Basketball

"Die NBA ist der leichteste Job der Welt"

Von Interview: Haruka Gruber
Svetislav Pesic wurde 2002 mit Jugoslawien Weltmeister und besiegte u.a. die USA (hier: Paul Pierce)
© Getty

SPOX: Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner klagte, dass den jungen Deutschen die harte Basketball-Schule abgeht, wie sie die Serben durchschreiten. Sie kennen beide Länder: Sind die Deutschen zu weich?

Pesic: Ein Beispiel: In der BBL würde kein Trainer bei einem knappen Spielstand kurz vor dem Ende daran denken, fünf deutsche Spieler einzuwechseln. In Serbien und generell im ehemaligen Jugoslawien werden die einheimischen Talente hingegen sehr früh in Verantwortung genommen. Wegen der Ausländerbeschränkung bleibt den Trainern auch keine andere Wahl. Wenn Deutsche so viel eingesetzt werden und den nötigen Ehrgeiz mitbringen, spricht nichts dagegen, dass sie nicht genauso reif sein können. Beim Korac-Cup-Finale 1995 gegen Stefanel Mailand stand Ademola Okulaja in Berlins Starting Five - mit 19 Jahren!

SPOX: Immer mehr deutsche Spieler scheinen dazu zu tendieren, ans College zu gehen. Sehen Sie es positiv oder negativ?

Pesic: Henrik Rödl ist nach North Carolina gegangen, entwickelte sich und wurde NCAA-Champion. Zur gleichen Zeit lernten Henning Harnisch und Michael Koch in Deutschland so viel, dass sie später zu den besten europäischen Spielern auf ihren Positionen wurden und sich die nötige physische, taktische und mentale Stärke aneigneten. Es gibt kein falsch oder richtig. Für Elias war es gut, ans College zu gehen. Für Tibor und Robin war es gut, in Deutschland zu bleiben.

SPOX: Nervt es Sie als NBA-Kritiker, ständig zu hören, dass ein Nachwuchsspieler ans College geht, weil er sich dort bessere Chancen auf die NBA verspricht?

Pesic: Um es klarzustellen: Ich bin kein NBA-Kritiker, ich habe nichts gegen die NBA. Dennoch sagte ich, dass die NBA der leichteste Job der Welt ist.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Pesic: In der NBA sind die Gehälter garantiert, es gibt kein Training und man hat von Mai bis Oktober Urlaub. In keinem anderen Job der Welt hat man so viel Luxus. Nur: zu welchem Preis? Für jeden europäischen und damit auch deutschen Basketballer ist die NBA eine verlorene Zeit, außer derjenige ist so gut wie Dirk Nowitzki oder Pau Gasol. Für solche Spieler ist die NBA interessant. Für alle anderen macht es aus sportlichem Aspekt keinen Sinn: Sie kassieren ihre Schecks, sitzen auf der Bank und entwickeln sich nicht weiter.

SPOX: Sie waren 1998 Trainer von Alba Berlin und sollen sich geärgert haben, als sich Nowitzki für den Draft anmeldete. Was geschah damals?

Pesic: Damals stand Nowitzki vor der Entscheidung, ob er aus Würzburg sofort in die NBA gehen oder einen Zwischenschritt bei Alba Berlin einlegen soll. Holger Geschwindner beharrte darauf, dass Nowitzki nur für ein Jahr unterschreibt, und ich war damit einverstanden. Leider blieb die Alba-Führung bei ihrer Politik, dass junge Spieler mindestens für zwei Jahre unterschreiben müssten. So hat sich Nowitzki sofort beim Draft angemeldet. Sehr schade.

SPOX: Nowitzki schied mit den Mavericks am Wochenende in der ersten Playoff-Runde aus. Werden Sie versuchen, ihn mit Blick auf die EM 2013 vom Comeback zu überzeugen?

Pesic: Ich werde mich mit ihm im Sommer, wenn er wieder in Deutschland ist, treffen. Dann sehen wir weiter.

SPOX: Unter Ihrem Vorgänger Dirk Bauermann war es Usus, dass sich Geschwinder als Nowitzkis Betreuer nahe der Nationalmannschaft aufhielt. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Pesic: Sehr gut. Ich habe großen Respekt vor ihm. Ich finde: Wenn er was sagt, stimmt es immer. Mir gefällt, wie offen und deutlich er Themen anspricht, auch wenn einige ein Problem haben, seine Argumente zu akzeptieren.

SPOX: Sie hätten demnach kein Problem damit, wenn er Teil der DBB-Reisegruppe ist?

Pesic: Er wäre nicht nur ein Teil der Reisgruppe. Wenn er dabei sein möchte, wird er mit mir auf der Bank sitzen als Teil des Trainerteams. Er soll Verantwortung im DBB übernehmen.

SPOX: Wie geht es mit Chris Kaman, dem zweiten NBA-Star neben Nowitzki, weiter?

Pesic: Ich hatte noch keinen Kontakt und ich möchte nichts vorweg nehmen. Aber ich glaube, dass die Zeit gekommen ist, um auf der Center-Position den jungen Spielern eine Chance zu geben.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung