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Rudern: Oliver Zeidler erster Einer-Europameister seit 1973

SID
Oliver Zeidler ist der erste deutsche Einer-Europameister seit 1973.
© imago

Ruder-Newcomer Oliver Zeidler hat als erster Deutscher seit Peter-Michael Kolbe 1973 EM-Gold im traditionsreichen Einer gewonnen. Der 22 Jahre alte Ingolstädter setzte sich in Luzern in 6:47,32 Minuten dank eines starken Schlussspurts knapp vor dem Niederländer Stef Broenink (6:47,51) durch. Bronze ging an Pilip Pawuku (6:47,72) aus Weißrussland.

"Auf den letzten Metern war ich ziemlich im Tunnel. Ich wusste: Wenn ich jetzt noch 30 Schläge durchziehe, kann ich die noch holen. Es hat Gott sei dank geklappt", sagte Zeidler, der in die Fußstapfen seines Großvaters Hans-Johann Färber trat, der 1972 Vierer-Olympiasieger geworden war: "Als ich Kind war, hat er mir eine Medaille geschenkt, die er vor genau 50 Jahren hier am Rotsee gewonnen hat. Jetzt schließt sich der Kreis, jetzt habe ich auch gewonnen."

Zeidler war erst vor drei Jahren vom Schwimmen zum Rudern gewechselt, ein Jahr vor Olympia in Tokio stieß er gleich bei seinem EM-Debüt in die Weltspitze vor.

Nach Siegen in allen drei vorherigen Läufen übernahm er auch im Finale gleich die Führung, fiel nach 1500 der 2000 m aber auf Rang zwei zurück. Auf den letzten Metern hatte der 2,03 m große Modellathlet dann die größten Reserven.

"Ich habe Oli gar nicht kommen sehen", gab Broenink zu. Der fünfmalige Weltmeister Ondrej Synek (Tschechien) musste sich auf dem Rotsee mit Rang sechs begnügen. Welt- und Europameister Kjetil Borch (Norwegen) war bereits im Halbfinale gescheitert.

Zeidler war bis 2016 noch Schwimmer

Zeidler war bis 2016 noch erfolgreicher Schwimmer, gewann mehrere DM-Titel und 2014 mit der Staffel sogar Silber bei der Junioren-EM.

Dann aber sattelte er um und folgte dem Vorbild seines Großvaters und seiner Tante Judith Zeidler, die beide Ruder-Olympiasieger geworden waren. Bei der WM 2018 in Plowdiw setzte er mit Rang sechs ein erstes Ausrufezeichen.

Längst gilt Zeidler im Einer, wo einst prominente Namen wie Kolbe, Thomas Lange oder Marcel Hacker für Schlagzeilen sorgten, als größtes Versprechen. Der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer bezeichnete seinen Schützling bereits als "Sechser im Lotto".

Nun trat Zeidler in die Fußstapfen von Kolbe, der vor 46 Jahren in Moskau Gold geholt hatte. Von 1974 bis 2006 waren allerdings keine EM-Titel ausgefahren worden.

Deutschland-Achter triumphiert erneut

Derweil hat der Deutschland-Achter zum siebten Mal in Folge EM-Gold gewonnen. Das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) verwies im Finale der Titelkämpfe in Luzern Olympiasieger Großbritannien mit einer halben Bootslänge Vorsprung auf Platz zwei und bleibt seit Rio 2016 in Finalrennen ungeschlagen. Bronze ging an den Olympiadritten Niederlande.

Das deutsche "Traumschiff" veredelte mit dem hart erkämpften Sieg die erstklassige DRV-Bilanz mit fünf Gold- und einer Bronzemedaille in den 14 olympischen Klassen.

Ein Jahr vor Tokio 2020 holten zudem der Doppelzweier und Doppelvierer der Frauen sowie der Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer den Titel. Fünfmal EM-Gold hatte der DRV zuletzt 2010 im portugiesischen Montemor verbucht.

Der Deutschland-Achter erwischte auf dem Rotsee einen schwierigen Start und lag sowohl nach 500 m als auch zur "Halbzeit" bei 1000 m knapp hinter Großbritannien. Am Ende reichte es aber zum Sieg.

Insgesamt war der DRV bei der gut besetzten EM in Luzern in sieben olympischen Finals vertreten, der Vierer ohne Steuermann holte Bronze. Vor einem Jahr in Glasgow hatte der Achter mit Gold für die einzige deutsche EM-Medaille gesorgt, nun stehen die Vorzeichen auch mit Blick auf die WM in Linz/Österreich (25. August bis 1. September) deutlich besser.

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