Kein konkretes Ergebnis und viel Kritik

SID
Mittwoch, 21.03.2012 | 19:26 Uhr
Am Olympiastützpunkt in Thüringen sollen mehrere Athleten mit Eigenblut behandelt worden sein
© Getty
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Ohne konkrete Ergebnisse ist die Sitzung des Sportausschusses zum Thema Erfurter Blutmanipulations-Affäre zu Ende gegangen. "Nichts wurde beschlossen, alle wollen abwarten", sagte Grünen-Ombudsfrau Viola von Cramon am Mittwochabend der dapd und ergänzte: "Die ergebnislose Sitzung nährt den Verdacht, dass im Jahr der Olympischen Spiele keiner ein Debakel erleben will und die Koalition deswegen kein Interesse an einer ambitionierten Dopingbekämpfung hat."

Der Sportausschuss war hinter verschlossenen Türen in Berlin zusammengekommen, um über den Sachstand im Verfahren gegen den Erfurter Sportarzt Andreas Franke im Zusammenhang mit Eigenblutbehandlungen am Olympiastützpunkt (OSP) Thüringen zu berichten.

Bestrahlungstherapie mit UV-Licht

Franke hatte über Jahre hinweg bei insgesamt 30 Sportlern eine Bestrahlungstherapie mit UV-Licht am OSP in Erfurt vorgenommen. Dies verstößt gegen die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, wie am Mittwoch auch noch einmal der geladene Sportrechtler Georg Engelbrecht deutlich machte.

Der war bereits zuvor in einer auf "Spiegel Online" veröffentlichten Stellungnahme zu der Einschätzung gekommen, dass die von Franke angewandte UV-Blutbestrahlung gemäß Anti-Doping-Reglement eine "verbotene Methode darstellt".

Uneinigkeit herrscht in dieser Frage vor allem, seit wann die von Franke praktizierte Eigenblutbehandlung gegen das Reglement verstößt. So kam das Bundesministeriums des Inneren (BMI) in einer am Montag eingereichten Stellungnahme zu der Einschätzung, dass die UV-Bestrahlung erst ab 1. Januar 2011 gemäß WADA-Liste "eindeutig verboten" gewesen sein soll.

Eine Auffassung, die unter anderem von den Fraktionsvertretern von Bündnis 90/Die Grünen nicht geteilt wurde. "Dass es sich hierbei um einen Doping-Verstoß handelt, ist relativ eindeutig.

Seit 2003 ist ein von Franke angewendetes Verfahren laut WADA-Code verboten", sagte Grünen-Politikerin von Cramon der dapd und ergänzte: "Der österreichische Langlauf-Trainer Walter Mayer war ja genau wegen des Bestrahlens von Blut mit ultraviolettem Licht im Jahr 2003 gesperrt worden."

Grüne fordern Stärkung der NADA

Ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, der unter anderem die "zuwendungsrechtliche Überprüfung" sämtlicher medizinischer Behandlungsleistungen an allen deutschen Olympiastützpunkten beinhaltete, wurde am Mittwoch im Sportausschuss abgeschmettert.

Durch die Doping-Affäre am Thüringer OSP war zuletzt immer wieder die Frage aufgeworfen worden, inwieweit die finanzielle und personelle Ausstattung der NADA genügt - zumal das BMI für 2013 eine Million Euro Fördergeld gestrichen hat. "Die NADA muss einen Antrag auf Sondermittel beim BMI stellen, um die zusätzlichen Kosten aufbringen zu können.

Überhaupt muss sich Deutschland eine NADA leisten können, die finanziell unabhängig ist", sagte von Cramon und fügte an: "Die NADA muss dazu beitragen können, die historische Lüge vom weitgehend dopingfreien Sport in der Bundesrepublik Deutschland zu beenden. Das geht nur mit einem entsprechenden Haushaltsbudget."

 

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