Mittwoch, 04.12.2013

Vor der Olympia-Saison 2014

Andrea Eskau: Eine Frage des Willens

Handbike-Marathon-Weltrekordlerin, zehnfache Welt- und zigfache Deutsche Meisterin ist Andrea Eskau bereits. Auch paralympische Goldmedaillen hat sie gewonnen - bei Sommerspielen. Jetzt will die 42-Jährige bei den Winter-Paralympics in Sotschi beim Biathlon und Skilauf ihre Gold-Sammlung erweitern. Ihr unbändiger Wille und ihre Detailversessenheit machen das Multitalent zu einer Ausnahme-Athletin.

Gold-Garantie: Andrea Eskau will auch bei den Winterspielen Erfolge holen
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Gold-Garantie: Andrea Eskau will auch bei den Winterspielen Erfolge holen

Das Poster mit dem Bergpanorama, auf das Andrea Eskau während ihres Trainings in der Höhenkammer blickt, lenkt nur ein wenig von den Entbehrungen ab. Immerhin sorgt es für etwas Winteratmosphäre. Und führt ihr das nächste große Ziel vor Augen. Eskau weiß ohnehin, wofür sie sie sich während der letzten Wochen und Monate so ins Zeug legt. Die am 9. Dezember im kanadischen Canmore beginnende World-Cup-Saison im Biathlon und Ski-Langlauf ist nur eine Zwischenstation.

In weniger als hundert Tagen startet Eskau in Sotschi bei den Paralympics. Dort will sie erstmals auch Gold in - mindestens - einer Winterdisziplin. Seit dem Spätsommer 2012 trainiert die 42jährige darauf hin. Sie gilt als große Favoritin. Und weiß, wie's geht. Die Handbikerin, Biathletin und Ski-Langläuferin holte zuletzt bei den Paralympics in London jeweils Gold im Zeitfahren und im Straßenrennen.

Praktisch mit dem Ausklang der Siegerhymne machte Eskau damals klar: "Das hier ist wunderschön, aber von jetzt an zählt nur noch Sotschi." Wer das ehrgeizige Multitalent kennt, weiß, warum so kurz nach dem Triumph in London unbedingt gleich das nächste große Ziel her musste. Die Enttäuschung, es 2010 in Vancouver ‚nur' zu Skilanglauf-Silber und Biathlon-Bronze gebracht zu haben, wirkt nach. Bis heute.

"Mehr geht nicht"

Ihre Unzufriedenheit hat indes nicht nur mit der Farbe des Edelmetalls, sondern vielmehr mit der nicht optimalen Vorbereitung auf die damaligen Winterspiele zu tun. "Man kann mich ruhig Perfektionistin nennen. Aber nach Vancouver habe ich mir gesagt, dass ich endlich mit dem Gefühl zu Winter-Paralympics fahren will: Mehr geht nicht", so Eskau.

