Doping im Gewichtheben

"Durch und durch korruptes System"

SID
Sonntag, 22.03.2015 | 14:20 Uhr
Immer wieder werden neue Dopingfälle bekannt
© getty
Advertisement
Jiangxi Open Women Single
Do11:00
WTA Nanchang: Tag 4
Swedish Open Women Single
Do11:00
WTA Bastad: Tag 4
National Rugby League
Do11:50
Panthers -
Bulldogs
World Matchplay
Do20:00
World Matchplay: Viertelfinals
Jiangxi Open Women Single
Fr10:00
WTA Nanchang: Viertelfinale
Swedish Open Women Single
Fr10:00
WTA Bastad: Viertelfinale
National Rugby League
Fr11:50
Eels -
Broncos
BB&T Atlanta Open Men Single
Fr18:00
ATP Atlanta: Viertelfinale
World Matchplay
Fr20:00
World Matchplay: Viertelfinals
National Rugby League
Sa07:00
Knights -
Dragons
Jiangxi Open Women Single
Sa11:00
WTA Nanchang: Halbfinale
World Matchplay
Sa20:00
World Matchplay: Halbfinals
BB&T Atlanta Open Men Single
Sa21:00
ATP Atlanta: Halbfinale
National Rugby League
So06:00
Storm -
Sea Eagles
Jiangxi Open Women Single
So10:00
WTA Nanchang: Finale
Swedish Open Women Single
So14:00
WTA Bastad: Finale
World Matchplay
So20:00
World Matchplay: Finale
BB&T Atlanta Open Men Single
So23:00
ATP Atlanta: Finale
Bet-At-Home Cup Kitzbühel Men Single
Mo13:30
ATP Kitzbühel: Tag 1
Bank of the West Classic Women Single
Mo19:00
WTA Stanford: Tag 1
Bet-At-Home Cup Kitzbühel Men Single
Di12:30
ATP Kitzbühel -
Tag 2
Bank of the West Classic Women Single
Di19:00
WTA Stanford: Tag 2
Citi Open Women Single
Di19:50
WTA Washington: Tag 2
Bet-At-Home Cup Kitzbühel Men Single
Mi13:30
ATP Kitzbühel : Tag 3
Citi Open Women Single
Mi19:50
WTA Washington: Tag 3
Bank of the West Classic Women Single
Mi20:00
WTA Stanford: Tag 3
Bet-At-Home Cup Kitzbühel Men Single
Do12:30
ATP Kitzbühel: Viertelfinale
Citi Open Women Single
Do19:50
WTA Washington: Tag 4
Bank of the West Classic Women Single
Do20:00
WTA Stanford: Tag 4
National Rugby League
Fr10:00
Dragons -
Rabbitohs
Bet-At-Home Cup Kitzbühel Men Single
Fr13:00
ATP Kitzbühel: Halbfinale
Citi Open Women Single
Fr20:00
WTA Washington: Viertelfinale
Bank of the West Classic Women Single
Fr21:00
WTA Stanford: Viertelfinale
Bet-At-Home Cup Kitzbühel Men Single
Sa14:00
ATP Kitzbühel: Finale
Citi Open Women Single
Sa22:00
WTA Washington: Halbfinale
Bank of the West Classic Women Single
Sa23:00
WTA Stanford: Halbfinale
Citi Open Women Single
So23:00
WTA Washington: Finale
Bank of the West Classic Women Single
So23:00
WTA Stanford: Finale

Nach dem jüngsten Dopingskandal im Gewichtheben sieht Fritz Sörgel die Glaubwürdigkeit der gesamten Sportart in Gefahr. Der Doping-Experte fordert einen radikalen Umbruch.

Immer wieder neue Dopingskandale, ein höchst umstrittener Weltverbandspräsident und kaum Besserung in Sicht: Das Gewichtheben steht am Scheideweg. Der jüngste Skandal erschütterte die Heberszene am Samstag, als bekannt wurde, dass gleich elf bulgarische Athleten bei Routinekontrollen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vor zwei Wochen positiv auf das anabole Steroid Stanozolol getestet worden waren.

Während der Weltverband IWF mit einer provisorischen Sperre der Betroffenen reagierte, sieht Doping-Experte Fritz Sörgel die Glaubwürdigkeit der gesamten Sportart mehr denn je ramponiert. "Dass das beim Gewichtheben mit rechten Dingen zugeht, kann mir keiner erzählen", sagte Sörgel dem SID: "Und ich habe wenig Hoffnung, dass sich das in absehbarer Zeit ändert."

Dafür sei Doping nach Sörgels Ansicht "viel zu fest verankert und zu selbstverständlich. Das System ist durch und durch korrupt. Es gibt einfach zu viele Verbände, die Dreck am Stecken haben. Da beziehe ich auch die IWF ein."

Stanozolol sei ein Steroid, das schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts verwendet worden sei, führte er aus. Daher sind auch die Folgen der Dopingpräparate hinreichend bekannt. Noch heute kommt es immer wieder aufgrund der Folgeschäden zu Todesfällen. Erst im Oktober 2014 verstarb der einstige Weltrekordler Gerd Bonk, eines der Doping-Opfer der ehemaligen DDR, an Organschäden.

"Alten Generationen erst einmal aussterben"

Am Samstag, wenige Stunden nach Bekanntwerden des Dopingskandals, starb der bulgarische Olympiasieger Milen Dobrew im Alter von nur 35 Jahren. Sörgel sieht zumindest einen möglichen Dopinghintergrund. "Da könnte man sicherlich einen Bezug herstellen, auch wenn das natürliche spekulativ ist."

Der Weltverband IWF mit seinem umstrittenen Präsidenten Tamás Aján an der Spitze hielt sich zu den Neuigkeiten äußerst bedeckt, listete lediglich die Namen der Sünder auf und ließ mitteilen, man werde sich vorerst nicht weiter zu den Vorkommnissen äußern.

Das ist aus Sörgels Sicht viel zu wenig, und Hoffnung auf Besserung hat der Pharmakologe weiterhin nicht. Dafür müssten "die alten Generationen erst einmal aussterben", meinte er.

Rigider Anti-Doping-Kampf gefordert

Daher wäre es für Sörgel sogar denkbar, das seit 1896 olympische Gewichtheben bei den künftigen Spielen zumindest vorläufig aus dem Programm zu streichen und damit im Sinne der Glaubwürdigkeit des Sports zu handeln: "Wenn sich Sportarten selbst disqualifizieren, dann müssen sie für eine Zeit aus dem Verkehr gezogen werden", sagte Sörgel.

Realistisch ist ein solches Szenario nicht, denn IWF-Boss Ajan ist glänzend vernetzt im Weltsport. Im Sommer 2011 wollte Christian Baumgartner, heute Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG) und damals noch Vize und Dopingbeauftragter, gemeinsam mit dem damaligen BVDG-Boss Claus Umbach im Heber-Weltverband aufräumen.

Dort herrscht der Ungar Ajan (76), der seit Jahren unter Korruptionsverdacht steht. Die deutschen Funktionäre verlangten von Ajan vor allem einen rigiden Anti-Doping-Kampf, der im IWF bis dahin nicht mal ansatzweise stattfand.

Keine bulgarische Beteiligung

Sie bissen bei Ajan auf Granit. Die Situation eskalierte. Ajan drängte Umbach zu Baumgartners Entlassung, Umbach forderte Ajan zum Rücktritt auf. In dieser explosiven Gemengelage bat das Heber-Duo den damaligen DOSB-Präsidenten Thomas Bach um Hilfe, präsentierte ihm bei einem Treffen einen Haufen belastendes Material, das er gegen Ajan in der Hand hielt. Doch Bach half nicht.

Kurze Zeit später trat Umbach völlig überraschend, unter Verweis auf "sportweltpolitische Verwicklungen", zum Canossagang an. Er entschuldigte sich bei Ajan in aller Form. Nicht wenige im Heberlager fühlen sich von Bach hängen gelassen.

Eine plausible Erklärung für dessen Zurückhaltung liegt auf der Hand: Ajan, das Ehrenmitglied im IOC, durfte keinesfalls Bachs Sprung an die Spitze der "Weltregierung des Sports" gefährden - und tat es auch nicht.

Nach dem jüngsten Skandal wird zumindest die EM in Tiflis (9. bis 19. April) ohne bulgarische Beteiligung stattfinden. Der Verband zog seine Teilnahme zurück und kündete an, den Dopingfall umfassend aufklären zu wollen.

Dass sich das Stanozolol im Essen der Athleten befunden habe, wie es der bulgarische Nationaltrainer Iwan Iwanow behauptete, bezeichnete Sörgel als "unglaubwürdig. Es gibt keine Nahrungsmittel, die einen solchen Befund verursachen können."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung