"Ich war besser als Andrew"

Nick Wiggins wagte im Sommer den Sprung in die BBL
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SPOX: In der Offseason hatten Sie eine weitere Chance, sich ins Blickfeld der NBA-Teams zu spielen, als Sie in der Summer League für die Sacramento Kings aufgelaufen sind. Was haben Sie dort für Erfahrungen gemacht?

Wiggins: Die Summer League war eine wichtige und großartige Zeit für mich. Mit all den Stars wie Rudy Gay und DeMarcus Counsins zu trainieren, hat mich enorm weitergebracht. Nicht nur auf dem Court, sondern auch als Mensch.

SPOX: Was haben Sie gedacht, als zwei Typen aus Deutschland nach der Summer League zu Ihnen kamen und Ihnen das Angebot machten, in Tübingen zu spielen?

Wiggins: Ich dachte, das könnte eine gute Möglichkeit für mich sein, in Europa zu spielen und mich dort weiterzuentwickeln. Es hörte sich richtig gut an, also sprach ich mit meinen Eltern und meinem Agenten darüber. Vor allem mein Vater hat meinen Entschluss unterstützt. Ich hatte zwar auch andere Angebote aus dem Ausland, aber die habe ich nie wirklich in Erwägung gezogen. Und die D-League war für mich auch keine Option.

SPOX: Mittlerweile sind Sie seit drei Monaten in Deutschland. Wie gefällt es Ihnen bislang?

Wiggins: Es ist neu, es ist anders. Ich war fast die ganze Zeit zuvor in Kanada und den USA und es ist einfach eine Umstellung. Aber Tübingen ist wirklich cool. Im Vergleich mit vielen Städten in Nordamerika ist es hier sehr sauber und was mir natürlich gefällt: Die Leute lieben Basketball.

SPOX: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt oder haben Sie sich das Leben in Deutschland ganz anders vorgestellt?

Wiggins: Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Ich war vorher noch nie in Deutschland und wusste daher nicht viel über das Land. Nur, dass es hier gutes Essen gibt und man mit Euro bezahlt (lacht). Aber nun habe ich sogar schon ein bisschen Deutsch gelernt und kenne ein paar Wörter: Dankeschön. Wie geht's? Guten Morgen!

SPOX: Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen College-Basketball und dem Basketball, wie er in der BBL gespielt wird?

Wiggins: Das Spiel am College ist strukturierter und die Spieler sind körperlich einfach stärker. Dafür würde ich sagen, dass der Basketball-IQ hier in Deutschland eine größere Rolle spielt. Außerdem ist das Spiel hier etwas physischer, da die Schiedsrichter ein bisschen mehr laufen lassen. Großen Einfluss auf das Spiel hat auch die Wurfuhr: Wir haben nur 24 Sekunden für einen Angriff, am College hatten wir 35. Und elf Sekunden sind eine Ewigkeit. (lacht)

SPOX: Die ersten Saisonspiele sind absolviert - haben Sie Ihre Rolle im Team der Walter Tigers schon gefunden?

Wiggins: Ich bin noch auf der Suche. Aber das ist nicht schlimm und hat auch mit dem Saisonstart zu tun. Wir haben am Anfang viele Spiele gegen starke Teams verloren, da ist es normal, dass der Coach viel ausprobiert und verschiedene Spieler testet. Auch er sucht noch nach der passenden Rotation. Aber ich habe mich definitiv schon verbessert, seitdem ich hier in Deutschland bin.

SPOX: Hat sich der schlechte Start auch auf die Atmosphäre in der Kabine ausgewirkt?

Wiggins: Ja, und zwar positiv. Wir hatten viele Spiele knapp verloren, daher waren wir alle enorm hungrig auf den ersten Sieg. Gegen Braunschweig hat es dann ja endlich geklappt.

SPOX: Bei Instagram veröffentlichen Sie jede Menge Bilder von Ihrem Körper - mit den unzähligen Tattoos schon fast ein Kunstwerk. Haben Sie überhaupt noch den Überblick, wie viele es sind?

Wiggins: (lacht) Nein, ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Bei 14 habe ich aufgehört zu zählen, aber es werden mittlerweile wohl rund 25 sein.

SPOX: Was haben Sie für eine Bedeutung und welches ist Ihr Lieblingsmotiv?

Wiggins: Es gibt viele Tattoos, die mit meiner Familie zu tun haben und auch welche, die einen Bezug zu Gott haben. Natürlich ist es auch ein Stück weit Verarbeitung dessen, was ich bisher erlebt habe und eine Erinnerung an den Weg, den ich gegangen bin. Mein Lieblingsmotiv ist das auf der linken Schulter, auf dem man mich und meinen Vater sieht. Es symbolisiert, wie er mir den Weg zum Basketball gezeigt hat, wofür ich ihm außerordentlich dankbar bin.

Seite 1: Wiggins über seinen Bruder Andrew, den Draft 2014 und den College-Rekord

Seite 2: Wiggins über die zweite Chance, Besonderheiten der BBL und seine Tattoos

Nick Wiggins im Steckbrief