Daniel Theis im Exklusiv-Interview

"Sie stellten mich als Idioten hin"

Von Interview: Haruka Gruber
Dienstag, 16.10.2012 | 17:37 Uhr
Daniel Theis bei der Rückkehr in Braunschweig. Links Dennis Schröder, in der Mitte Nils Mittmann
© Imago
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Um Ulms neues Toptalent Daniel Theis entbrannte im Sommer ein beispielloser Streit. Jetzt spricht der 20-Jährige erstmals über die brisanten Hintergründe beim Ex-Klub Braunschweig. Der Power Forward exklusiv über Unrecht, Unwahrheiten und die süße Rache in der alten Heimat.

SPOX: Sie standen im Sommer im Mittelpunkt eines im deutschen Basketball beispiellosen Streits: Ihr alter Verein Braunschweig versuchte mit allen Mitteln, Ihren Wechsel nach Ulm zu verhindern. Die "Südwest Presse" schrieb von einem "Präzedenzfall". Ist es Ihnen schwer gefallen, in den letzten Wochen zu schweigen?

Daniel Theis: Es fiel mir schwer und es nervte mich gewaltig, weil in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild von mir gezeichnet wurde. Die Braunschweiger sagten, dass sie mir ein neues Angebot vorgelegt hätten und ich den Vertrag unterschrieben hätte. Beides war nie der Fall. Trotzdem wurde das behauptet, um sich selbst besser darzustellen.

SPOX: Braunschweigs Sportdirektor Oliver Braun sagte, dass der Vertrag von Rich Melzer wegen Ihnen aufgelöst wurde und Ihnen ein marktgerechtes Angebot unterbreitet worden wäre.

Theis: Um es klarzustellen: Es gab kein Angebot und es gab keine Unterschrift. Wir, beziehungsweise mein Agent Ademola Okulaja, haben seit Anfang letzter Saison ständig den Kontakt zu Braunschweig aufgenommen, um weitere Schritte für mich zu planen und einen neuen Vertrag zu besprechen, aber Braunschweig wollte nie über einen Vertrag reden. Es gab sogar Optionen, dass ich ausgeliehen werde, um Praxis bei einem anderen Klub zu bekommen und zurückzukommen. Stattdessen wurde alles geblockt oder ignoriert, wenn es um meine Zukunft ging.

SPOX: Wie kam es dann, dass Braunschweig sogar mit juristischen Konsequenzen gedroht hat?

Theis: Ich reichte zwei Tage nach dem Playoff-Aus gegen Ulm die Kündigung ein. Weil diese nicht direkt von mir, sondern vom Anwalt kam, hat sich Oliver Braun offenbar persönlich angegriffen gefühlt. Daher die Behauptung, dass die Kündigung nicht wirksam sei, obwohl alles fristgerecht ablief. Sonst hätte der DBB mir nicht die Freigabe erteilt. Braunschweig ging es vor allem darum, sich gut aus der Affäre zu ziehen. Sie wollten so tun, als ob sie alles richtig gemacht hätten. Das Traurige: Sie waren bei den eigenen Fans damit sogar erfolgreich.

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SPOX: Wie meinen Sie das?

Theis: Oliver Braun suchte nie den Kontakt zu mir. Stattdessen stellte er mich in der Öffentlichkeit hin als den Idioten. Als den verhätschelten und undisziplinierten Jungstar, der den Weggang erzwungen und den Klub erpresst hätte. So gelang es ihm, die Fans auf seine Seite zu ziehen. Das konnte Braunschweig schon immer gut: Sich nach außen gut präsentieren, obwohl intern alle wissen, was schief läuft. Warum wurde denn nie berichtet, dass Braunschweig mich letztes Jahr aus dem Vertrag schmeißen wollte, weil ich es so oder so zu nichts bringen werde und nur Kopfschmerzen bereiten würde? Und plötzlich bin ich der Böse, weil sie schon immer die ganze Mannschaft um mich und Dennis Schröder bauen wollten. Da stimmt was nicht!

SPOX: Sie traten zum BBL-Auftakt mit UIm ausgerechnet in Braunschweig an. Was erlebten Sie?

Theis: Es war extrem. Ich musste damit rechnen, dass ich ausgepfiffen werde. Was tatsächlich vor sich ging, war dennoch krass. Nach dem Abpfiff wurde ich von Fans am Spielfeldrand aufs Übelste beleidigt. Ein älterer Mann kam zu mir und sagte: "Verpiss dich! Und komm niemals wieder!" Das Schlimmste: Die Kinder schauten sich das von den Erwachsenen ab und verhielten sich genauso. Einige warfen mit Gegenständen auf mich. Es war nicht einfach - vor allem, weil ich aus der Region komme und seit der Jugend in Braunschweig gespielt habe.

SPOX: Zumindest gewann Ulm mit 92:91 nach Verlängerung - und Sie zeigten mit 18 Punkten und 10 Rebounds eine starke Leistung.

Theis: Deswegen hat mich der Sieg so gefreut. Ich merkte, wie sehr sich die Braunschweiger Fans darüber ärgerten, dass ausgerechnet ich, der Idiot, so eine Leistung bringe. Die Pfiffe haben mich motiviert, noch besser zu spielen. Ich wollte den Fans und den Verantwortlichen in Braunschweig beweisen, was für ein Fehler es war, mich letztes Jahr so selten einzusetzen.

SPOX: In Ulm stehen Sie in der Starting Five und legten in den ersten beiden Spielen jeweils ein Double-Double auf. Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Theis: Sehr positiv. Mir ist eigentlich egal, ob ich Teil der Starting Five bin oder nicht. Je nach Gegner kann sie anders aussehen, weil andere Spielertypen gefragt sind. Das Entscheidende: Ich spüre das Vertrauen des Trainers. Thorsten Leibenath spricht sehr viel mit mir und gibt mir so die nötige Sicherheit. Daher weiß ich, dass es kein Problem ist, wenn ich wie in den letzten beiden Spielen nicht so oft score. Ich soll hart verteidigen und rebounden.

SPOX: Welche Unterschiede gibt es abgesehen vom Trainer?

Theis: Die Qualität in der Mannschaft ist viel höher. Eigentlich muss man nur den Ball hochwerfen und John Bryant macht etwas Gutes daraus. Oder Allan Ray übernimmt mit seiner NBA-Erfahrung die Verantwortung und traut sich die kritischen Würfe zu. Von solchen Leuten lerne ich unglaublich viel. Was mich am meisten beeindruckt: Trotz der Stars sind wir in Ulm ein echtes Team. Diesen besonderen Mannschaftsgeist hat man schon in der Vorsaison als Außenstehender gespürt. Das ist der größte Unterschied zu Braunschweig, wo die Amerikaner immer für sich waren. Wir waren nie eine Gemeinschaft.

SPOX: Gibt es Beispiele?

Theis: Es gibt einige Beispiele, doch es gilt die Regel: Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine. Das Einzige, was ich dazu sagen werde, ist, dass ich so etwas noch nie gesehen habe. Die Verantwortlichen wussten von allem und unternahmen nichts, das ist das Erschreckende! Bestraft wurde nur halbherzig. Aber wehe, ein junger Spieler kommt zwei Minuten zu spät, dann ist es sofort ein Weltuntergang.

Hier geht's weiter: "Kleber und ich sind die Zukunft"

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