Montag, 31.12.2012

Darts-WM: Van Gerwen & Taylor im Finale

The Power wankt - doch er fällt nicht

Michael van Gerwen steht zum ersten Mal im Finale der Darts-WM. Der 23-jährige Niederländer schlug James Wade und zeigte dabei eine zeitweise geschichtsträchtige Leistung. Im Finale trifft er auf Rekordweltmeister Phil Taylor, der Raymond van Barneveld lange an die Wand spielte, doch am Ende noch zittern musste.

Phil Taylor schlug Raymond van Barneveld mit 6:4
© Getty
Phil Taylor schlug Raymond van Barneveld mit 6:4

Im dritten Leg des fünften Satzes gegen Wade lieferte van Gerwen sogar einen 9-Darter ab, an den er mit weiteren acht perfekten Darts anschloss und nur knapp die Doppel-12 und damit den zweiten 9-Darter in Serie verpasste.

"Ich habe gedacht: Spiel das einfach weiter, zieh das einfach durch", sagte van Gerwen im Nachhinein über seinen brillanten Moment. Van Gerwen hielt sein Score-Niveau über weite Strecken konstant, während Wade vor allem mit den Triples haderte und außergewöhnlich oft in der 1 oder 5 landete.

So wie im zweiten Leg des ersten Satzes, als van Gerwen mit einer 180 vorlegte. Wade war gefordert, lieferte mit neun (!) Punkten (1/5/T1) aber ein völlig falsches Signal. Dass er dieses Leg trotzdem noch gewann, lag an sage und schreibe elf vergebenen Sieges-Darts von van Gerwen.

Neun Legs in Folge gewonnen

Der Niederländer marschierte anfangs geradezu durch das Match, gewann zwischendurch neun Legs in Folge. Wade konnte zwar nach einem 1:3-Rückstand noch auf 3:3 ausgleichen, musste sich am Ende dem überlegenen Mighty Mike geschlagen geben.

Beim Stand von 5:4 ließ van Gerwen keine Zweifel mehr aufkommen: Souveräner Leg-Gewinn, im zweiten das Break und dann als Einstieg in das entscheidende Leg eine krachende 180. Wade konnte ihn mit seinem schwachen Scoring kaum unter Druck setzen, van Gerwens vierter Match-Dart in der Doppel-8 besiegelte Wades Schicksal.

"Wade hat nicht das gespielt, was er kann", analysierte der Gewinner hinterher treffend. Van Gerwen trifft nun im Finale auf Taylor.

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141er-Finish von Taylor

Im zweiten Halbfinalduell schlug der 15-malige Weltmeister seinen langjährigen Rivalen Raymond van Barneveld und verhinderte damit ein rein niederländisches Finale, das zugleich das erste ohne englische Beteiligung gewesen wäre.

Taylor dominierte Barney von Beginn an, entschied gleich die ersten fünf Legs für sich. Dabei punktete er konstant hoch, blieb durchschnittlich immer nahe an der 100er-Marke. Sein Gegner stand ihm in puncto Average-Score zwar kaum nach, hatte aber eine deutlich schlechtere Doppelquote.

Beispielhaft das erste Leg im vierten Satz, als Barney acht Darts in Folge ohne Triple blieb. Ein Leg später dann ein knallhartes Statement von The Power: Mit T20, T19 und D12 machte Taylor ein 141er-Finish perfekt - sein höchstes bei dieser WM.

Barney verkürzt auf 4:5

Nach sechs Sätzen schien die Sache bereits entschieden, Taylor lag mit 5:1 vorne (15:7 nach Legs).

Doch mit dem Mute der Verzweiflung holte Barney sich die Sätze sieben und acht zum 5:3. Von jeglichem Druck befreit traf er einige 180er und ließ plötzlich kaum noch ein Doppel aus.

Taylor hingegen wirkte sichtlich nervös, knabberte zwischendurch auf seinen Flights herum und leistete sich bittere Ausrutscher: Im zweiten Leg des neunten Satzes verpasste er die Doppel-8 zum Leg-Gewinn, van Barneveld hingegen knallte einen 125er-Checkout zum Rebreak aufs Board. Am Ende verkürzte der Niederländer auf 4:5 in Sätzen.

Aufreger nach dem Match

Auf einen dramatischen elften Satz wollte es Taylor jedoch nicht ankommen lassen. The Power versenkte mit einer 2:1-Führung nach Legs den entscheidenden Match-Dart in der Doppel-16 und steht damit im WM-Finale.

Nach dem Match kam es noch zu einer unschönen Szene auf der Bühne: Barney muss Taylor ein paar Nettigkeiten geflüstert haben, sodass die beiden zumindest verbal aneinander gerieten.

Dazu gab van Barneveld dem Rekordweltmeister noch einen sanften Schubser mit, der einen Security-Mann dazu veranlasste, schlichtend einzugreifen. Nach ein paar Sekunden war die Aufregung jedoch wieder verflogen.

Daniel Reimann

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