Sonntag, 30.11.2014

Zwei Tote in drei Tagen

"Schwarze Woche": Cricket in Trauer

Nach der zweiten Tragödie binnen drei Tagen beklagt der internationale Cricket-Sport die schwärzeste Woche seiner Geschichte. Durch den Tod des israelischen Schiedsrichters Hillel Oscar verlor 48 Stunden nach dem australischen Nationalspieler Philipp Hughes erneut ein Spielbeteiligter in dem bislang nicht als sonderlich riskant geltenden Sport sein Leben.

Der Cricket-Sport erlebt die schwärzeste Woche seiner Geschichte
© getty
Der Cricket-Sport erlebt die schwärzeste Woche seiner Geschichte

Wie Hughes zwei Tage vor seinem Tod wurde der 55 Jahre alte Referee am Samstag in der südisraelischen Hafenstadt Aschdod im letzten Spiel der nationalen Meisterschaft von einem hart geschlagenen Ball tödlich am Schädel getroffen. Trotz Fluggeschwindigkeiten des Balles von bis zu gut 140 km/h tragen Cricket-Schiedsrichter anders als die Spieler nur einen Hut und keinen besonderen Kopfschutz.

"Es ist schrecklich, dass innerhalb so kurzer Zeit zwei Unfälle tödliche Folgen haben. Das ist aber Schicksal, ich würde nicht sagen, dass Cricket als eine Risikosportart anzusehen ist. Ich glaube auch nicht, dass die schlimmen Nachrichten aus Australien und nun aus Israel Auswirkungen auf unseren Sport und seine Entwicklung in Deutschland haben", sagte Vizepräsident Lal Wijesinghe vom DCB dem "SID" einen Tag nach Oscars Tod.

Wijesinghe und die Delegierten hatten am Samstag gerade ihren mit einer Schweigeminute für Hughes eröffneten Verbandstag in Hamburg beendet, als die Schreckensnachricht aus Aschdod die Cricket-Welt erneut erschütterte. Israels früherer Nationalmannschafts-Kapitän war bisherigen Erkenntnissen zufolge vom Ball, einer rund 160 Gramm schweren und mit Tauen sowie Leder umwickelten Korkugel, wie von einem Geschoss im Kieferbereich getroffen worden und kurz darauf an seinen Verletzungen gestorben. Die Polizei nahm die Ermittlungen zur Klärung der Todesumstände auf.

"Wir stehen unter Schock. Wir wissen nur, dass der Ball in seine Richtung geschlagen wurde, er noch einen Ausweichversuch unternahm und dann hinfiel", sagte Präsident Naor Gudker vom israelischen Cricket-Verband.

Todesfall löst Sicherheitsdiskussion aus

Oscar hatte nach seiner aktiven Karriere eine Schiedsrichter-Laufbahn eingeschlagen. Der frühere Auswahlspieler kam außer bei Ligaspielen auch bei Begegnungen auf internationaler Ebene und Europameisterschaften zum Einsatz. Wijenghe schloss die Einführung von Schutzkleidung auch für Schiedsrichter nicht aus: In erster Linie muss der internationale Verband darüber entscheiden, aber darüber sprechen wird man sicherlich."

Schon der Tod von Hughes am vergangenen Donnerstag zwei Tage nach einem ähnlich schicksalhaften Unglück hatte eine Sicherheitsdiskussion in dem hauptsächlich auf der britischen Insel und in den Ländern des Commonwealth populären Sport ausgelöst. Nachdem der 25-Jährige von einem unkontrolliert fliegenden "Bouncer" (Aufsetzer) unterhalb seines Schutzhelmes im Nackenbereich getroffen worden war und später aufgrund der eingetretenen Hirnblutung sein Leben verlor, waren Forderungen besonders nach einer Vergrößerung der Schutzhelme laut geworden.

Allerdings bezweifelte Australiens Nationalmannschaftsarzt Peter Brukner, ob ein verbesserter Helm das Unglück hätte verhindern können. "Es waren unglaublich seltene Umstände. Es sind nur 100 vergleichbare Unfälle bekannt. Es war wohl Schicksal."

In ganz Australien standen am 26. Geburtstag von Hughes am Sonntag als Zeichen der Trauer immer noch Cricketschläger vor Tausenden Häusern und Wohnungen. In ihr Gedenken schlossen die australischen Fans auch Hillel Oscar ein.


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