Die fünf Fragen vor der Zwischenrunde

Das Rätsel Chris Kaman

Von Haruka Gruber
Dienstag, 06.09.2011 | 23:36 Uhr
Center Chris Kaman (r.) ist der beste Rebounder der EM
© Getty
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Spanien, Türkei, Litauen: Für das DBB-Team geht es in den nächsten Tagen hoch her, um das Viertelfinale zu erreichen. Die Offense hakt und Chris Kaman schwankt - aber es gibt auch Hoffnung. Die fünf brennenden Fragen vor dem Beginn der EM-Zwischenrunde gegen Spanien (Mi., 14.15 Uhr im LIVE-TICKER).

1. Wie stark ist Chris Kaman tatsächlich?

Es gehörte zu den definierenden Momenten bei der Niederlage gegen Serbien: Deutschland kam kurz vor der Pause heran und schien im Vorteil begriffen, als eine Aktion all dies zunichte machte: Chris Kamans Mitteldistanz-Wurf klatscht nur an den Ring, die Serben laufen den Break, seinem Gegenspieler Kosta Perovic gelingt ein Drei-Punktspiel. Statt 28:33 hieß es 26:36.

Recht schlau wird man nicht aus Kaman, dem talentiertesten und körperlich dominantesten Center der EM. In der Verteidigung ist er von wenigen Ausnahmen abgesehen ein Ausbund an Kraft und Hilfsbereitschaft. Dass sich das DBB-Team bei der EM die meisten Defensiv-Rebounds (30,4) abgreift und am fünfthäufigsten blockt (2,6), ist vor allem ihm zu verdanken. Mit 10,0 Rebounds führt Kaman die Statistik aller Spieler an.

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Doch so emsig er in der Verteidigung aushilft - in der Offensive geht ihm die Verlässlichkeit ab. Schwächere Teams (Israel, Lettland) kann er beherrschen, gegen Frankreich und Serbien war es jedoch augenscheinlich, dass diese sich auf die Anspiele zu ihm in den Post sowie seine folgenden Spinmoves an der Grundlinie eingestellt haben.

Bleiben ihm nur die Jumper aus der Midrange, die aber nicht konstant fallen. Sinnbildlich auch, wie sehr er sich von der Freiwurf-Linie abmüht (53,3 Prozent), in der Vorbereitung und auch in der NBA bewegt sich die Quote bei 75 Prozent. Seine teils drastischen Formschwankungen innerhalb einer Partie dokumentierte das Italien-Spiel: Nach einem guten ersten Viertel enttäuschte er im zweiten und dritten, bevor er im vierten Abschnitt wieder das Geschehen prägte.

Eine Erklärung für die Ausschläge zu finden ist schwierig. Anders als noch im Olympia-Jahr 2008 betonen alle Beteiligten, dass sich Kaman körperlich in optimaler Verfassung befindet. Entsprechend wichtig wird das Duell von ihm und Nowitzki gegen die spanischen Gasol-Brüder: Nur mit einem Kaman in Bestform hat das DBB-Team Aussicht auf einen Sieg über den Gold-Favoriten Spanien.

2. Was ist das Problem in der Offensive?

Vor der EM hatte Bundestrainer Dirk Bauermann noch erklärt, dass der größte Fokus seines Teams auf der Verteidigung zu liegen habe, denn "genug Punkte, um zu gewinnen, machen wir immer".

Bisher erwies sich das als Irrtum: Die Dreierquote etwa ist außerordentlich gut und mit 41,4 Prozent die zweitbeste des Turniers - doch wenn man unter allen 24 Mannschaften bei den genommenen Würfen nur auf Rang 19 liegt (56,2 im Schnitt), helfen auch die sichersten Schützen nur bedingt.

Dass Deutschland so selten wirft, liegt an verschiedenen Faktoren: Das schwache Offensivrebounding (nicht mal in den Top 20), das mangelnde Passspiel (nur 17. mit 13,2 Assists), das seltene Ziehen in die Zone. Bauermann gab seinen Spielern das Ziel aus, die meisten Freiwürfe aller EM-Teams zugesprochen zu bekommen - nach der Vorrunde finden diese sich aber als 12. (20,2 im Schnitt) nur im Mittelfeld wieder. Ein Indiz für fehlende Aggressvität.

"Diese Statistiken lügen nicht. Wir müssen als Mannschaft vor allem besser offensiv rebounden. Sonst kommt man nie zu Extra-Ballbesitz", sagt Bauermann. Sven Schultze bestätigt, dass die Setplays zu gemächlich vonstatten gehen: "Bei den Siegen gegen Israel und Italien ist der Ball gut gelaufen und alle waren involviert. Zuletzt waren wir aber zu statisch, wenn es darauf ankam. Statt sich als Mannschaft zu finden, haben wir uns zu sehr darauf fokussiert, den Ball irgendwie zu Dirk und Chris zu bekommen."

3. Warum sind die gegnerischen Guards so gefährlich?

Zugegeben, mit Tony Parker und Milos Teodosic mussten sich die Deutschen bereits in der Vorrunde mit den beiden besten Point Guards des Kontinents auseinandersetzen und wurden entsprechend vorgeführt.

Parker brachte die deutsche Abwehr mit seiner Mischung aus Drives und Distanzwürfen um den Verstand, Teodosic verwirrte sie mit seinen anmutigen Pässen. Bei aller individuellen Unterlegenheit stachen bei der deutschen Mannschaft jedoch auch die Defizite im Verteidigen des gegnerischen Pick'N'Rolls (Block stellen und abrollen), bzw. Pick'N'Pops (Block stellen und sofort schießen) ins Auge. "Wir lösen das einfach nicht gut", sagt Heiko Schaffartzik.

Besonders auffällig war dies gegen Serbien. Immer wieder stellte Dusko Savanovic für Teodosic einen Block, die Deutschen achteten daraufhin nur auf den Spielmacher, wodurch Savanovic wiederholt zu offenen Würfen kam (4/4 Dreier). Mit einer gegnerischen Dreier-Quote von 35,5 Prozent liegt das DBB-Team bei der EM nur auf Platz 17.

Und: Als wenig hilfreich beim Stoppen des gegnerischen Guards erweist sich, dass es höchst selten gelingt, einen Ball zu klauen. Bei den Steals ist Deutschland nicht einmal unter den besten 20 zu finden.

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4. Ist Schaffartzik die ersehnte dritte Option?

Ja. Nach der Niederlage gegen Serbien erklärte Schaffartzik das Besondere am gegnerischen Spielmacher Milos Teodosic: "Sorry für die Wortwahl, aber Teodosic ist alles scheißegal." Mit Verlaub: Auch Schaffartzik verfügt über jene Attitüde, die aus normalen Sportlern Gewinner macht. "Er ist einfach verrückt", sagt Tibor Pleiß.

Mit 1,84 Metern ist er im internationalen Wettstreit mindestens 10 Zentimeter zu klein für die Shooting-Guard-Position, doch Schaffartzik gleicht dies mit viel Herz und neuerdings auch einer erstaunlichen Beständigkeit aus. In allen fünf Vorrunden-Spielen traf er zweistellig, außerdem ist er mit 4,6 Assists achtbester Vorlagengeber der EM bei nur 1,0 Turnover.

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Herausragend bleibt seine Nervenstärke: Die Freiwurfquote von 92,9 Prozent ist ein Indiz, die Vorstellung gegen Lettland eine Demonstration dessen. 38 Minuten lang wollte sein Wurf nicht fallen (0/5 für 0 Punkte), woraufhin er in den letzten 2:07 Minuten 3/3 Dreier und 2/2 Freiwürfe traf und Deutschland vor einer Blamage bewahrte.

Dass Schaffartzik zudem 10 Assists lieferte, sei kein zufälliger Ausreißer, sondern das Resultat einer Unterredung zwischen ihm und Bauermann gewesen. "Ich habe Heiko gesagt, dass er sich in Pick'N'Roll-Situationen anders verhalten muss. Statt zu früh in die Zone zu wollen, hat er nun abgewartet, bis ein großer Mitspieler in die Lücken stößt, die sich zwangsläufig durch Pick'N'Rolls ergeben. Das hat er viel cleverer gemacht als zuvor."

5. Was ist mit den Bankspielern?

Die womöglich kniffligste Problematik für Bauermann. In der Starting Five sind die Aufgaben fest verteilt: Kaman und Nowitzki sollen punkten und rebounden, Schaffartzik den Dreier treffen und Assists geben, Benzing von allem etwas liefern und Hamann den Ball nach vorne tragen und verteidigen.

Bei den Alternativen von der Bank jedoch haben sich noch keine Gesetzmäßigkeiten entwickelt. Die Spielzeiten von Pleiß, Ohlbrecht und Schwethelm variieren je nach Gegner, Spielsituation und eigenem Nervenkostüm. Jagla wäre mit seiner Klasse und Routine wertvoll - doch er selbst hadert zu sehr mit den wenigen Minuten, was Bauermann wiederum missfällt.

Bleiben der strebsame Schultze sowie Staiger, der gegen Lettland seine kurze Einsatzzeit mit zwei Dreiern nutzte und sich als Alternative für Spanien hervortat, um eine Zonenverteidigung des Gegners zu bestrafen.

Beim Vorrunden-Abschluss erinnerte auch Pleiß wieder an das Center-Talent, das ihn in der BBL zum besten Blocker und zum Youngster des Jahres machte. Bauermann: "Ich bin froh, dass es gegen Lettland viele kleine, positive Dinge zu beobachten gab."

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