Ehemalige Fecht-Olympiasiegerin blickt auf Karriere zurück

Anja Fichtel schließt Funktionärsrolle aus

SID
Freitag, 11.11.2011 | 15:58 Uhr
Die Doppel-Olympiasiegerin von 1990: Anja Fichtel
© Getty
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Die zweifache Fecht-Olympiasiegerin Anja Fichtel hat eine Rückkehr als Funktionärin in die einstige Medaillenschmiede Tauberbischofsheim ausgeschlossen.

"Ich würde es nicht machen. Man wollte schon öfter, dass ich mehr arbeite", sagte Fichtel im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten: "Vor ein paar Jahren hätte ich viele Ideen gehabt. Aber da hatte man mir immer gesagt, dass ich lieber nichts sagen soll. Deshalb denke ich, dass es heute nicht mehr meine Aufgabe ist."

Derzeit arbeitet die Doppel-Olympiasiegerin von Seoul 1988 als Nachwuchstrainerin im mittlerweile angeschlagenenen Olympiastützpunkt: "Dass die Umstellung nach Emil Beck dauern würde, war klar. Doch nun muss man auch die ständig angepriesenen Änderungen wollen. Man müsste erst mal wieder eine neue Gemeinsamkeit schaffen, damit alle an einem Strang ziehen."

"Erfolg war nur ein kleiner Teil meines Lebens"

Bei der WM im Oktober in Catania holte der in Bonn trainierende Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink mit Mannschaftsbronze die einzige Medaille für "Tauber". Im Vorjahr bei der WM in Paris ging die ehemalige Fecht-Hochburg komplett leer aus.

Im Rückblick äußert sich die 43-jährige Fichtel sehr differenziert über ihre sportliche Karriere. "Ich habe erkannt, dass sportlicher Erfolg nicht alles ist. Erfolg war nur ein ganz kleiner Teil in meinem Leben", sagte sie.

"Viele denken: Wenn man mal Olympiasieger ist, dann bist du der glücklichste Mensch der ganzen Welt. Wenn du es dann aber bist, stellst du schnell fest, dass es doch noch etwas anderes geben muss."

Zweifache Mutter hat mit Karriere abgeschlossen

Auch das Bild der Öffentlichkeit von der "starken" Anja Fichtel sei eine Belastung gewesen. "Ich hatte das Weiche schon immer in mir. Ich bin vom Wesen her gar nicht so hart und dominant, wie das früher immer aussah. Deshalb war meine Fecht-Karriere auch so wahnsinnig anstrengend für mich", verriet die dreifache Mutter.

"Emil (Beck, d. Red.) hat erkannt, dass ich Talent habe. Als ich anfing, war ich neun Jahre alt, und durch das dauernde Training wurde mir auch ein Stück persönlicher Entwicklung genommen."

Zumindest in Bezug auf ihre früheren Erfolge hat Fichtel mit ihrer Karriere abgeschlossen.

In ihrem Haus weise nichts auf ihre Olympiasiege und fünf WM-Titel hin, versicherte Fichtel. "Ich habe meinen Kindern nie Bilder und Medaillen von mir gezeigt. Sie haben es mit der Zeit von alleine mitbekommen, dass mit mir etwas Besonderes gewesen sein musste, weil ich dauernd angesprochen wurde. Das hat die Kinder auch genervt."

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