Euroleague-Top16, 3. Spieltag: Real - Bayern

Real eine Nummer zu groß für Bayern

Von Max Marbeiter
Mittwoch, 15.01.2014 | 23:40 Uhr
Die Bayern erwischten in Madrid einen beeindruckenden Start, ließen dann aber nach
© getty
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Trotz einer zu Beginn starken Leistung ging der FC Bayern München bei Real Madrid am Ende mit 87:111 unter. Ab dem dritten Viertel demonstrierten die Spanier ihre Ausnahmestellung, bestraften jeden einzelnen Fehler des FCB eiskalt und brachten den Münchner die erste Top16-Niederlage bei.

Der Topfavorit wird sich zu Beginn verwundert die Augen gerieben haben. Die Bayern traten extrem selbstbewusst auf, verteidigten konzentriert und ließen mal wieder die Schützen auf den Gegner los. 66 Prozent der Dreier fanden in der ersten Hälfte den Boden des Netzes. Dazu arbeiteten die Münchner extrem stark am Brett (21:11 Rebounds in der ersten Hälfte) und gingen so mit lediglich einem Punkt Rückstand in die zweite Hälfte.

Mit Beginn des dritten Viertels demonstrierte Real jedoch, weshalb es derzeit die wohl beste Mannschaft im europäischen Basketball stellt. Hinten wurden die ohnehin nicht gerade sorgsam mit dem Ball umgehenden Bayern vermehrt zu Turnovern gezwungen (insgesamt 18), vorne fiel Wurf um Wurf.

Sogar das Rebound-Duell gestalteten die Spanier bis zum Ende noch ausgeglichen (28:28). Der FCB hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen und ging am Ende unter. Topscorer der Partie war Rudy Fernandez (24 Punkte). Malcolm Delaney kam für die Münchner auf 14 Punkte.

Reaktionen:

Svetislav Pesic (Trainer FC Bayern): "Wir haben in der ersten Halbzeit den Rebound und den Rhythmus des Spiels kontrolliert, das war sehr gut. In der zweiten Halbzeit hat sich das leider geändert. Madrid hat sich mehr Rebounds geholt, das war für mich der Schlüssel heute. Gleich in den ersten Minuten nach der Halbzeit hatten sie fünf Offensivrebounds, dadurch ist das Zutrauen bei Real explodiert und unseres gesunken. Madrid hat offenkundig ein anderes Level. Allerdings sind 17 Freiwürfe, die sie mehr zugesprochen bekamen als wir, einfach zu viel des Guten aus meiner Sicht gewesen."

Yassin Idbihi (FC Bayern): "Die erste Halbzeit von uns war super, das war sicher eine der besten, die wir bisher hatten. Nach der Pause hatten wir dann aber zu viele Ballverluste, haben ihnen Rebounds gestattet. Das bestraft diese Mannschaft sofort. Sie hat eine unglaubliche Qualität, das habe ich in der Euroleague noch nicht gesehen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off:

Real beginnt mit Llull, Fernandez, Darden, Mirotic und Bourousis.

Den Bayern fehlt weiterhin Djedovic. Also schickt Svetislav Pesic Delaney, Staiger, Benzing, Savovic und Bryant zum Tipoff aufs Parkett.

Real Madrid vs. Bayern München: Hier geht's zum BOXSCORE

5.: Die Bayern halten zu Beginn gut mit. Staiger bringt den FCB per Dreier in Führung. Kurz darauf legt Benzing - ebenfalls von Downtown - nach. Pablo Laso sieht sich erstmals zur Auszeit gezwungen - 13:9 Bayern!

9.: Zweiter Bayern-Turnover in Folge. Nachdem sich Idbihi den Schrittfehler leistet, sind sich Taylor und Benzing nicht einig. Real macht's jedoch auch auch nicht besser, und so versenkt Taylor den Fastbreak-Layup - 22:17 Bayern!

13.: So wird sich das Pablo Laso vorgestellt haben. Zwei schnelle Dreier von Mirotic und Fernandez bringen Real wieder bis auf einen Punkt heran. Die Bayern antworten jedoch mit Thompson und Delaney - 28:23!

17.: Die Bayern lassen sich bislang nicht einmal ansatzweise einschüchtern. Selbst einen kurzen Lauf der Madrilenen kontert der FCB relativ souverän. Delaney bringt die Münchner von der Linie sogar wieder in Führung - 39:37!

