Johannes Lischka im Interview

Lischka: "Ich bin ein Hardcore-Nowitzki-Fan"

Von Interview: Haruka Gruber
Donnerstag, 16.02.2012 | 15:08 Uhr
Ludwigsburgs Johannes Lischka (l.) gehört zu den großen Hoffnungsträgern in Deutschland
© Imago
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Der größte Fan als Nachfolger im Nationalteam? Johannes Lischka gehört zu den deutschen Hoffnungen in der Post-Nowitzki-Ära. Dabei sorgte sein Vater für einen beispiellosen Eklat und erschwerte Lischkas Durchbruch. Der 24-jährige Forward von EnBW Ludwigsburg über seine Passion Nowitzki und sein Abspeck-Geheimnis.

SPOX: In eine der letzten Triangle-Offense-Ausgaben verriet Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann, dass Sie sich jedes Spiel der Dallas Mavericks anschauen würden. Er hat übertrieben - oder sind Sie so ein Hardcore-Nowitzki-Fan?

Johannes Lischka: Wenn man es so ausdrücken will, bin ich ein echter Hardcore-Nowitzki-Fan. Es stimmt, was Herr Bauermann sagt. Letzte Saison gelang es mir, fast alle Mavs-Spiele live zu verfolgen. Den Rest eben zeitversetzt. In den Playoffs und den Finals ließ ich mir natürlich keine Minute entgehen. Seit diesem Jahr versuche ich, mehr auf mich zu achten, und ziehe mir in der Regel die Wiederholungen rein. Heißt: Ich stehe vor dem Training früher auf als die Mitspieler, vermeide jeden Blick auf eine Sport-Website und schmeiße den League Pass an. So kann ich weiterhin alle Spiele komplett sehen. Das ist fast genauso gut wie live - und gleichzeitig minimiere ich das Risiko, dass mir im Training jemand aus Versehen erzählt, wie Dallas gespielt hat.

SPOX: Warum verzichten Sie dennoch auf den Live-Genuss? Beschwerten sich die Trainer?

Lischka: Ich glaube, dass wussten sie gar nicht. (lacht) Nein, das war eine freiwillige Entscheidung. Es ist wichtig, auf den Körper zu achten und einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten.

SPOX: Dirk Nowitzki ist extrem beliebt - doch woher kommt Ihre außergewöhnliche Passion?

Lischka: Im Grunde weiß jeder deutsche Sport-Fan, was an Nowitzki so besonders ist. Ich kann gar nichts Neues dazu sagen. Aber vor zehn Jahren, als es richtig anfing mit Nowitzki, Steve Nash und Michael Finley, hat mich diese Leidenschaft gepackt und lässt mich nicht los. Damals gab es kein richtiges Internet, dennoch habe ich alles aufgesogen, was es gab, egal ob von Premiere, DSF oder aus dem Videotext.

SPOX: Kennen Sie Nowitzki überhaupt persönlich?

Lischka: Leider nicht. Immerhin habe ich ihn schon einmal bei einem NBA-Spiel gesehen. Zu meinem 18. Geburtstag bekam ich von meinem Vater einen Trip nach Texas geschenkt, um dort der Baylor University, die mir ein Stipendium anbieten wollte, einen Besuch abzustatten. Die Gelegenheit haben wir genutzt, um einmal zu den San Antonio Spurs und einmal zu den Mavericks zu fahren. Eine geile Erfahrung.

SPOX: Sie hätten eine College-Ausbildung genießen und hin und wieder die Mavericks besuchen können. Warum haben Sie Baylor abgesagt?

Lischka: Ich habe es in Erwägung gezogen, am Ende blieb ich jedoch lieber in meiner gewohnten Umgebung in Gießen. Dort konnte ich mit dem BBL-Team trainieren und wurde beim Farmteam Lich in der 2. Liga eingesetzt. Damals erschien es mir wie die perfekte Konstellation.

SPOX: Ihnen gelang in Gießen auch der BBL-Durchbruch. 2010 kam es allerdings zur hässlichen Trennung von Ihrem langjährigen Klub. Ein Grund dafür: Ihr Vater sorgte für einen beispiellosen Eklat, als er sich nach einem Spiel in die Pressekonferenz schlich, um sich dort als Journalist auszugeben und Ihrem Trainer Vladimir Bogojevic eine kritische Frage zu stellen. Wie haben Sie die Ereignisse in Erinnerung?

Vater Lischka vs. Bogojevic: Hier geht's zum Video!

Lischka: Die ganze Saison lief für mich persönlich richtig mies, weil ich nach einer langen Pause wegen eines Handbruchs von Bogojeivc kaum mehr eingesetzt wurde. Das machte mich traurig und mein Vater konnte es nicht ertragen, sein Kind so leiden zu sehen. Aber was er dann abzog, ging gar nicht. In dem Moment ist er offenbar ausgetickt. Ohne sich mit mir abzusprechen, ging er in die Pressekonferenz. Die von ihm gestellte Frage, ob Bogojevic denn die Mannschaft erreichen würde, war für sich genommen richtig. Nur: Mein Vater war die absolut falsche Person, um Bogojevic das zu fragen. Das fiel alles auf mich zurück, obwohl ich nichts davon wusste.

