Alexander Huber im Interview

"Die Angst ist dein Freund"

Von Interview: Daniel Börlein
Montag, 02.01.2012 | 12:34 Uhr
Alexander (l.) und Thomas Huber zählen zu den erfolgreichsten Bergsteigern der Welt
© Imago
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Alexander Huber ist einer der erfolgreichsten Bergsteiger der Welt. Er und sein Bruder Thomas sind als die "Huaberbuam" und vor allem durch den Film "Am Limit" bekannt. Im Interview spricht Alexander Huber über Angst, Teamarbeit und seine größten Erfolge.

SPOX: Sie klettern seit Ihrer Kindheit - das machen andere auch. Profi-Bergsteiger werden aber nur die wenigsten. Was braucht man, um das zu schaffen?

Alexander Huber: Das ist wie in anderen Sportarten auch: Du brauchst ein gewisses Talent. Fußball spielt auch fast jedes Kind, in die Nationalmannschaft schaffen es aber nur ganz wenige. Du brauchst einfach das Talent, sowohl im technischen als auch im mentalen Bereich.

SPOX: Im Fußball heißt es allerdings auch: Talent alleine reicht nicht aus. Wichtig sind dort auch Dinge wie die richtige Einstellung und der Wille, etwas zu erreichen.

Huber: Natürlich ist der Wille auch beim Bergsteigen ganz entscheidend. Aber für mich ist der Wille, an ein Ziel gelangen zu wollen, letztlich auch nichts anderes als ein Talent.

SPOX: Sie bewegen sich als Bergsteiger im Grenzbereich, sowohl körperlich als auch mental. Wie trainieren Sie Körper und Geist?

Huber: Fürs Klettern ist Klettern das beste Training. Heißt: learing by doing. Vor allem dadurch kannst du in eine neue Dimension vorstoßen. Das gilt vor allem für den mentalen Bereich. Wenn man große Dinge angeht, dann braucht man natürlich auch eine gewisse Ausdauerkomponente. Ich trainiere dann gerne auf dem Rennrad oder bin mit dem Mountainbike unterwegs.

SPOX: Ihr Sport ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Gab's schon Momente, wo Sie sagen: Da habe ich richtig Glück gehabt?

Huber: Ich habe schon mehrere Situationen erlebt, in denen ich Glück hatte. Das gilt allerdings nicht nur exklusiv fürs Bergsteigen. (lacht) Es gab beim Bergsteigen aber noch keine Situation, in der ich dachte: Jetzt ist es aus. Bei den Dreharbeiten zum Film "Am Limit" gab es zwar schon mal einen richtig weiten Sturz, aber selbst in dem Moment war ich überzeugt davon, dass es gut ausgeht.

SPOX: Gibt es auch Momente, in denen Sie Angst haben?

Huber: Die Angst ist immer da, wenn ich in den Bergen unterwegs bin. Beim Wandern natürlich nicht. Aber im absturzgefährdeten Bereich, dann wenn es steil wird, beschützt dich die Angst davor, keinen Mist zu bauen. Die Angst macht dich vorsichtig. Wenn ich keine Angst hätte, würde ich völlig sorglos durch die Gegend klettern. Wenn das ginge, völlig angstfrei zu klettern, dann würde man ja solange klettern, bis man irgendwann runter fällt. Und deshalb braucht man Angst. Die Angst ist dein Freund. Allerdings soll die Angst nicht nervös machen oder Panik erzeugen, denn dann blockiert sie dich.

SPOX: Sie sind viel mit Ihrem Bruder Thomas unterwegs. Wie wichtig ist Teamarbeit im Bergsport?

Huber: Ich bin schon mit vielen anderen Partnern am Berg unterwegs gewesen, aber natürlich war ich am meisten mit meinem Bruder Thomas unterwegs. Der Regelbetrieb beim Klettern und Bergsteigen ist ja, in einer Seilschaft unterwegs zu sein. Deshalb musst du als Team auftreten. Denn am Berg gilt vielleicht mehr als sonst wo der Spruch: Das Team ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Deswegen ist man gegenseitig sehr aufmerksam und nimmt intensiv Rücksicht aufeinander. Es bringt mir nichts, beim Erreichen eines Gipfels topfit zu sein, wenn mein Partner völlig am Ende ist. Denn dann habe auch ich ein Problem, wenn es darum geht, wieder sicher nach unten zu kommen.

SPOX: Sie zählen zu den erfolgreichsten Kletterern der Welt. Wie wird in Ihrem Sport Erfolg gemessen?

Huber: Das ist wie in anderen Sportarten auch: Wenn zum Beispiel einer ein guter Skifahrer ist, aber bei Weltmeisterschaften nichts zustande bringt, dann wird er am Ende immer nur der Trainingsweltmeister bleiben. Will heißen: Je mehr jemand gerissen hat, desto erfolgreicher ist er. (lacht)

SPOX: Sie haben bislang einiges gerissen. Was zählen Sie zu Ihren größten Erfolgen?

Huber: Das ist schwierig. Da sind einige dabei. In der Öffentlichkeit richtig bekannt geworden sind wir durch den Film "Am Limit" und den Speed-Rekord an "The Nose". Wobei das nicht zu meinen bedeutenden Erfolgen zu rechnen ist. Ein toller Erfolg war zum Beispiel die Free-Solo-Begehung der Hasse-Brandler-Direttissima an der Großen Zinne. Aber eigentlich gibt es so viele, dass ich da nichts herausheben möchte.

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