Brose Bamberg - Bayern München 90:59

Blowout! Bamberg vermöbelt Bayern

Von Thore Beckmann
Sonntag, 06.11.2016 | 22:41 Uhr
Nicolo Melli war der überragende Mann bei Bamberg und überzeugte in jeder Statistik-Kategorie
© getty
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Brose Bamberg zeigte eindrucksvoll wer die derzeitige Nummer eins der BBL ist. In einer elektrisierten Halle gewann der Meister gegen Bayern München mit 90:59 (BOXSCORE). Gerade die deutschen Maodo Lo und Patrick Heckmann drückten dem Spiel ihren Stempel auf.

Was für ein Sieg für Brose Bamberg. Wer sich vor dem Spiel noch die Frage gestellt hatte, wer das Sagen in der BBL hat, konnte am Ende nur noch "Bamberg" als Antwort geben. Angeführt von einem überragenden Nicolo Melli (13 Punkte, 8 Rebounds, 3 Assists, 3 Steals) und Topscorer Fabien Causeur (17 Punkte) ließ Brose zu keinem Zeitpunkt Zweifel am Sieg aufkommen. Bamberg bleibt bei einer Bilanz von 9:0 damit ungeschlagen, während der FCB seine ersten Niederlage einstecken musste.

Auch die deutschen Patrick Heckmann und Maodo Lo spielten groß auf und ließen ihre Kontrahenten unglaublich schlecht aussehen. Lo konnte immer wieder aus dem Pick-and-Roll heraus in die Zone kommen und fand eine gute Mischung aus Passpiel und eigenem Abschluss. Er beendete die Partie letztlich als zweitbester Scorer mit 16 Punkten. Heckmann zeigte vor allem im dritten Viertel eine bärenstarke Leistung und sorgte dort für den spielentscheidenden Run. Der junge Deutsche legte 11 Punkte, 6 Rebounds, 3 Blocks und die zweitmeisten Minuten aller Spieler auf.

Der Spielplan von Sasa Djordjevic ging in der ersten Hälfte schon vollkommen daneben. Das Konzept sich im Post zu etablieren, misslang grandios, da Danilo Barthel einen absolut gebrauchten Tag erwischte und Booker in der ersten Hälfte ebenfalls Probleme hatte.

Die Reaktionen:

Danilo Barthel (Bayern): "Wir haben nicht das gezeigt was wir können. Bamberg hat uns vollkommen den Schneid abgekauft. Der Sieg geht auch in dieser Höhe absolut in Ordnung."

Patrick Heckmann (Bamberg): "Ich glaube, wir haben mit viel Herz und Energie gespielt. Wir wollten zu Hause unsere weiße Weste behalten. Wir wollen uns ständig verbessern und können auch durch die Euroleague Erfahrungen sammeln. Wir sind noch lange nicht am Ziel."

Fabien Causeur (Bamberg): "Ich fühle mich großartig. Die Fans waren der Wahnsinn und es hat heute viel Spaß gemacht. Wir haben mit mehr Intensität gespielt und wer es mehr will, der gewinnt am Ende auch."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off: Bittere Nachrichten gab es für Bamberg vor dem Spiel von Elias Harris, der sich am Freitag im Training den Meniskus anriss. Für die Bayern debütierte der Ex-NBA Spieler Nick Johnson. Starten durften allerdings Gavel, Djedovic, Redding, Kleber und Booker. Andrea Trinchieri lies bei Bamberg Causeur, Strelnieks, Heckmann, Melli und Radosevic beginnen.

1. Viertel: Sowohl Fans als auch Spieler zeigten sofort, dass das hier ein besonderes BBL-Spiel werden sollte. Beide Offensivreihen zeigten sich zu Beginn extrem nervös. Bayern versuchte es immer wieder im Post über die Big Men Kleber und Booker, starteten dort aber mit vielen Turnovern. Die Guards der Münchener schafften es kaum, Dribble-Penetration zu kreieren und so standen nach 7 Minuten nur 5 Punkte für das offensivstärkste Team der Liga auf der Anzeige. Bamberg versuchte es dagegen häufiger über die Guards im Pick-and-Roll oder über Screens abseits des Balls. Brose spielte keineswegs fehlerfrei in der Offense, konnte sich aber mehr offene Dreier erspielen. Auch Maodo Lo konnte von der Bank gleich Impulse setzen und beendete das erste Viertel mit einem ganz bösen Ankle-Breaker gegen US-Import Nick Johnson. Ganz bitterer Einstand für den Ex-Rocket zum 20:11 für Bamberg.

2. Viertel: Der FCBB startete gut ins zweite Viertel und konnte vor allem durch Bryce Taylor erstmals im Spiel Gefahr von den Guard-Positionen ausstrahlen (20:16). Sobald die Münchener aber wieder Barthel und Booker einwechselten und damit ihr Spiel wieder mehr auf Post-Ups fokussierten, stellten sich die gleichen Probleme ein. Bamberg schaffte es immer wieder, Turnover zu forcieren und lies durch das Switchen des Pick-and-Rolls keine Penetration zu. Lo erhielt viel Vertrauen von Trinchieri in der ersten Halbzeit, belohnte dieses aber auch mit guter Übersicht und überragenden Drives. Gepaart mit einem brennenden Fabien Causeur, der im zweiten Viertel zwischenzeitlich nicht verwerfen konnte, baute Bamberg die Führung nach und nach aus. Causeur schloss die Halbzeit mit 14 Punkten ab und netzte 3 Mal von Downtown. In die Pause ging es für Bamberg mit einer 43:29-Führung.

