BamBACK! Baskets auf dem Thron

Sonntag, 21.06.2015 | 17:33 Uhr
So sehn Sieger aus! Die Brose Baskets feiern den BBL-Titel überschwänglich
© getty
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Die Brose Baskets Bamberg sind nach einem Jahr Pause wieder Meister der BBL. In Spiel 5 der Finalserie gegen Vorjahresmeister FC Bayern München dominierte das Team von Andrea Trichieri über weite Strecken und gewann vor frenetischem Publikum insgesamt verdient. Das bayrische Aufbäumen kam zwar, reichte am Ende aber nicht mehr aus.

Andrea Trinchieri war nach der Niederlage aus Spiel 4 sehr kritisch mit seiner Mannschaft umgegangen. Es zahlte sich aus. Mit einer unbändigen Energie marschierten die Baskets direkt zu einer 9:0-Führung und dominierten die erste Hälfte. Die Bayern dagegen wirkten von der beeindruckenden Kulisse eingeschüchtert, brachten ihre Offense kaum ins Laufen, wurden an den Brettern dominiert und gingen völlig verdient mit einem 36:49-Rückstand in die Halbzeit.

Am Ende wurde es trotzdem nochmal eng, weil Lucca Staiger, John Bryant und Paul Zipser auf einmal heiß liefen und die Bayern ihre zuvor löchrige Defense endlich stabilisierten. Es fehlte jedoch der letzte Funke - insgesamt führten die Bayern in dieser Partie kein einziges Mal. Die Baskets sind damit zum insgesamt siebten Mal Meister der BBL.

Bamberg vs. Bayern: Hier geht's zum BOXSCORE

Topscorer der Partie war Trevor Mbakwe, der sich neben seinen 20 Punkten auch 13 Rebounds schnappte. Vier weitere Bamberg punkteten zweistellig, darunter Darius Miller, der 9 seiner 12 Punkte im letzten Abschnitt markierte. Bei den Bayern kam Bryant auf 16 Punkte, Staiger steuerte 12 dazu.

MVP der Finals wurde Bambergs Brad Wanamaker. Der Playmaker hatte in Spiel 5 zwar Probleme mit dem Wurf (9 Punkte, 3/12 FG), dafür verteidigte er überragend und verteilte zudem starke 8 Assists.

Die Reaktionen:

Andrea Trinchieri (Trainer Bamberg): "Ich habe viele Emotionen. Als Trainer war das heute ein besonderer Job. Am Ende dieses großen Spiels ist man als Trainer sehr einfach. Wir haben verdient gewommen, die Partie war sehr energiegeladen. Es war großartig vor diesem Publikum zu spielen."

Heiko Schaffartzik (Bayern): "Es tut sehr weh, jetzt mit leeren Händen dazustehen. Aber Bamberg war über die gesamte Saison besser, sie haben sich die Meisterschaft absolut verdient."

Marko Pesic (Geschäftsführer Bayern): "Unser größter Erfolg ist in diesem schweren Jahr mit all den Rückschlägen, dass wirklich niemand im Verein aufgegeben hat."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off: Die Baskets treten ohne Josh Duncan an, der anlässlich der Geburt seines zweiten Kindes in den USA weilt. Es beginnen wie üblich Brad Wanamaker und Karsten Tadda im Backcourt, dazu kommen Ryan Thompson, Trevor Mbakwe und Daniel Theis. Pesic schickt zunächst Vasilije Micic sowie Nihad Djedovic, Bryce Taylor und John Bryant ins Rennen. Dazu kommt statt Dusko Savanovic Vladimir Stimac in die Starting Five. Anton Gavel ist wieder im Kader, schaut aber zunächst nur zu.

3.: Die Halle tobt schon jetzt! Tadda und Theis treffen zwei Jumper, dann räumt Mbakwe Djedovic beim Layup ganz böse ab. Und Thompson von draußen! 7:0 für die Baskets.

6.: Theis! Gegen Bryant und Stimac bekommt er jede Menge Platz - und trifft bisher alles! 10 Punkte hat er schon jetzt auf dem Konto, unter anderem durch zwei Dreier. Bayern wacht langsam aber auch auf. 15:8 Bamberg.

10.: Eigentlich müsste Bamberg höher führen. Der FCB wühlt sich in Form von Stimac langsam zurück ins Spiel, sodass wir nach 10 Minuten "nur" bei 26:19 stehen. Das war dennoch ganz stark vom Gastgeber.

13.: Wahnsinn, wie offen die Münchner Zone teilweise daherkommt! Robinson zieht die Aufmerksamkeit auf sich und bedient Mbwake für den völlig offenen Dunk. Einen Steal später findet Wanamaker Robinson im Break. 37:24 für Bamberg!

20.: Bamberg bekommt im zweiten Durchgang gefühlt jeden Wurf, den es haben will - und trifft dann auch noch. Zwei Zipser-Dreier in Folge lassen Bayern hoffen, aber Strelnieks per Push-Shot erhöht direkt wieder auf 49:36 - und trifft dann fast noch aus der eigenen Hälfte!

24.: Bei Bryant läuft einfach nichts zusammen. Big Country holt sich sein viertes Foul ab, wenig später hat er den Rebound eigentlich sicher, nur um ihn dann vom eigenen Bein ins Aus springen zu lassen. Nach Freiwürfen von Thompson steht es 55:37 für die Baskets.