Sotschi 2014: Die Olympischen Sportstätten
Vom 7. bis zum 23. Februar 2014 finden in Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele statt
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Vom 7. bis zum 23. Februar 2014 finden in Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele statt
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Das Herzstück der Spiele ist das Fisht Olympic Stadium. Die Arena ist nach einem Berg im Nordkaukasus benannt und wird auch bei der WM 2018 genutzt
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Das Herzstück der Spiele ist das Fisht Olympic Stadium. Die Arena ist nach einem Berg im Nordkaukasus benannt und wird auch bei der WM 2018 genutzt
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Der Bolshoy Ice Dome: Die Multifunktions-Arena bietet 12.000 Zuschauern Platz und ist die Bühne der Eishockey-Stars wie Alex Ovechkin, Sidney Crosby und Co.
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Der Bolshoy Ice Dome: Die Multifunktions-Arena bietet 12.000 Zuschauern Platz und ist die Bühne der Eishockey-Stars wie Alex Ovechkin, Sidney Crosby und Co.
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Von innen kann sich die Halle ebenfalls durchaus sehen lassen. Bei Kosten von über 180 Millionen Dollar sollte man aber auch einiges erwarten können
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Von innen kann sich die Halle ebenfalls durchaus sehen lassen. Bei Kosten von über 180 Millionen Dollar sollte man aber auch einiges erwarten können
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Eishockey, Part 2! Auch in der Shayba Arena geht's auf dem Eis zur Sache. Besonderer Clou: Die Halle ist so konzipiert, dass sie nach den Spielen abgebaut und in einer anderen Stadt wiederaufgebaut werden kann
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Eishockey, Part 2! Auch in der Shayba Arena geht's auf dem Eis zur Sache. Besonderer Clou: Die Halle ist so konzipiert, dass sie nach den Spielen abgebaut und in einer anderen Stadt wiederaufgebaut werden kann
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In der Shayba Arena können bis zu 7000 Zuschauern ihre Helden auf dem Eis anfeuern
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In der Shayba Arena können bis zu 7000 Zuschauern ihre Helden auf dem Eis anfeuern
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Das Ice Cube Curling Center wirkt ziemlich futuristisch, beheimatet aber die Curling-Spezialisten auf diesem Planeten. Das Fassungsvermögen: 3000 Personen
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Das Ice Cube Curling Center wirkt ziemlich futuristisch, beheimatet aber die Curling-Spezialisten auf diesem Planeten. Das Fassungsvermögen: 3000 Personen
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Apropos futuristisch: Der Iceberg Skating Palace ist auch nicht von schlechten Eltern. Insgesamt 15.000 Tonnen Stahl waren zum Bau der Eiskunstlauf- und Short-Track-Halle vonnöten
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Apropos futuristisch: Der Iceberg Skating Palace ist auch nicht von schlechten Eltern. Insgesamt 15.000 Tonnen Stahl waren zum Bau der Eiskunstlauf- und Short-Track-Halle vonnöten
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Bei den Eisschnelllaufwettbewerben im Adler Arena Skating Center sollen 8000 Leute die Halle zum Kochen bringen
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Bei den Eisschnelllaufwettbewerben im Adler Arena Skating Center sollen 8000 Leute die Halle zum Kochen bringen
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Der Olympic Parc von Sotschi in Kleinformat
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Der Olympic Parc von Sotschi in Kleinformat
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Die Schnee-, Bob und Rodelwettbewerbe finden rund um das Gebirgsdorf Krasnaja Poljana, ca. 70 Kolimneter östlich von Sotschi, statt. Fliegen Freund, Freitag und Co. hier zu Edelmetall?
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Die Schnee-, Bob und Rodelwettbewerbe finden rund um das Gebirgsdorf Krasnaja Poljana, ca. 70 Kolimneter östlich von Sotschi, statt. Fliegen Freund, Freitag und Co. hier zu Edelmetall?
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Klar, auch der Chef schaut mal vorbei, damit alles nach Plan läuft. Hier begutachtet Wladimir Putin das Ziel im Eiskanal des Sliding Center Sanki
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Klar, auch der Chef schaut mal vorbei, damit alles nach Plan läuft. Hier begutachtet Wladimir Putin das Ziel im Eiskanal des Sliding Center Sanki
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Die Diplom-Psychologin trainiert neben ihrer beruflichen Tätigkeit am Bundesinstitut für Sportwissenschaften in Bonn im Schnitt zweimal täglich. Jeweils eineinhalb Stunden. Ein immenses Pensum. Beinahe genauso viel Zeit investiert die Allrounderin in die technische Optimierung, sei es an ihren Handbikes für die Sommersaison, an ihren Trainings- und Wettkampfschlitten oder am Biathlongewehr.

Spitzensport in drei unterschiedlichen Disziplinen, ein fester Job und die alltäglichen logistischen Probleme, die ihre Querschnittlähmung nun einmal mit sich bringen - für Andrea Eskau sind dies keine Hindernisse, höchstens Herausforderungen. Wer mit Ihr spricht, kann die Begeisterung für den Sport förmlich spüren. Man erfährt viel von ihr - und wer sie nicht bremst, gerät schnell in einen Vortrag über die richtige Munitionsauswahl oder die Feinjustierung der Radaufhängung am Trainingsschlitten.

Perfektionismus bis ins letzte Detail

"Manchmal rede ich wie ein Buch", sagt Eskau über ihre Auskunftsfreudigkeit, "aber diese Dinge sind eben wichtig für mich. Vor allem im Hinblick auf Sotschi." Auch das letzte Detail soll stimmen. Und so verbrachte Eskau in diesem Jahr mehrere Tage bei Orthopädie-Meister Martin Rapp im Schwarzwald, um die Sitzfläche an Ihrem Schlitten perfektionieren zu lassen.

"Der neue Schlitten sitzt perfekt, ähnlich einer Prothese. So habe ich auch bei Kurven und Abfahrten die optimale Kontrolle", sagt Eskau, die in Sotschi insgesamt sieben Mal die Chance auf Gold haben wird, weil sie sowohl im Biathlon als auch im Skilanglauf mehrfach antritt.

Dass der Behindertensport in vielen Disziplinen allein von der Technik entschieden wird, bestreitet Eskau: "Gerade in den Winterdisziplinen habe ich einen internationalen Austausch erlebt, der die Chancengleichheit befördert. Hier wird der Konkurrenz noch immer mit einem Ersatzteil ausgeholfen, das ist bei den Handbikern leider manchmal anders." Um trotz dieser Chancengleichheit gegen die größtenteils weit jüngere Konkurrenz bestehen zu können, gönnt sich Eskau so gut wie keine Pause.

Mehrere Trainingslager im Skitunnel

Bereits sechs Mal absolvierte sie 2013 mehrtägige Trainingslager im Oberhofer Skitunnel. Zuletzt standen zudem täglich zweistündige Einheiten in künstlicher Höhenluft auf dem Programm. "In meinem Trainingsraum an der Kölner Sporthochschule herrschen Bedingungen wie auf 3000 Meter Höhe. So kann ich auch in der Nähe meines Bonner Arbeitsplatzes unter sportartspezifischen Bedingungen trainieren."

Das Training in der Höhenkammer oder die Einheiten draußen auf dem Cross-Schlitten, der Asphalt und Waldböden in sommerliche Loipen verwandelte, versinnbildlichen Eskaus Leben in zwei Welten: "Ich bin Sommer- und Wintersportlerin mit ganzem Herzen, mittlerweile ohne Präferenzen. In Thüringen habe ich ja auch schon als Kind Wintersport betrieben." Später, nach ihrem folgenschweren Rad-Unfall 1998, landete sie durch die Anschaffung eines ersten Handbikes zunächst bei der Sommerdisziplin, auf der Straße.

Und auch im Jahr vor Sotschi konnte sie nicht von den Rad-Wettkämpfen lassen, holte zweimal WM-Gold bei den Straßenrennen im kanadischen Baie-Comeau und führt weiter die Weltrangliste im Para-Cycling an. "Man muss schon verrückt sein, wenn man sich diese zwei Saisons antut. Für mich ist es aber eher eine logistische Herausforderung als eine Frage der Kondition oder Motivation", beschreibt Eskau ihr sportliches Doppelleben und den Umstand, dass Titelkämpfe in der einen Disziplin normalerweise die gezielte Vorbereitung auf die andere stören. Normalerweise - was heißt das schon für Andrea Eskau?

Volle Konzentration auf Sotschi

Ab sofort kann sie sich jedenfalls voll und ganz auf Sotschi konzentrieren. Die World-Cup-Serie endet mit den Biathlon-Wettbwerben vom 23. bis 26. Januar 2014 in Oberried. Spätestens dann wird Andrea Eskau wissen, wie sie sich vor den Paralympics in Russland (8. bis 16. März) einzuordnen hat.

Bleibt die Allrounderin verletzungsfrei, ist sie bei ihren vermutlich letzten Winter-Paralympics Deutschlands Gold-Kandidatin Nummer eins. Ob sie im Erfolgsfall bereits beim Abspielen der Siegerhymne an Rio 2016 denken wird, ist eine andere Frage.

Gunnar Hassel

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