Basketball

Wer füllt das Alba-Vakuum?

Wer übernimmt Alba Berlin? Bartzokas, Machowski, Bauermann und Trifunovic (v.l.)
© getty

Berlins Erfolgsocach Sasa Obradovic ist nach der erfolgreichen Saison mit dem knappen Verpassen des Euroleague-Viertelfinals sowie des BBL-Endspiels heiß begehrt. Unter anderem die finanzstarken Russen von Lokomotiv Kuban sowie Valencia sollen ihm Angebote vorgelegt haben. Ein Weggang ist sehr wahrscheinlich - und damit stellt sich für Berlin die Frage: Welcher Headcoach soll angesichts der zu erwartenden Abgänge von Leistungsträgern (McLean, Redding, Radosevic) den Umbruch mitgestalten? Die Liste an möglichen Kandidaten ist hochkarätig. SPOX hat sich im nationalen und internationalen Basketball umgeschaut.

Deutsche Kandidaten

Dirk Bauermann (57): Deutschlands erfolgreichster Basketball-Coach aller Zeiten (9 Meisterschaften) und ehemaliger Bundestrainer (EM-Silber 2005). International entsprechend renommiert, dazu rhetorisch eloquent und smart. Hierzulande haftet ihm der Ruf an, der Verteidigung zu große Bedeutung beizumessen, wobei er den litauischen Traditionsklub Lietuvos Rytas 2013 mit deutlich schnellerem Basketball in die Euroleague geführt hat.

Nach dem Abenteuer in Wolgograd bereit für ein BBL-Comeback - und das bei Alba? Von der Basketball-Philosophie und der Coaching-Intensität sind Ähnlichkeiten zwischen Bauermann und Obradovic zu erkennen, so dass keine grundlegende Umorientierung in der Spielerakquise vonnöten wäre.

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Sebastian Machowski (43): Geboren in Berlin, durchschritt das Jugendprogramm von Lichterfelde, wurde bei Alba Nationalspieler. Fing als Coach in Polen an und ging daraufhin nach Braunschweig, wo er in jedem der drei Jahre an den Playoffs teilnahm, sich allerdings auch mit den beiden größten Talenten des Klubs, dem heutigen NBA-Profi Dennis Schröder sowie Daniel Theis, häufig zankte. Wurde zuletzt in Oldenburg freigestellt, obwohl er 2013 noch die Finals erreicht hatte.

Da er aber weiter von Oldenburg bezahlt wird, kann oder will er sich öffentlich nicht gegen die erhobenen Vorwürfe (übermäßiges Vertrauen in US-Veteranen und begrenztes Vertrauen in junge Deutsche) verteidigen. Die Coaching-Fähigkeiten und die Berliner Vergangenheit sprechen für ihn, das in der Vergangenheit teils belastete Verhältnis zu deutschen Talenten und seine Distanz gegenüber der Öffentlichkeit gegen ihn.

Henrik Rödl (46): Eine Alba-Legende, der sich in diesem Sommer mit Trier aufgrund der Insolvenz und dem folgenden Punkteabzug aus der Bundesliga verabschiedet hat.

Was für ihn spicht: a) Sein Status' in Berlin. b) Die enge Verbindung zu Niels Giffey, dem designierten Alba-Star der Zukunft. Und c) Seine Stärke, deutsche Talente zu entwickeln. Was gegen ihn spricht: a) Seine durchwachsene und eher unglücklich verlaufene erste Amtszeit als Alba-Headcoach zwischen 2005 und 2007. b) Seine allseits geschätzte, von einigen Experten aber als zu weich für den absoluten Spitzenbasketball beschriebene Art. Und c) Sein Commitment zu Trier, falls der Verein nachträglich eine BBL-Wild-Card erhält. Selbst ein Fortsetzen in der zweitklassigen ProA ist denkbar.

