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Gegenwind für Kasper: IOC distanziert sich, Funktionäre kritisieren

SID
Gian Franco Kasper

Die fragwürdigen Aussagen von FIS-Präsident Gian Franco Kasper zu Olympischen Winterspielen in Diktaturen haben für großes Unverständnis gesorgt. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) distanzierte sich in diesem Punkt von seinem Ehrenmitglied.

"Das ist die persönliche Meinung von Gian Franco Kasper, die vom IOC nicht geteilt wird", sagte ein IOC-Sprecher auf Anfrage.

Kasper hatte in einem Interview mit dem Schweizer Tages-Anzeiger und der Basler Zeitung am Rande der alpinen Ski-WM im schwedischen Are über sportliche Großereignisse gesagt: "Es ist nun einmal so, dass es für uns in Diktaturen einfacher ist. Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten."

Diktaturen könnten "solche Veranstaltungen mit links durchführen, die müssen nicht das Volk befragen", sagte der 75 Jahre alte Kasper: "Es geht um den Sport. Wo er stattfindet, ist in gewisser Weise sekundär."

IOC-Präsident Thomas Bach reagiert

Solche Aussagen stehen konträr zur von IOC-Präsident Thomas Bach forcierten Agenda 2020, durch die dem Gigantismus von Olympischen Spielen Einhalt geboten und das Vertrauen bei den Sportfans zurückgewonnen werden soll. Das IOC wies in der Diktaturen-Debatte auf die erfolgreichen Winterspiele 2018 in Pyeongchang und die Auswahl für 2026 zwischen Mailand und Stockholm hin.

Auch Kaspers Zweifel an der globalen Erderwärmung ("Wir haben Schnee, zum Teil sehr viel") wollte das IOC nicht unkommentiert lassen. Die Nachhaltigkeit und der Klima-Wandel seien zentrale Punkte der Arbeit im IOC, betonte der Sprecher.

Schwab fordert Umkehr vom Gigantismus

Auch deutsche Sportfunktionäre ärgerten sich über Kaspers Aussagen. "Mich hat mehr als nur erstaunt, was ich da gelesen habe. So funktioniert die Welt nicht, die Sportwelt schon mal gar nicht. Wir müssen andere Wege finden, als die Demokratie auszuschließen", sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), dem SID.

Auch Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender und Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), kritisierte die Aussagen des Chefs des Ski-Weltverbandes. "Als Sportfunktionär kann er so etwas nicht sagen, denn dann macht er den Sport eher kaputt", sagte Schwab dem SID: "Ich bin überhaupt nicht seiner Meinung. Olympia sollte man zeitgemäß veranstalten und nicht irgendwo aus dem Boden stampfen."

Schwab forderte eine noch konsequentere Umkehr vom Gigantismus: "Wir müssen den olympischen Gedanken neu durchspielen und die Konzepte anpassen. Das ist längst überfällig." Auch Reindl meinte: "Wenn das Produkt nicht mehr angenommen wird, muss man es anpassen. Man kann nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand."

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