20.: Sergio Rodriguez eiskalt. Kurz vor der Halbzeitsirene bringt der Point Guard Real von Downtown mit einem Punkt in Führung. Dennoch: Die Bayern halten beim großen Favoriten eindrucksvoll mit.

23.: Was für ein Auftakt in die zweite Hälfte. Ob Fernandez, Bourousis oder Llull - der Favorit lässt es Dreier, respektive Dreipunktspiele regnen und führt nach wenigen Minuten mit 12.

27.: Reals Offensivmaschine läuft mittlerweile auf Hochtouren. Bayerns Defense wirkt mitunter überfordert. Als die Madrilenen sich ein wenig zu sicher fühlten, schlagen die Münchner jedoch eiskalt zu. Taylor und Delaney verkürzen den Rückstand von Downtown auf 11 Zähler.

31.: Schaffartzik trifft zwar den Dreier, mittlerweile liegen die Bayern jedoch mit 71:89 zurück. Werden wir nicht Zeuge eines Wunders, bleibt die Überraschung wohl aus.

36.: Das Spiel ist durch. Real führt mittlerweile mit 29 Punkten und wird sich das auch nicht mehr nehmen lassen.

Der Star des Spiels: Rudy Fernandez. Grundsätzlich überrollt Real seine Gegner im Kollektiv. Der eine oder andere ragt jedoch immer wieder heraus. Diesmal gab sich Fernandez die Ehre. Der ehemalige Blazer war von den Bayern überhaupt nicht in den Griff zu bekommen, hatte mit einigen getroffenen Dreiern großen Anteil am madrilenischen Run zu Beginn des dritten Viertels und durfte sich am Ende auch die Topscorer-Krone aufsetzen.

Der Flop des Spiels: Boris Savovic. Svetislav Pesic ließ den Serben anstelle von Deon Thompson starten, doch Savovic war völlig überfordert. Körperlich hatte er Reals Big Men nichts entgegenzusetzen und ließ sich auch vom kleineren Felipe Reyes immer wieder durch die Zone schieben.

Das fiel auf:

  • Wenn es ein Team gibt, das das schnelle Spiel noch mehr liebt als die Bayern, ist es Real. Wann immer sich die Gelegenheit bot, kam Madrid ins Laufen und schloss am Brett eiskalt ab. Speziell Sergio Rodriguez' Finesse stellte die Münchner Defense ein ums andere Mal vor Probleme.
  • Dass das Duell unter den Brettern zunächst derart einseitig ausfallen würde, hatte wohl niemand erwartet. Gut, die Bayern sind das beste Rebounding-Team der Euroleague. 21:11 Abpraller zur Halbzeit kommen angesichts Reals potenter Big-Man-Rotation schon sehr überraschend daher. Das wollten die Spanier so aber offenbar nicht stehen lassen. In der zweiten Hälfte arbeiteten sie am Brett wesentlich konzentrierter und gestalteten das Rebound-Duell am Ende ausgeglichen (28:28)
  • Real Madrid ist unglaublich stark - so viel ist klar. Darauf einstellen oder die Königlichen gar stoppen kann man offensichtlich dennoch nicht. Nachdem die Bayern in der ersten Hälfte noch stark mithielten, drehte Real, wie in dieser Saison bereits häufig gesehen, zu Beginn des dritten Viertels auf und erspielte sich den entscheidenden Vorsprung.
  • Die Bayern taten sich extrem schwer, Reals Dreier zu verteidigen. Die Kombination aus gutem Zug zum Korb und einem Arsenal an starken Schützen erleichtert dies aber auch nicht unbedingt. Immer wieder zogen die Madrilenen zum Korb, um dann den Kickout an den Perimeter zu spielen, von wo aus fröhlich abgedrückt und getroffen wurde.
  • Mitunter wirkte Bayerns Offense gut ausbalanciert. Der Ball wurde effektiv bewegt und so immer wieder offene Würfe herausgespielt. Teilweise übertrieben es die Gäste jedoch. In der ersten Hälfte verursachten einige unnötige Extrapässe Turnover. Als Real nach der Halbzeit stärker wurde, überdrehte der FCB und schmiss den Spalding beim Zug zum Korb immer wieder weg. Insgesamt leisteten sich die Bayern so 18. Turnover.
  • Pablo Laso hatte während der Halbzeit offenbar deutliche Worte gefunden. Im dritten Viertel dominierte Real Bayern plötzlich in allen Belangen. Die Spanier reboundeten besser, machten offensiv, was sie wollten und kamen allein in Abschnitt Nummer drei auf 41 (!) Punkte.

Der Euroleague-Spielplan im Überblick

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