Dusko Savanovic im Interview

"Mit 50, dickem Bauch und Zigarre..."

Von Max Marbeiter
Freitag, 17.04.2015 | 13:59 Uhr
Dusko Savanovic (l.) spielt beim FC Bayern München eine wichtige Rolle
© getty
Advertisement
NBA
Thunder @ Spurs
NBA
Warriors @ 76ers
ACB
Andorra -
Malaga
BSL
Tofas -
Anadolu Efes
ACB
Barcelona -
Valencia
NBA
Wizards @ Raptors
NBA
Wizards @ Bucks
NBA
Bulls @ Lakers
NBA
Warriors @ Thunder
NBA
Bulls @ Warriors
NBA
Pelicans @ Warriors
NBA
Suns @ Timberwolves
NBA
Cavaliers @ 76ers
BSL
Fenerbahce -
Büyükcekmece
NBA
Wizards @ Timberwolves
NBA
Grizzlies @ Spurs

Dusko Savanovic ist die personifizierte Erfahrung im Kader des FC Bayern München. Der 31-Jährige hat viel gesehen und erzählt im SPOX-Interview von seinen Anfängen auf den Straßen Serbiens. Außerdem: Kritik und Anerkennung für die NBA, Nachholbedarf in Deutschland sowie Argumente gegen den blinden Stats-Wahn.

SPOX: Herr Savanovic, Sie haben bereits viel erlebt, spielten in Serbien, Russland, Spanien, der Türkei und nun in Deutschland. Beeinflusst die Kultur eigentlich die Art und Weise, mit der Basketball aufgenommen und gespielt wird?

Dusko Savanovic: Nicht wirklich. Im modernen Basketball ist alles so professionell, global, es ist ein Business. Nehmen wir zum Beispiel Bayern: Wie viele Deutsche spielen bei uns? Okay, wir haben immerhin acht, neun im Kader. Die meisten Teams in Europa haben viele Ausländer. Es ist einfach kein normaler Job, weil nur sehr wenige Menschen weltweit überhaupt in der Lage sind, professionell Basketball zu spielen.

SPOX: Sport steht also grundsätzlich gesondert da?

Savanovic: Absolut. Ich meine, wie viele Leute können genau das tun, was sie lieben und werden noch dazu sehr gut dafür bezahlt? Das ist einfach ein großes Privileg. Die meisten Menschen üben ihren Job nicht aus, weil sie ihn mögen, sondern weil sie müssen.

SPOX: Ist es dennoch ein wenig schwierig, sich ständig an ein neues Umfeld gewöhnen zu müssen?

Savanovic: Definitiv. Es ist sogar sehr schwierig. Alles, was du kanntest, ändert sich. Andererseits lernst du verschiedene Kulturen kennen. Bis zu meinem 30. Lebensjahr habe ich in fünf unterschiedlichen Ländern gespielt, sechs Sprachen gelernt. Du versuchst immer, die positiven Dinge mitzunehmen und sie zu nutzen. Auch da sind wir privilegiert.

SPOX: An welchem Ort fiel Ihnen der Integrationsprozess am schwersten?

Savanovic: Über die Jahre lernst du, alles ein wenig zu biegen, dich anzupassen, auch wenn gewisse Dinge und Angewohnheiten nicht wirklich zu dir passen. Manchmal wusste ich nicht mal, wo ich bin. Erst war ich in Serbien, dann musste ich mich an Russland gewöhnen, dann Spanien und schließlich an die Türkei. Das hat mich sehr anpassungsfähig gemacht. Das muss auch so sein.

SPOX: Und Deutschland?

Savanovic: In Deutschland fahrt ihr so langsam, jeder hält sich ganz genau an die Regeln. Niemand macht Fehler. Für einen Serben ist das natürlich etwas Neues. Wir können auch Auto fahren, aber eben etwas wilder. Und dann kam ich ja auch noch aus der Türkei. Sie sollten mal hinfahren und sehen, wie die Leute dort fahren. Das war fast schon ein Schock. Aber ein positiver.

