Dienstag, 02.02.2010

Tim Ohlbrecht im Interview

"Die NBA ist Nebensache"

Tim Ohlbrecht ist zusamnmen mit Heiko Schaffartzik der momentan stärkste deutsche Spieler in der BBL. Mit den Telekom Baskets Bonn läuft es für ihn in dieser Saison richtig gut. Mit durchschnittlich 12,2 Punkten, 4,1 Rebounds und 1,4 Blocks pro Spiel ist der 21-jährige in seiner ersten Saison in Bonn bereits zum Führungsspieler gereift. Für das Allstar-Game in Bonn wurde Ohlbrecht von den Fans in die Starting Five der Süd-Auswahl gewählt - verpasste das Spiel aber wegen einer Erkrankung. Im Interview mit SPOX spricht Ohlbrecht über seine Saisonziele, die deutschen WM-Chancen und NBA-Pläne.

Mit Bamberg wurde Tim Ohlbrecht 2007 deutscher Meister. 2009 wechselte er nach Bonn
© Imago
Mit Bamberg wurde Tim Ohlbrecht 2007 deutscher Meister. 2009 wechselte er nach Bonn

SPOX: Herr Ohlbrecht, Sie haben in dieser Saison in allen Kategorien im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Der Wechsel von Bamberg nach Bonn scheint sich ja ausgezahlt zu haben.

Tim Ohlbrecht: Ich glaube, im letzten Jahr in Bamberg ist einiges anders gelaufen, als ich es mir vorgestellt habe, und zwar nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb des Courts. Deswegen bin ich sehr froh, hier in Bonn zu sein. Hier fühle ich mich sehr wohl. Es passt einfach alles. Angefangen vom Trainer über das Team bis hin zu den Fans und dem gesamten Umfeld. Hier in Bonn ist alles super!

SPOX: Zu diesem Zeitpunkt der Saison haben Sie schon mehr Dreier verwandelt als in Ihrer gesamten BBL-Karriere zuvor. Inwieweit ist Trainer Mike Koch an dieser Entwicklung beteiligt?

Ohlbrecht: Mike Koch hat schon einen großen Anteil daran. Er setzt mich ja auf der Position des Power Forwards ein. Das finde ich sehr gut, weil das eigentlich meine richtige Position ist. In den letzten Jahren konnte ich leider nur Center spielen und da auch nur mit relativ begrenzter Einsatzzeit. Man hat mich in Bamberg nicht so oft spielen lassen, deswegen kamen auch die Würfe leider nicht zu Stande.

SPOX: Für Sie und die Bonner läuft es in dieser Saison richtig gut. Die Erwartungen sind nach zwei Vizemeisterschaften in Folge allerdings sehr hoch. Wie sehen die Ziele aus?

Ohlbrecht: Wir möchten auf jeden Fall so viele Erfolge feiern wie möglich. Wir wollen nicht nur beim Final Four dabei sein, sondern dieses Mal auch den Pokal holen. Natürlich möchten wir nicht noch einmal Vizemeister werden. In diesem Jahr wollen wir endlich auch die Meisterschaft gewinnen. Ich denke, unsere Chancen stehen nicht schlecht. Wir haben eine starke Mannschaft, und die Teamchemie innerhalb unserer Truppe ist wirklich gut.

SPOX: Vor gut zwei Jahren schaffte Marcin Gortat als Big Man den Sprung aus der BBL in die NBA, nachdem er deutscher Meister geworden war. Ist die NBA auch für Sie weiterhin ein Ziel?

Ohlbrecht: Über die NBA denke ich im Moment gar nicht nach. Ich habe einen Zweijahresvertrag hier in Bonn, den ich erfüllen möchte. Ich fühle mich hier wahnsinnig wohl und würde nach der gewonnenen Meisterschaft in Bamberg auch gerne mit den Bonnern Meister werden. Die Entscheidung darüber, ob ich in die NBA gehe, ist momentan Nebensache.

SPOX: Der DBB wurde mit einer Wildcard für die WM 2010 in der Türkei ausgestattet. Sie werden wohl erneut dabei sein. Die deutsche Mannschaft muss gegen den Weltranglistenersten Argentinien, den Vizeeuropameister Serbien, Jordanien, Australien und Angola antreten. Sehen Sie Chancen aufs Achtelfinale?

Ohlbrecht: Ich denke schon, dass wir das Achtelfinale erreichen können. Ich weiß im Moment nicht, ob Dirk Nowitzki und Chris Kaman im Sommer dabei sein werden. Von ihrer Teilnahme hängt natürlich ab, wie erfolgreich die Mannschaft sein wird. Aber auch wenn die Mannschaft ohne Dirk und Chris spielt, haben wir gute Chancen. Mit der jungen Mannschaft konnten wir schon im letzten Jahr Erfahrungen sammeln. Es wird also dann das zweite Jahr sein, in dem die jungen Spieler dabei sind. Das Team wird sich dann immer besser formen, glaube ich.

