Geipel: Problem besteht weiterhin

SID
Samstag, 21.02.2015 | 10:16 Uhr
Ines Geipel ist Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH)
© getty
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Für Ines Geipel, Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH), sind gesundheitliche Schäden durch Dopingmittel nicht nur auf den Umgang mit verbotenen Substanzen in der DDR zurückzuführen.

"Wir können durch die Arbeit unserer Beratungsstelle dokumentieren, dass das Doping-Problem eben nicht pünktlich 1989/90 aufgehört hat, wie es zum Selbstverständnis von Sport und Politik gehört. Inzwischen melden sich Athleten bei uns, die bis 2004 aktiv waren", sagte die 54-Jährige der "Süddeutschen Zeitung".

Dabei handele es sich um deutsche Kaderathleten, die die Dopingmittel von ihren Trainern bekommen hätten. Geipel verweist darauf, dass dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) diese Vorgänge bekannt seien, allerdings gebe es hierauf keine angemessene Reaktion vom Sport-Dachverband. Stattdessen werde weiter das Märchen vom sauberen gesamtdeutschen Sport erzählt. "Es ist völlig gaga, wie wir die Realität wegdrücken", sagte sie.

Kritik an Harting-Äußerungen

Geipel äußerte sich in dem Interview auch zur Person von Diskus-Olympiasieger Robert Harting. "Hartings Umdeutung vom Saulus zum Paulus hat etwas Sagenhaftes", sagte die frühere Sprinterin: "Es ist gerade mal fünf Jahre her, da war er noch für die Freigabe von Doping und hat diejenigen attackiert, die genau das bei ihm als Problem sahen. Jetzt avanciert er zum Vorreiter im Anti-Doping-Kampf." Wenn Harting jetzt "die hohe Moral für sich entdeckt, fragt man sich, wieso er nicht mal bei Gerd Jacobs vorbeigegangen ist, einem Athleten, der konkret davon zu berichten hat, wie er durch die Doping-Arbeit von Hartings langjährigem Trainer Werner Goldmann schwerst geschädigt wurde".

Geipels Kritik richtet sich außerdem gegen den früheren Hochspringer Rolf Beilschmidt, mittlerweile Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen, der sich mit massiven Stasi-Vorwürfen konfrontiert sieht. "Wenn einer aus dem DDR-Sport wie Beilschmidt, der der Stasi bis 1989 zugearbeitet hat und seine Verantwortung bis heute verleugnet, wichtigster Sportfunktionär in einem neuen Bundesland ist - wo soll das hinführen", sagte Geipel.

Geipel gegen Olympia-Bewerbung

Es gehe ihr dabei nicht um die Personalisierung, "sondern um einen Sport, der aufgrund des riesigen Schadens, den er angerichtet hat, endlich seine Hypotheken ernst nehmen muss: Es gibt keine Gewähr dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Nicht in Form eines Staatsdopings, nein - aber in Form eines Systemzwangs, bei dem am Ende auch wieder ungeheurer Schaden rauskommt."

Darum lehnt Geipel auch eine deutsche Olympia-Bewerbung ab, solange man nicht bereit sei, aus der Vergangenheit die richtigen Lehren zu ziehen. "Wer jetzt Olympische Spiele forciert und Deutschlands Sportsystem entsprechend optimiert und auf Medaillen trimmt, ohne dass er mit den schweren Hypotheken ernsthaft umgegangen ist - der ist ganz klar für systematischen Betrug", kritisierte Geipel.

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