Robin Benzing der Matchwinner gegen Italien

Benzing: Die multidimensionale Spinne

Von Für SPOX in Siauliai: Haruka Gruber
Freitag, 02.09.2011 | 10:32 Uhr
Robin Benzing (Nummer 4) beim Jubeln: Er war einer der Matchwinner gegen Italien
© Imago
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Nach einer miserablen WM 2010 und dem Verpassen der NBA rechnete kaum jemand mit Robin Benzing. Beim wichtigen 76:62-Erfolg über Italien bewies er aber, warum er sogar mit Danilo Gallinari verglichen wird. Gegen Frankreich erwartet ihn die nächste Herausforderung (19.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Nur gut, dass das Parodieren Prominenter nichts über die Leistungsfähigkeit eines Basketballers aussagt. Einige Stunden vor dem EM-Start gegen Israel hatte der DBB ins Teamhotel zur ersten Interviewrunde geladen.

Mit Robin Benzing, der von den Mannschaftskollegen als Mutprobe den undankbaren Auftrag bekam, vor den Journalisten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nachzumachen - was wiederum die nicht vorbereiteten Medienvertreter sichtlich verwunderte.

Denn dass ausgerechnet jener Spieler, der nach einer schwachen WM 2010 eines der Gesichter des Vorrunden-Ausscheidens war und kritisiert wurde, gleich zum Auftakt der EM einen derartigen Auftritt hinlegt, erwartete niemand.

Vielmehr rechnete man mit einem zurückhaltenden, womöglich sogar etwas eingeschüchterten 22-Jährigen, der ein Jahr zuvor noch den Eindruck machte, bei aller Begabung mit den Anforderungen des Profi-Basketballs überfordert zu sein.

Benzing: Sieg über "feisty" Italiener

Doch das Gegenteil war der Fall: Genüsslich zelebrierte Benzing seinen Auftritt vor der Presse, obwohl seine Parodier-Künste Nachhilfe bedürfen. Mit der gleichen Selbstsicherheit, aber in der Rolle des Basketballers, überzeugte er gegen Israel - und im zweiten Vorrunden-Spiel gegen die wesentlich höher einzustufenden Italiener.

Die Höhe des 76:62-Erfolgs gibt nur ungenügend wieder, wie knapp es zwischen beiden Mannschaften zuging. Italien spielte "feisty", wie es Benzing in Englisch ausdrückte. Kratzbürstig, schmutzig, mit allen Tricks der Sportart.

Dass die von der internationalen Konkurrenz als zu weich gebrandmarkten Deutschen dennoch siegreich blieben und mit einem weiteren Erfolg gegen Frankreich den Einzug in die Zwischenrunde nahezu sicher haben, war zu einem Großteil Benzing zu verdanken.

Dirk Nowitzki traf mit 21 Punkten besser als alle anderen und Superstar-Kollege Chris Kaman griff sich phänomenale 17 Rebounds. Benzing war es aber, dem Mitte des letzten Viertels mit einem Dreier aus der Ecke und einem Korbleger mit die wichtigsten Körbe der Partie gelangen. Seine 14 Punkte und 6 von 9 verwandelten Würfe sind Beweis seiner Weiterentwicklung.

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Hamann unterlaufen 6 Turnover

"Ich wollte einfach nur die Sachen machen, die ich kann. Mal ist es der Wurf von außen, mal der Drive in die Zone. Ich bin hier, um Verantwortung zu übernehmen", sagte der 22-Jährige.

Das DBB-Team hatte dies auch nötig. Denn Kaman rieb sich nach guter Anfangsphase im Eins-gegen-eins mit Andrea Bargnani auf und warf irgendwann so schlecht wie sein Kontrahent. Hinzu kam, dass ihn die Italiener durch zahlreiche Pick'N'Roll-Spielzüge dazu zwangen, einen kleinen und leichtfüßigen Gegenspieler zu verteidigen.

Point Guard und Kapitän Steffen Hamann wiederum schmerzt nach wie vor der Rücken, was seine teils haarsträubenden Ballverluste erklärt. Ähnlich mühsam gestaltete sich der Spielaufbau von Philipp Schwethelm, dem die Italiener mit einem aggressiven Pressing die Luft nahmen, weswegen andere hervortreten mussten.

