt mit Isaac (Bonga, Anm. d. Red.), mit dem ich mich sehr gut verstehe und viel schreibe und facetime. Er erzählt mir, wie man in den USA lebt und welch großen Stand Basketball dort in der Gesellschaft hat.

Abgesehen von den Deutschen. Gibt es einen NBA-Spieler, der als dein Vorbild fungiert?

Olinde: Ich habe immer zu Kobe Bryant aufgeschaut. Jetzt aktuell sind es Kevin Durant, Giannis Antetokounmpo und Brandon Ingram, weil diese einen ähnlichen Körperbau haben und ein ähnlicher Spielertyp wie ich sind. Deswegen schaue ich zu denen auf und versuche etwas von ihrem Spiel zu kopieren.

Olinde über die Nachwuchsarbeit in Deutschland

Wenn du die Nachwuchsarbeit in Deutschland mit der aus der NBA vergleichst. Wo siehst du die größten Unterschiede?

Olinde: In den USA gibt es ein anderes Schulsystem. Dort fangen sie in der High School alle an zu spielen. Hierzulande gibt es eben dieses Klubsystem mit den Vereinen, die die Jugend fördern. Ich glaube sogar, dass die Jugendarbeit hier besser ist. Die Talente haben nämlich früher Individualtraining und werden früher ans Profiteam herangeführt.

Bekommen dann die Nachwuchstalente in Deutschland deiner Meinung nach auch genügend Einsatzzeit?

Olinde: Es hat sich schon deutlich gebessert. In der BBL bekommen Talente schon viel Spielzeit, es kann aber noch deutlich besser werden. Der Fokus sollte immer mehr darauf gelegt werden, junge Spieler selber zu entwickeln.

Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial?

Olinde:Ich würde noch früher anfangen, die Spieler heranzuführen, ihnen dann aber etwas Freiraum geben. Es wäre gut, wenn jeder ein breites Skillset aufbaut und nicht einer, weil er groß ist, nur unter den Korb gestellt wird. Alle sollten alles trainieren und dann sollte geguckt werden, was der einzelne am besten kann. Dann sollte erst auf den unterschiedlichen Positionen spezifiziert werden.

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