SPOX: Sie spielten bislang immer in Millionenstädten wie Belgrad, Istanbul oder nun München. Ist es als Sportler schwierig, abzuschalten, wenn das Leben um einen herum so hektisch ist?

Savanovic: Am Ende ist alles darauf ausgelegt, dass es funktioniert. Es ist nicht einfach, aber auch daran gewöhnst du dich. Das Training in Istanbul war beispielsweise immer so gelegt, dass wir nicht in die Rush Hour gerieten. Wenn es freitagabends regnete, wurde das Training abgesagt, weil einfach nichts mehr ging. Das war unglaublich. Im zweiten Jahr musste ich 80 Kilometer allein zum Training fahren. Und das jeden Tag. Das ist nicht einfach, aber auch das musst du akzeptieren.

SPOX: Sie kennen den internationalen Basketball bestens. Jeder Liga wird ihre eigene Identität zugeschrieben. Über die BBL heißt es immer, sie sei sehr schnell und athletisch - aber mit dem Zusatz: wegen der Amerikaner. Sucht der deutsche Basketball noch ein wenig nach seiner Identität?

Savanovic: Das kann gut sein. Hier wird tatsächlich schnell gespielt. Ich weiß aber nicht, ob das ausschließlich an den Amerikanern liegt. Klar ist Fußball in Deutschland riesig, aber die Spieler, die Deutschland hervorbringt, müssten einfach besser sein. Das Land ist so groß, es gibt so viele Möglichkeiten. Das heißt nicht, dass ich gegen Ausländer in der Liga wäre, ich bin ja selbst einer. Der Fokus sollte aber viel mehr darauf gelegt werden, eigene deutsche Spieler zu entwickeln. Am Ende wird die BBL noch zu sehr von äußeren Einflüssen bestimmt.

SPOX: Es bräuchte also mehr deutsche Spieler, um die Identität zu schaffen?

Savanovic: Genau, aber die Leute halten sich eben an die Regeln. Teams wollen natürlich so gut wie möglich sein und holen deshalb Ausländer, da sie die Mannschaft meistens besser machen. Da müsste der Verband etwas ändern, um die Identität des Basketballs zu schützen und noch mehr eigene Spieler hervorzubringen.

SPOX: Dennoch verkaufen sich deutsche Teams in der Euroleague immer besser. Bayern spielte vergangene Saison eine gute Rolle, Alba erreichte diesmal beinahe die Playoffs...

Savanovic: Der deutsche Markt entwickelt sich hervorragend, verstehen Sie mich nicht falsch. Vor zehn Jahren gab es im Grunde nur Alba. Damals wäre ich sogar beinahe nach Berlin gewechselt. Mittlerweile gibt es Bamberg, das einige Jahre dominierte und nun auch Bayern, drei Teams auf Euroleague-Level, die sicherlich immer besser und besser werden. Der deutsche Basketball wird sicherlich bald einer der besten in Europa sein. Aber, wie gesagt, sie müssen ihre eigenen Spieler entwickeln. Es ist schwer, die beste Liga zu sein, wenn zu viele Spieler von außen kommen.

SPOX: In Serbien ist man mit der Nachwuchsarbeit einen deutlichen Schritt weiter. Wie ist es eigentlich, in einem Land aufzuwachsen, in dem Basketball zu den beiden beliebtesten Sportarten zählt? In Deutschland kennt man das schließlich nicht.

Savanovic: Es ist Teil meines Lebens. Wir sind praktisch auf der Straße aufgewachsen und hatten an jeder Ecke unseren eigenen Korb. Wenn es keinen gab, haben wir uns einen gebaut. Den Ring mussten wir irgendwo kaufen, den Rest haben wir uns einfach zusammengesucht und improvisiert. Das war gut. Wir waren immer draußen. Für uns war es einfach ein Teil der Kindheit.

Seite 1: Savanovic über die Stellung des Basketball, Integration und Identität

Seite 2: Savanovic über die Rolle von Basics, spezielle Coaches und den Basketball-IQ

Seite 3: Savanovic über die NBA, Greg Popovich und Erfahrung

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung