Donnerstag, 11.12.2014

Nach Doping-Anschuldigungen gegen Russland

Balachnitschew lässt IAAF-Amt ruhen

Die schweren Doping-Anschuldigungen gegen Russland haben erste personelle Konsequenzen: Am Donnerstag legte Russlands Leichtathletik-Präsident Walentin Balachnitschew bis zum Abschluss der Untersuchungen sein Amt als Schatzmeister des Weltverbands IAAF nieder. Von einem Schuldeingeständnis wollte der in der "ARD"-Reportage "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" schwer belastete Sportfunktionär allerdings nichts wissen.

Marathonläuferin Lilia Schobuchowa scheint ebenfalls in den Skandal verstrickt zu sein
© getty
Marathonläuferin Lilia Schobuchowa scheint ebenfalls in den Skandal verstrickt zu sein

"Ich bin in den letzten Tagen Opfer tendenziöser und total grundloser Attacken gewesen", schrieb Balachnitschew in einem dem Branchendienst insidethegames.biz vorliegenden Brief an IAAF-Präsident Lamine Diack. In dem Schreiben sprach er auch von einem "gut organisierten Komplott" gegen ihn.

Auch der IAAF-Berater Papa Massata Diack, Sohn des Präsidenten Lamine Diack, lässt bis zum Abschluss der Untersuchungen seine Tätigkeiten ruhen. Das bestätigte die IAAF am Donnerstag. Diack junior waren zweifelhafte Finanzgeschäfte vorgeworfen worden. Sein Vater hatte am Mittwoch im Interview mit der französischen Sporttageszeitung L'Equipe erklärt: "Lassen sich mich den Fall regeln."

Schobuchowa: 450.000 Euro Schmiergeld erhalten

Balachnitschew war in der "ARD"-Dokumentation unter anderem vorgeworfen worden, in einen Schmiergeld-Skandal um die derzeit gesperrte russische Marathon-Läuferin Lilia Schobuchowa verwickelt zu sein. Diese hatte vor laufender Kamera erklärt, dass sie sich durch eine Zahlung von umgerechnet 450.000 Euro ihren Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London erkauft hatte.

Die Reportage hatte akribisch aufgezeigt, dass im russischen Sport flächendeckend und maßlos manipuliert, dies von den nationalen Anti-Doping-Agentur RUSADA gedeckt und von Stellen den IAAF zumindest toleriert werde. Dafür wurden zahlreiche Zeugenaussagen und belastende Dokumente zu systematischem Doping im russischen Spitzensport, vor allem in der Leichtathletik, geliefert.

Entscheidende Kronzeugen in der Dokumentation waren Julia Stepanowa, derzeit wegen Dopings gesperrte 800-m-Läuferin, und ihr Mann Witali Stepanow, zwischen 2008 und 2011 Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA. Die Diskuswerferin Jewgenia Pescherina hatte zudem erklärt, dass in Russland "die meisten Athleten dopen, der größte Teil, 99 Prozent."

Balachnitschew bestritt zunächst alle Vorwürfe

Noch am Sonntag hatte Balachnitschew alle Vorwürfe aufs Schärfste bestritten. "Nach unseren Untersuchungen sind alle Anschuldigungen falsch", wurde Balachnitschew in einem ARD-Beitrag am Sonntag zitiert: "Ich habe mit den Athleten gesprochen. Alle Informationen entsprechen nicht der Wahrheit."

Die Ethik-Kommission der IAAF hat nach den Vorwürfen bereits Ermittlungen aufgenommen, zudem hatten prominente Vertreter wie der IAAF-Präsidentschaftskandidat Sebastian Coe und sein möglicher Gegenkandidat Sergej Bubka in den letzten Tagen den öffentlichen Druck erhört. "Es sind sehr schwere Zeiten für die Leichtathletik", sagte Coe: "Wir müssen den Sport beschützen und den Imageschaden reparieren. Es ist lebenswichtig, dass die Ethikkommission und die Welt-Anti-Doping-Agentur ihr Arbeit abschließen. Dann können die notwendigen Schritte überlegt werden."

Die WADA kündigte inzwischen ebenfalls ein Ermittlungsverfahren an. Die Vorwürfe erfordern weitere Ermittlungen, um die bisherigen Beweise zu bestätigen, weitere Beweise zu sichern und jede Verletzung der Anti-Doping-Regeln zu verfolgen", teilte WADA-Präsident Craig Reedie auf der Homepage seiner Organisation mit. Auch der russische Sportminister Witali Mutko hatte eine Untersuchung angekündigt.


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