Benzing, Schaffartzik und Herber entlasten Nowitzki

Etwa Heiko Schaffartzik, der hinter Nowitzki am längsten eingesetzt wurde und sich für alles verantwortlich zeichnete, was auf den kleinen Positionen gefragt ist: Er brachte den Ball nach vorne, lenkte fast fehlerfrei das Spiel (5 Assists, 1 Turnover), warf von außen und zog mutig zum Korb. "Was er abgeliefert hat, war vom Allerfeinsten", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann.

Johannes Herber hatte mit dem entscheidenden Dreier zum 67:60 ebenfalls seinen Anteil.

Die Geschichte des Abends schrieb jedoch Benzing. Ein Grund dafür war auch das besondere Aufeinandertreffen mit Danilo Gallinari. Seines Zeichens kommender NBA-All-Star, Hoffnungsträger der Denver Nuggets und der italienischen Nation.

Empfindlich auf Kritik

Bauermann sorgte vor dem Duell der Small Forwards für Erstaunen, als er kund tat, dass Benzing "ähnlich viel Potenzial" besitzt wie Gallinari, nur dass dieser drei Jahre älter und daher im Vorsprung sei.

Mutige Worte, die nach den denkwürdigen 40 Minuten aber nachvollziehbar sind. Beide messen stattliche 2,08 Meter, beide verfügen über den Touch von außen und für Spieler dieser Länge über ein gutes Ballhandling. Gallinari jedoch ist dank seiner Physis der wesentlich bessere Rebounder, was 11 Bretter beweisen. Benzing, der wegen den dünnen Ärmchen Spinne genannt wird, holte nur einen Rebound.

Diese körperlichen Unzulänglichkeiten, die fehlende Athletik und die nicht vorhandenen Muskeln mahnte Bauermann bereits letzten Sommer an. Damals wollten Benzing und seine Berater nicht darauf hören. Getragen vom Traum der NBA vernachlässigten sie das Krafttraining - und reagierten empfindlich auf die Mahner, obwohl diese sich durch die miserable WM 2010 bestätigt sahen.

Aus dem NBA-Kandidaten Benzing wurde ein gehypter Spätpubertierender, dem vermeintlich die Reife und der Fleiß für eine große Karriere abgehen. Nach einer Phase der Verleugnung entschloss er sich jedoch zu einer Neubesinnung.

Sommer voll mit Training

Er bat Bauermann darum, gemeinsam einen individuellen Trainingsplan zu erstellen, um die körperlichen Defizite aufzuholen. Nach dem Ende der BBL-Saison, die er als bester deutscher Scorer abschloss, arbeitete er drei Wochen selbstständig an seinen Grundlagen.

Als Zwischenziel wurde das Eurocamp eingeplant. Jenes Turnier im italienischen Treviso, zu dem etliche NBA-Scouts reisen, um sich ein Urteil über die größten europäischen Talente zu bilden. Benzing zeigte durchwachsene Leistungen. Dass er an einer Fingerverletzung litt, wie es aus seinem Unfeld heißt, verriet er nicht.

Gleich im Anschluss, nachdem beim NBA-Draft sein Name erwartungsgemäß nicht aufgerufen wurde, setzte er sein Training unbeirrt fort und stieg in den DBB-Vorbereitungslehrgang auf Gran Canaria ein. Was zwölf Monate zuvor undenkbar war, trat ein: Er hatte einen der besten Fitnesswerte im Team.

Nächste Herausforderung: Frankreich

"Im letzten Sommer ist einiges schief gegangen. Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich das erlebt habe", sagt Benzing rückblickend. Wer Reue heraushört, liegt richtig: "Ich habe aus den Fehlern gelernt und vieles besser gemacht."

Bauermann erklärt es konkret: "Robin ist mehrdimensional geworden. Er schießt nicht nur von außen, sondern zieht auch zum Korb. Mittlerweile spielt er auch mit einem besseren Tempo und lässt den Dingen mehr Zeit."

Eine entsprechend große Bedeutung kommt Benzing im dritten EM-Spiel zu, wenn der Gegner Frankreich heißt. Italien hat drei NBA-Spieler, Frankreich gleich fünf, einer davon heißt Tony Parker (San Antonio Spurs) und führt mit 26,0 Punkten die Scorer-Liste der EM an.

"Die Franzosen werden ein harter Brocken. Sie sind sehr schnell, sehr athletisch. Wir werden sehen müssen, ob wir fit und spritzig genug sind, mitzuhalten", sagt Bauermann. "Aber auch wenn Frankreich Tony Parker hat: Wenn es hintenraus knapp wird, besitzen wir gute Karten." Eine der guten Karten hört auf den Namen Robin Benzing.

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