World Series of Poker: Lester "Benny" Binion im Porträt

Ein Ass mit Gangster-Attitüde

Montag, 31.10.2016 | 17:34 Uhr
Lester "Benny" Binion gilt als Pionnier der World Series of Poker
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Seit dem 30. Oktober wird der Finaltisch der World Series of Poker 2016 ausgespielt. Das Event ist das prestigeträchtigste seiner Art und geht auf Lester "Benny" Binion zurück. Ein Mann, der sich zum Glückspielkönig von Las Vegas krönte, dem Poker zu seiner heutigen Beliebtheit verhalf - und - der ein skrupelloser Mörder war.

Poker - das stand einmal für Betrug und Falschspiel. Für Kartenhaie, die ihre Gegner mit miesen Tricks um ihr verdientes Geld brachten. Kurzum: Poker stand für den verruchten Untergrund der Gesellschaft. Wer am Schummelspiel teilnahm, hatte nichts Gutes im Sinn.

Auch heute geht es beim Poker zwar ums große Geld. Doch verbindet man das Spiel nicht mehr mit Kriminalität und dem Sumpf der menschlichen Klasse, sondern mit einem Wettbewerb, der im Kern der Gesellschaft angekommen ist.

Ob durch Internet, Fernsehen oder Freunde - fast jeder kennt Begriffe wie "Texas Hold'Em" und "Royal Flush". Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich Poker zum wohl bekanntesten und beliebtesten Kartenspiel überhaupt entwickelt. Die Turniere werden von Jahr zu Jahr größer, Milliarden von Euro umgesetzt.

Für den schnellen Aufschwung war ein Mann verantwortlich, der einer der cleversten Geschäftsmänner war, den die Pokerstadt Las Vegas je gesehen hat, und zeitgleich den Ruf eines skrupellosen Gangsters hatte. "Er war entweder der sanftmütigste Mann oder der schlimmste Kerl überhaupt", beschrieb Thomas Preston den langjährigen Mäzen. Sein Name: Lester Ben "Benny" Binion.

Vom Pferdehändler zum Verbrecher

1904 in einem texanischen Dorf geboren, kam Binion schnell mit dem Glücksspiel in Kontakt. Zu krank und schwach für die Schule ließ ihn sein Vater früh als Pferdehändler arbeiten. "Da sah ich, wie all die Farmer, Rancher und Trapper ganz wild danach waren, ihre gerade verdienten Dollar beim Glücksspiel wieder auf den Kopf zu hauen", erinnerte sich Binion später.

Nachdem er mit 19 Jahren nach Dallas ging und dort wegen illegaler Schnapsbrennerei verurteilt wurde, kam Binion eine Idee: Warum nicht sein Geld mit der Gewinnsucht anderer Menschen verdienen? Also rief er eine eigene Nachbarschaftslotterie ins Leben. Aus den anfänglichen 50 Dollar waren innerhalb von nur einer Woche 800 Dollar gemacht. Der Start einer aufregenden, steilen Karriere.

In nur wenigen Jahren etablierte der Emporkömmling in mehreren Hotels private Würfelspiele. Die Unsummen an Geld, die dank des Öl-Booms durch Dallas flossen, nutzte Binion, um seinen eigenen Reichtum zu fördern. Mit seinem Besitz, dem Charisma und den Kontakten in die texanische Verbrecherwelt gelang es ihm in den 40er-Jahren, zu einem der mächtigsten Männer der Stadt zu werden.

Nicht verurteilter Mörder

Er schmierte Beamte und Politiker, beeinflusste die Justiz und räumte diejenigen aus dem Weg, die sich ihm in genau diesen stellten. "Niemand, der einen klaren Verstand hatte, legte sich mit Benny an", wusste Pokerspieler Doyle Brunson. Es hieß, dass Binions Feinde häufig verstarben, bevor sie überhaupt etwas sagen konnten.

Manch einer bot ihm trotzdem Paroli - und bekam das teuer zu stehen. Zusammen mit einem Handlanger erschoss der "Cowboy" 1936 den Widersacher Ben Frieden. Um nicht des Mordes verurteilt zu werden, knallte sich Binion anschließend eine Kugel in die eigene Schulter. Bei der Polizei verwies er dann auf Notwehr, die Anklage wurde fallen gelassen. Zwei Jahre später folgte ein ähnliches Szenario, wieder gab es nur eine Bewährungsstrafe.

