Mittwoch, 24.02.2016

Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt gegen ASV Nendingen

Doping: Deutsche Ringer verdächtigt

Zwei positive Doping-Proben, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Hausdurchsuchungen durch LKA-Beamte: Der erste aufsehenerregende Dopingfall nach Einführung des neuen Anti-Doping-Gesetzes betrifft den deutschen Ringer-Mannschaftsmeister ASV Nendingen.

Der ASV Nendingen ist im Visier der Staatsanwaltschaft
© getty
Der ASV Nendingen ist im Visier der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Freiburg führt ein Ermittlungsverfahren gegen Athleten und Verantwortliche des Bundesliga-Klubs von Weltmeister Frank Stäbler wegen "Verdachts des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz". Das gab die Staatsanwaltschaft am Mittwoch bekannt. Die Ermittlungen gehen auf Hinweise der Nationalen Anti Doping Agentur zurück. Es waren die ersten Anzeigen der NADA nach dem neuen Anti-Doping-Gesetz.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Freiburg mehrere Durchsuchungsbeschlüsse, die am 15. und 18. Februar durch Beamte des LKA Baden-Württemberg vollzogen wurden. Die Ermittler des LKA durchsuchten mehrere Wohnungen sowie die Vereinsräumlichkeiten. Bei den Durchsuchungen seien unter anderem Medikamente und Unterlagen sichergestellt worden, die nun ausgewertet würden, teilte die auf Sportstraftaten spezialisierte Staatsanwaltschaft mit.

"Die Hinweise der NADA waren so konkret, dass sie uns veranlasst haben, die Durchsuchungen durchzuführen. Der Anfangsverdacht war nicht vage, sondern sehr konkret", sagte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel dem SID: "Die ersten Durchsuchungen in Wohnungen von Athleten und Vereinsräumlichkeiten brachten dann Hinweise, die zu Durchsuchungen bei weiteren Athleten geführt haben."

Auch sportrechtliche Verfahren anhängig

Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollte weder die Staatsanwaltschaft noch die NADA auf SID-Anfrage Details zu den genauen Hintergründen geben. "Es wird sich nun zeigen, was die Anhörungen ergeben", sagte Mächtel. Vertreter des Vereins waren am Mittwoch zunächst nicht erreichbar.

Auch sportrechtlich sind Verfahren gegen den Verein aus Südschwaben anhängig, die auf Ermittlungen des zuständigen Deutschen Ringer-Bundes zurückgehen. Der ASV gab auf seiner Website bekannt, dass man am Mittwoch durch den DRB offiziell "über einen Dopingverdacht gegen zwei seiner ausländischen Ringer informiert" worden sei.

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Bei beiden Athleten seien bei einer Kontrolle im Januar dieses Jahres im Rahmen des Finales um die deutsche Meisterschaft gegen Germania Weingarten in der Urinprobe Spuren der Substanz Meldonium festgestellt worden. Der seit Jahresbeginn von der Welt-Anti-Doping-Agentur verbotene Wirkstoff, der in Herzmedikamenten enthalten und unter anderem auch schon im Radsport und Biathlon aufgetaucht ist, optimiert die Blutversorgung und erhöht die Ausdauer.

"Man fragt sich schon, wie blöd man sein kann"

"Man fragt sich schon, wie blöd einer sein kann, sich ein Herzmittel reinzudonnern. Für sich muss man das unter Doofheit abhandeln", sagte Markus Scheu, Vorstand Sport des ASV, dem SID: "Wir haben den Schaden und müssen mit dem Schaden leben. Zum Glück ist das nicht gang und gäbe."

"Gegenwärtig warten wir den weiteren Verfahrensablauf ab. Unser zuständiger Rechtsausschuss hat zwischenzeitlich gemäß den Anti-Doping-Vorschriften eine einstweilige Sperre gegen die Athleten verhängt", sagte DRB-Präsident Manfred Werner: "Der Vorwurf ist besonders brisant. Sollte er sich erhärten, könnte es zu einer Ergebniskorrektur kommen, die auch zu einem Titelverlust des bisherigen Mannschaftsmeisters ASV Nendingen führen würde." Der DRB, so Werner, werde mit aller gebotenen Härte gegen Dopingverstöße vorgehen und dafür sorgen, "dass der Ringkampfsport weiter sauber und fair abläuft".

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Die Finalkämpfe der Bundesliga zwischen Nendingen und Weingarten brachten ein denkbar knappes Ergebnis von 19:19 Wertungspunkten. Nendingen siegte wegen der größeren Anzahl an gewonnenen Kämpfen. Jede Ergebnisveränderung zulasten des ASV hätte daher den Verlust des Titels zur Folge.

Staat droht mit strafrechtlichen Sanktionen

Da der NADA im Ringen das Ergebnismanagement- und Sanktionsverfahren nicht übertragen wurde, führt diese Verfahren der Deutsche Ringer-Bund durch. "Der ASV Nendingen distanziert sich nachdrücklich von der Einnahme von Dopingmitteln oder entsprechenden Substanzen durch seine Sportler", schrieb der Verein: "Bis zum Abschluss der Untersuchungen gilt aus menschlichen und sportlichen Gesichtspunkten die Unschuldsvermutung."

Der Bundestag hatte das Anti-Doping-Gesetz im November gegen Widerstand aus großen Teilen des organisierten Sports verabschiedet. Erstmals droht der Staat dopenden Sportlern strafrechtliche Sanktionen und Haftstrafen bis zu drei Jahren an. Hintermänner müssen in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen.

Ob die NADA auf dieselben Sportler wie der DRB aufmerksam geworden ist und die Staatsanwaltschaft Freiburg ausschließlich wegen der beiden Verdachtsfälle die Durchsuchungen durchgeführt hat, ist ungewiss. DRB-Boss Werner betonte: "Über diese beiden Fälle hinaus ist mir nichts bekannt."


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