SPOX: Ohne Dirk Nowitzki hat sich die Nationalmannschaft bei der EM in Polen sehr gut geschlagen. Inwiefern hat sich die Mannschaft ohne ihn weiterentwickelt?

Ohlbrecht: Gerade die jungen Spieler haben natürlich viel dazugelernt. Insgesamt hat sich die Verantwortung auf das gesamte Team verteilt. Das Spiel ist nicht nur auf einen Spieler fixiert gewesen. Jeder Spieler hat mal seine Punkte gemacht und dazu beigetragen, dass wir als Mannschaft erfolgreich waren und unsere Spiele gewonnen haben. Ich glaube, wir haben es insgesamt ganz gut kompensiert, dass Dirk nicht mit dabei war. Zwar haben wir nicht den Erfolg gehabt, den man sich erwünscht hatte, aber wir haben eine Menge dazu gelernt.

Bilder des Tages, 2. Februar
Can you touch your toes? - Fitnessübungen zur Unterhaltung der Zuschauer betreiben die Denver Nugget Dancers beim NBA-Spiel der Nuggets gegen die Kings aus Sacramento
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Und Denvers Ty Lawson geht sogar noch einen Schritt weiter: Aufwärmübungen gepaart mit Ballspielen. Dieses Multitasking wurde dann auch mit dem Sieg belohnt
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"So leicht entkommst du mir nicht!" - Carolinas Andrew Alberts (r.) hindert Edmontons Alex Plante am Weiterlaufen. Geholfen hats nicht, die Oilers siegten am Ende 4:2
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"Sind wir hier beim Golf oder auf einer Flugshow?" fragt sich Ryuji Imada während der Farmers Insurance Open in La Jolla, Kalifornien
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Dieser junge Mann läuft mit voller Absicht über glühende Kohlen. Denn er ist ein Tough Guy und Teilnehmer des gleichnamigen Rennens in Telford, England
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Auch das hier ist ein Tough-Guy-Teilnehmer. Neben Feuer ist nämlich Schlamm ein integraler Bestandteil des Männlichkeitsbeweises in England
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SPOX: In den letzten Wochen und Monaten wurde immer wieder bemängelt, dass deutsche Spieler nicht genug Einsatzzeit in der BBL bekommen. Nun soll die Quote, die aktuell bei unter 19 Prozent liegt, bis 2012 auf 30 Prozent angehoben werden. In Polen etwa müssen immer zwei Einheimische auf dem Feld stehen.

Ohlbrecht: Ich fände es schon gut, wenn ein deutscher Spieler immer auf dem Feld stehen müsste. Es gibt viele Teams, die ihre jungen Spieler auf der Bank versauern lassen. Wenn die Amerikaner 40 Minuten auf dem Feld stehen, kann man keine höhere Quote erreichen. Deshalb sollte immer mindestens ein Deutscher auf dem Feld sein - auf zwei Spieler könnte man das Ganze dann immer noch erhöhen - zusätzlich noch mindestens vier auf der Bank. Wenn das klappt, wäre das meiner Meinung nach schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

SPOX: Was müsste sich aus Ihrer Sicht in Zukunft ändern, um mehr Jugendliche in Deutschland für Basketball zu begeistern?

Ohlbrecht: Ich glaube, wir sind im Moment auf einem guten Weg. Basketball wird in den Medien wieder populärer. Seit dieser Saison kann man die Spiele wieder im Free-TV sehen. Auch im Internet wird der Sport immer beliebter. Außerdem gibt es viele Camps und andere Möglichkeiten, die Jugendlichen für den Basketballsport zu begeistern. Ich glaube, im Moment werden viele Jugendliche darauf aufmerksam, dass Basketball ein recht schöner Sport ist. Ich fände es gut, wenn das noch weiter ausgebaut würde, sodass mehr Leute zuschauen, noch mehr Spaß am Basketball haben und natürlich auch zu den Vereinen gehen und spielen wollen.

SPOX: Was passiert mit dem Basketball in Deutschland nach Nowitzki?

Ohlbrecht: Ich denke schon, dass es auch nach Dirk Nowitzkis Zeit mit dem Basketball weiter nach vorne gehen wird. Natürlich ist Dirk in der NBA und in den Medien wahnsinnig präsent und pusht alles, was mit Basketball zu tun hat. Ich glaube, dass Dirk noch eine Weile spielen und dann nach seiner aktiven Zeit alles so gefestigt sein wird, dass man Dirk in der NBA als Aushängeschild nicht mehr unbedingt braucht.

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