SPOX: Waren Sie sauer?

Lischka: Danach hatte ich mit meinem Vater eine sehr schwierige Phase. Es war ein Tiefpunkt für mich, für meinen Vater und für unsere Beziehung.

SPOX: Entschlossen Sie sich wegen dieser unschönen Episode, Ihre Heimatstadt Gießen zu verlassen und im Sommer 2010 nach Ludwigsburg zu wechseln?

Lischka: Nach dieser Saison wollte ich an einem anderen Ort einen Neuanfang. Es war wichtig für meine persönliche Entwicklung, mich von zuhause abzunabeln und weit weg auf eigenen Beinen zu stehen.

SPOX: Wie zeigt sich die neue Selbständigkeit?

Lischka: Zum Beispiel ernähre ich mich viel gesünder. Ich habe vor dieser Saison den Entschluss gefasst, mehr auf den Körper zu achten. So habe ich acht Kilogramm abgenommen.

SPOX: Haben Sie Tipps?

Lischka: Früher haute ich mir abends noch Kohlenhydrate rein oder war gelegentlich bei McDonald's. Ich musste akzeptieren, dass das nicht geht, wenn ich den größtmöglichen Erfolg haben möchte. Die Amerikaner im Team haben immer einen Sixpack, egal wie viel sie futtern. Ich im Gegensatz bin leider so anfällig für Extrapfunde, dass ich ein richtiger Fettsack werden würde, wenn ich keinen Leistungssport treibe.

SPOX: Welche Rolle spielte Ihr neues Gewicht bei der Entscheidung, zu dieser Saison von der Power-Forward- auf die Small-Forward-Position zu wechseln?

Lischka: Noch vor einigen Jahren sah es so aus, als ob ich mich als Power Forward spezialisiere. Doch durch das neue Gewicht kann ich meine Stärken besser ausspielen. Früher wäre ich als Small Forward wegen der fehlenden Schnelligkeit vielleicht entblößt worden. So kann ich beides verbinden: In der Offense bin ich ohnehin meistens im Vorteil, weil ich im Low Post einfach durch meine Masse und Stärke den Gegenspieler dominieren kann. In der Defense wiederum laufen mir die flinken Small Forwards nicht einfach so davon.

SPOX: Bleiben Sie nicht dennoch wie Ademola Okulaja oder Elias Harris ein Tweener? Einer, der mit 2,03 Metern zu klein ist als Power Forward und zu langsam als Small Forward?

Lischka: Ich weiß, dass ich in die Tweener-Schublade falle, trotzdem bin ich zuversichtlich: Ich spezialisiere mich als Small Forward und nehme dafür viel Anschauungsunterricht bei den Besten auf dieser Position. Paul Pierce und Danilo Gallinari gefallen mir am meisten, weil sie wie ich nicht zu den Allerschnellsten gehören und dennoch mit Ihrer Vielseitigkeit sehr wertvoll sind.

SPOX: Zu Ihren besonderen Qualitäten gehört das Rebounding. Kein Deutscher hat wohl so ein Gespür wie Sie. Woher kommt es?

Lischka: Wenn ein Wurf losgelassen wird, habe ich irgendwie im Gefühl, wie der Ball fliegt, in welchem Winkel er das Brett trifft und wo er runterkommt. Ich glaube: Entweder hat man den Instinkt oder man hat ihn nicht. Ich stopfe ganze gerne, aber mit dem geilen Gefühl, wenn ich über zwei Gegenspieler hinweg einen derben Rebound abgreife, kann kein Dunk mithalten.

SPOX: Ein Spielertypus wie Sie ist die Ausnahme im deutschen Basketball. Warum wurden Sie seit langem nicht für die Nationalmannschaft berücksichtigt? Im Sommer waren Sie mit rund 14 Punkten im Schnitt bereits der Topscorer der A 2, als diese an der Universiade in Chile teilnahm.

Lischka: Seit der EM 2009, als ich in der Vorbereitung dem Cut zu Opfer fiel, hatte ich keinen richtigen Kontakt mehr zu Herrn Bauermann, was ich sehr schade fand. Vielleicht bietet sich eine Chance, wenn der neue Bundestrainer feststeht. Solange denke ich überhaupt nicht an den DBB, sondern nur an Ludwigsburg und wie wir uns aus dem Tabellenkeller befreien können. Es kann nicht sein, dass wir mit einer so gut besetzten Mannschaft auf dem 16. Platz liegen.

SPOX: Ludwigsburgs Hauptsponsor "EnBW" steigt nach der Saison aus, so dass Ihr Klub vor einer ungewissen Zukunft steht. Wie beeinflusst das Ihren Karriereplan?

Lischka: Der nächste logische Schritt für mich wäre, zu einem Klub zu wechseln, der europäisch spielt. Euroleague würde zu früh kommen, Eurocup oder EuroChallenge hingegen traue ich mir zu. Andererseits klingt es reizvoll, in Ludwigsburg einen Neuanfang einzuleiten. Wenn um mich herum eine Mannschaft aufgebaut wird und ich Stats produzieren kann, könnte ich auch auf Gehalt verzichten. Mal schauen.

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