Aber so mächtig Binion auch war: Als sich Chicagos Mafia in Dallas breit machte, vertrieb es ihn nach Las Vegas. Eine Stadt, die zum damaligen Zeitpunkt eher einem Loch als einer Metropole glich. Und deren Ruf als Mekka der Spielkasinos erst erfunden werden musste. Doch obgleich Las Vegas nicht die Stadt des Glücks war, ein Glücksfall für Binion war sie allemal.

"Good Food. Good Whiskey. Good Gamble."

Zusammen mit seiner Frau Teddy Jane übernahm er in dem 50.000-Seelen-"Dorf" 1951 ein Kasino und taufte es in "Binion's Horseshoe Casino" um. Innerhalb kürzester Zeit baute er den dunklen Schuppen zum größten Spielcenter der Stadt auf.

Der Clou: Binion ließ mit deutlich höheren Einsätzen als die Konkurrenz spielen. Während in anderen Kasinos das Limit bei 50 Dollar lag, konnten die Gäste im Horseshoe 500 Dollar setzen. Auch Wetten in Höhe von einer Millionen Dollar wurden angenommen. Binion erkannte die Gier der Menschen und fütterte sie.

Im wahrsten Sinne des Wortes: Getreu seinem Motto "Good Food. Good Whiskey. Good Gamble." bot er allen Gästen delikate Speisen und Alkohol an, rollte den roten Teppich aus und ließ ausgewählte Besucher mit der Limousine vorfahren. "Wenn du reich werden willst, musst du dafür sorgen, dass sich kleine Leute groß fühlen", erklärte Binion einst sein Erfolgsrezept.

Fünf Jahre Knast

Trotzdem blieb "Benny", der stets eine Waffe bei sich trug, ein durchtriebener Gangster. Nicht selten geschah es, dass ungeliebte Konkurrenten spurlos verschwanden. Immer wieder kam er mit dem Steuergesetz in Konflikt - bis die Staatsanwälte schließlich genug hatten. Binion verlor seine Glücksspiellizenz und wurde 1953 wegen Betrug angeklagt. Das Urteil: fünf Jahre Gefängnis.

Weil die Gerichtskosten in die Höhe schnellten und der gebeutelte Binion zu massiven Steuernachzahlungen verdonnert wurde, war er gezwungen, große Teile seines Horseshoes zu verkaufen.

Doch Binion wäre nicht Binion gewesen, hätte er sich von diesem Rückschlag nicht erholt. Mit all seiner Raffinesse und Abgebrühtheit gelang es ihm einige Jahre später, das Kasino wieder in den Vollbesitz der Familie zurückzubringen. Weil seine Lizenz nach wie vor ungültig war, übernahm Sohn Jack offiziell die Geschäftsführung.

Die World Series of Poker wird geboren

Den Poker-Thron bestieg Las Vegas' Glücksspielkönig aber erst mit einer Erfindung, die ihn noch heute zur Legende macht - und deren Ursprung viele Jahre zurücklag. 1949 nämlich organisierte Binion das legendäre Poker-Duell zwischen Johnny Moss und Nick "The Greek". Es dauerte fünf Monate, lockte tausende Zuschauer an und brachte Binion auf eine Idee, die das Kartenspiel für immer verändern sollte.

Über zwei Jahrzehnte trug er diese Vision mit sich herum. Diese Vision von einem Turnier mit den größten Stars der Szene. 1970 war es dann endlich so weit: Binion lud sieben Spieler in sein Horseshoe ein, der Gewinner der Runde wurde per Wahl bestimmt. Nur ein Jahr später führte man den sogenannten Freeze-Out-Modus ein, für den man sich mit 10.000 Dollar einkaufen konnte. Die World Series of Poker (WSOP) war geboren.

Jahr für Jahr zog das immer prestigeträchtiger werdende Turnier mehr Spieler an. Mit dem Triumph von Chris Moneymaker 2003 rückte das Main-Event der WSOP in neue Sphären vor, im Folgejahr wurde erstmals die Marke von 1.000 Teilnehmern geknackt. Mittlerweile melden sich fast 10.000 Spieler an.

All das hat Binion nicht mehr erlebt. Er verstarb an Weihnachten 1989 im Alter von 85 Jahren an Herzversagen. Kurz darauf wurde der Pionier in die Hall of Fame des Pokers aufgenommen - eine Auszeichnung dafür, dass er das Kartenspiel von seinem schmutzigen Mantel befreit und zu weltweitem Ruhm geführt hat. Und der Beweis, dass ihm die Öffentlichkeit seine Gangster-Attitüde niemals übel genommen hat.

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