Internationale Kandidaten

Luca Banchi (49, Italien): Begründete als Assistent gemeinsam mit seinem damaligen Chef Simone Pianigiani die Ära von Siena in der italienischen Liga (sechs Meisterschaften von 2007 bis 2012). Nachdem sein Mentor von Fenerbahce abgeworben wurde, übernahm Banchi das Headcoaching und es folgte 2013 mit Siena der siebte Titel. 2014 wiederholte er, mittlerweile zu Emporio Armani Mailand gewechselt, erneut die Meisterschaft. Jedoch verläuft diese Saison holprig, das Euroleague-Viertelfinale wurde deutlich verpasst und in den italienischen Playoff-Halbfinals steht es gegen Sassari 3-3. Sollte Mailand als Topgesetzter ausscheiden, wäre ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit nicht undenkbar. Letztes Jahr hatte er Überlegungen öffentlich gemacht, wonach er bereits nach der vergangenen Saison kurz vor dem Rücktritt stand.

Georgios Bartzokas (50, Griechenland): Platziert sich in den internationalen Medien und wird wiederholt als Obradovic-Nachfolger genannt. 2010 sein Durchbruch, als er sich mit dem kleinen Marousi Athen sensationell für das Euroleague-Top-16 qualifizierte. Über Panionios folgte er 2012 dem legendären Dusan Ivkovic bei Olympiakos und wiederholte 2013 den Euroleague-Triumph. Es blieb sein einziger Titel.

Im Herbst 2014 trat er nach einer Pokal-Niederlage gegen den Erzrivalen Panathinaikos zurück und kam damit wohl einer Entlassung zuvor. Wegen seines teils übertrieben autoritären Habitus bei Spielern und Fans wenig beliebt. Wobei sein Name dank des Euroleague-Siegs einen Klang besitzt, weswegen ihn Besiktas im Februar verpflichten wollte.

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Marco Crespi (53, Italien): Seit langem im Business, vorwiegend als Jugend- und Co-Trainer in Europa und als NBA-Scout für die Celtics und Suns. Erbte 2013 nach Banchis Weggang den Headcoaching-Job bei Siena und wurde 2014 in der Liga und im Pokal Zweiter, was den spanischen Topklub Laboral Kutxa von ihm überzeugte. Doch im Baskenland wurde er im November 2014 nach wenigen Wochen wegen Erfolglosigkeit entlassen. Dennoch ein denkbarer Kandidat für Alba angesichts seiner Vita und Erfahrung. Großes Fragezeichen: Crespi ist ein Verfechter der kompromisslosen Offensive - wie passt das mit dem Alba-Basketball der letzten Jahre zusammen?

Oktay Mahmuti (47, Türkei): Erarbeitete sich den Ruf als Defensiv-Koryphäe und prägte den türkischen Basketball des vergangenen Jahrzehnts. Gewann mit Efes Pilsen vier Meisterschaften in Folge (2002-2005), arbeitete auch bei Benetton Treviso mit beachtlichem Erfolg. Zuletzt bei Galatasaray, Anadolu Efes (Euroleague-Viertelfinale 2013) und in dieser Saison bei Darüssafaka. In der ersten Runde der türkischen Playoffs setzte es allerdings als Drittgesetzter trotz prominenten Spielern (Jordan Farmar, Renaldas Seibutis, Lyn Greer) ein klares 0-2 gegen Trabzonspor - was Darüssafaka dazu bewegen könnte, sich von Mahmuti zu trennen.

Aleksandar Trifunovic (48, Serbien): Entstammt wie Obradovic von Roter Stern Belgrad, ist aber von seiner gesamten Attitüde nicht ganz so energetisch wie der aktuelle Alba-Coach. Hat seit 2002 eine bewegte Vita, über Roter Stern ging es nach Litauen zu Lietuvos Rytas, dann zu Paniniois Athen, ncah St. Petersburg, wieder Roter Stern, wieder Litauen zu Rytas und gleich darauf zu dessen Erzrivalen Zalgiris Kaunas. Seine letzte Station war beim kasachischen Vorzeigeklub BC Astana, mit der ihm in der VTB-League (Liga der besten osteuropäischen Teams) einige Sensationen glückten. Nach einem erfolglosen 2014/15 wurde er im Februar entlassen.

ALBA Berlin im Steckbrief

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