26.: So langsam aber sicher wird es gefährlich für die Baskets. Offensiv geht gerade überhaupt nichts mehr, Bayern kämpft sich über Freiwürfe und Defense langsam ran. Nach einem Zipser-Dreier steht es 57:45, Trinchieri nimmt die Auszeit.

30.: Und so schnell kann es gehen! Theis kommt zurück und räumt direkt Savanovic und Djedovic ab, Wanamaker und Harris beleben die Offense wieder. Staiger antwortet noch einmal per Dreier. 63:50 vor dem letzten Viertel der Saison!

35.: Es wird doch noch einmal interessant. Staiger trifft auf einmal alles von draußen, auch Staatsfeind Nr. 1 Bryant wird endlich wach. Miller ist bei Bamberg gerade der einzige, dem noch etwas gelingt. Noch einmal Auszeit, 74:65 Bamberg!

40.: Wahnsinn. Staiger schubst Miller völlig offensichtlich ins Seitenaus, das Foul wird aber nicht geahndet. Dann wird Staiger von Mbakwe abgeräumt. Wanamaker trifft nur einen Freiwurf, dann Micic per Dreier und Taylor per Dunk. Nur noch 3 Punkte! Strelnieks trifft einen von zwei, Bryant verkürzt erneut per Zweier. Doch Robinson macht alles klar! Bamberg ist Meister!

Spiel 5 zum Nachlesen im Ticker

Der Star des Spiels: Trevor Mbakwe. Seine Athletik, seine Fähigkeiten als Rolling Big Man und auch seine Defense waren unheimlich wichtig für sein Team - ausnahmsweise war er sogar Topscorer. Als er im letzten Viertel zwei Dunks in Folge zur 13-Punkte-Führung reindrückte, war die Partie gegessen. Ebenfalls sehr stark: Wanamaker, Theis und Miller.

Der Flop des Spiels: Ausnahmsweise gibt es keinen Flop. Die besten und spannendsten BBL-Playoffs der Neuzeit wurden von einer der besten Finals-Serien aller Zeiten gekrönt. Verantwortlich dafür ist natürlich der verdiente Meister Bamberg, aber auch die beherzt kämpfenden Bayern. Eine Saison voller Rückschläge erreichte in den Finals ihren traurigen Höhepunkt, als die Väter von Savanovic und Jagla überraschend verstarben. Dass sie dennoch spielten, verdient mehr als Respekt.

Anmerkung des Autors: In Unkenntnis der Schicksalsschläge im familiären Umfeld der Bayern wurde in der ursprünglichen Version Dusko Savanovic als "Flop des Spiels" bezeichnet. Diese Textpassage wurde nun abgeändert. Wir bitten hiermit um Entschuldigung bei Dusko Savanovic und sprechen den Familien unser Beileid aus.

Das fiel auf:

  • Tadda hatte als Starter genau eine Aufgabe: Den in Spiel 4 so starken Micic einzuengen. Und das machte er. Zu Beginn verfolgte er den Point Guard über den kompletten Court und bildete gemeinsam mit Wanamaker die Speerspitze einer Verteidigung, die zeitweise nah an der Perfektion agierte. Erst als Micic für Schaffartzik auf die Bank musste und Tadda ebenfalls seine Pause bekam, kam die Bayern-Offense langsam ins Rollen. Nach der Pause durfte Schaffartzik dann auch starten.
  • Trotz eines frühen 0:9-Rückstands traf Pesic die Entscheidung, auf eine Auszeit zu verzichten. Stattdessen brachte er nacheinander Schaffartzik und Gavel rein, die die Offense wesentlich besser und umsichtiger leiteten. Die Maßnahme barg ein gewisses Risiko, ging aber gewissermaßen auf. Häufig aber nur über Einzelaktionen - im ersten Viertel spielte Bayern ganze 2 Assists!
  • Beide Coaches ließen zudem schon sehr früh und viel Small-Ball spielen, dementsprechend hoch war auch die Pace. Das kam gerade den Bambergern zugute, deren Schützen einen freien Dreier nach dem anderen einklinkten (insgesamt 7 Triples). Bisweilen nahm es aber auch groteske Züge an, wenn beispielsweise Harris als de-facto-Center über mehrere Minuten im Post gegen Stimac dagegen halten musste.
  • In Spiel 4 hatte die Zonenverteidigung der Bayern die Bamberger bisweilen vor große Probleme gestellt. Diesmal kamen sie wesentlich besser damit klar, weil Wanamaker und Robinson immer wieder das Tempo forcierten und aus dem Pick'n'Roll schnell in die Zone zogen. War die erste Linie dann erstmal überbrückt, war der Big Man auf sich allein gestellt - und fiel ihrer Übersicht zum Opfer. So bekam allein Mbakwe in der ersten Halbzeit vier Dunks ohne Gegenspieler. Nach der Pause wurde die Defense dank Zipser und Micic endlich besser.
  • Man merkte zwischenzeitlich immer wieder, was in dieser Partie auf dem Spiel stand. Mehrfach gerieten Spieler aneinander, wie beispielsweise Jagla und Harris Anfang des dritten Viertels (Double Technical). Insbesondere in der zweiten Hälfte häuften sich die Freiwürfe auf beiden Seiten.

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