3. Viertel: Ausgeglichener Beginn im dritten Viertel. Bamberg startete mit Zisis statt Strelnieks in die zweite Hälfte. Bei Bayern kam Booker deutlich besser in die Partie und sorgte Mitte des Viertels per Alley-Oop für das absolute Highlight des Spiels. Patrick Heckmann antwortete mit 6 schnellen Punkten eindrucksvoll auf Booker und forcierte mit einem sehenswerten Block das nächste Timeout von Djordjevic. Bayern präsentierte sich in der Offense zwar geordneter als in der ersten Hälfte, schaffte es aber zu selten, mal einige Stops aneinanderzureihen. Mit Heckmanns Block und dem ersten Dreier des eingewechselten Lo war der Willen der Münchener gebrochen. Bamberg setzte sich zum Ende des dritten Viertels mit 66:43 ab.

4. Viertel: Bamberg blieb mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Melli dominierte die Partie nach Belieben, setzte seine Mitspieler gut ein und brachte die Halle mit zwei sehenswerten Blocks nochmal zum Stehen. Spätestens ab der 5-Minuten-Grenze war jedem in der Halle bewusst, dass die Partie gelaufen war und es entwickelte sich ein besseres Auslaufen. Daniel Theis traf noch zwei Dreier und ließ die Führung klettern. In der Garbage-Time konnte auch Nick Johnson sein Talent noch aufblitzen lassen und sein Punktekonto auf 8 Zähler erhöhen. Bamberg siegte schlussendlich locker mit 90:59.

Brose Bamberg - Bayern München: Hier geht's zum BOXSCORE

Der Star des Spiels: Nicolo Melli. Dominierte die Münchener Big Men über die gesamte Partie. Sein Inside-Out Game konnte von diesen überhaupt nicht verteidigt werden. Verwarf bei 6 Versuchen nur einmal und reagierte auch beim Abrollen immer wieder gut auf die Verteidigung. So brachte er auch noch seine Mitspieler ins Spiel. Beendete das Spiel als Führender bei den Rebounds (7), Blocks (3) und Assists (3). Streute zudem noch 13 Punkte selbst ein. Ebenfalls stark: Maodo Lo, der für einen bemerkenswerten Punch von der Bank sorgte.

Der Flop des Spiels: Danilo Barthel. Traf nur einen seiner 8 Würfe und leistete sich dazu noch 4 Turnover. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass die Bayern ihre Big Men als erste Option ausgemacht hatten, war seine Leistung enorm enttäuschend. Ließ sich dann in der zweiten Halbzeit auch am Brett die Butter vom Brot nehmen und beendete das Spiel mit lediglich 4 Rebounds.

Das fiel auf:

  • Djordjevic ging mit dem klaren Ziel in die Partie, sich über Barthel und Booker im Post zu etablieren. Das misslang zu Beginn vollkommen. Schon beim Entry-Pass endeten die Münchener Angriffe häufig im Turnover und sollten die Bälle doch bei den Big Men ankommen, wirkten diese fahrig und schlossen auch gegen die kleineren Guards in der ersten Hälfte nicht effizient in der Zone ab.
  • Brose legte den offensiven Fokus auf das Guard-Play. Durch die Penetration von Strelnieks und Lo konnten die Bayern sich deutlich bessere Würfe kreieren. Melli rollte immer wieder stark ab und wurde sein Weg zum Korb zugestellt, sah er die offenen Schützen in den Ecken. Zur Halbzeit ließen die Bamberger es bereits 6 Mal für Drei regnen, während die Bayern nur einen Distanzwurf trafen.
  • Nach kurzem Aufbäumen im dritten Viertel ließ auch die Intensität der Münchener nach und Bamberg konnte sich am offensiven Glas durchsetzen. Addiert mit dem ohnehin effizienteren Offensivspiel war das schlussendlich der Genickbruch für den FCBB.
  • Bamberg mit enormen Vorteilen in der Breite des Kaders. Der Meister konnte im Grunde genommen ohne Qualitätsverlust wechseln. Zisis und Lo brachten von der Bank eine enorme Qualität mit und setzten sich selbst und ihre Mitspieler immer wieder gut in Szene.
  • In jedem Viertel hatte Brose außerdem einen Spieler, der heiß lief. Melli im ersten, Causeur im zweiten, Heckmann im dritten und Theis im vierten Vietel sorgten für eine Unberechenbarkeit, auf die sich die Bayern zu keinem Zeitpunkt einstellen konnten.
  • Bayern konnte durch die fehlende Guard-Penetration überhaupt keine freien Dreier kreieren. Am Ende warfen die Münchener erbärmliche 13 Prozent von Downtown und konnten nur 2 Triples versenken.

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