WM-Finale: Treffen der Generationen

SID
Sonntag, 01.05.2011 | 00:03 Uhr
Judd Trump überraschte in dieser Saison und gewann bereits sensationell die China Open
© Getty
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Youngster Judd Trump hat überraschend das Finale der Snooker-Weltmeisterschaft in Sheffield erreicht. Der 21-Jährige setzte sich gegen Ding Junhui mit 17:15 durch. Nun trifft er auf Altmeister John Higgins.

Judd Trump rockt und rockt und rockt. In einem grandiosen Halbfinal-Feuerwerk hat er den Chinesen Ding Junhui mit 17-15 geschlagen und damit bei seinem Debüt im Crucible Theatre das WM-Finale erreicht. Trump trifft dort auf den dreimaligen Champion John Higgins, der sich in einem spannenden, aber bei weitem nicht so hochklassigen Halbfinale mit 17-14 gegen Mark Williams durchkämpfte.

Im Finale, das am Sonntag und Montag über vier Session im Modus Best of 35 Frames ausgetragen wird, kommt es also zum Treffen der Generationen. Der erfahrene, aber in Sheffield nicht in Topform spielende Higgins gegen den blutjungen, aber grandios aufgelegten Trump. Ein reizvolles Duell der Gegensätze, das die Frage aufwirft, ob sich Erfahrung oder Jugend durchsetzt.

Trump und Ding begeistern im Halbfinale

Geht man stur nach den Leistungen im Halbfinale, dann ist Trump der klare Favorit. Er und Ding spielten derart Aufsehen erregend, dass Ex-Weltmeister Dennis Taylor bei der "BBC" schwärmte: "Das war eines der besten Halbfinals, das ich je gesehen habe."

Trump und Ding hauten sich ein hohes Break nach dem anderen um die Ohren, ohne dabei aber das Safety-Spiel zu vernachlässigen. Es war eine komplette Partie, die die Fans über alle vier Sessions hinweg begeisterte.

Der erst 21-jährige Trump, der nach Stephen Hendry nun der zweitjüngste WM-Finalist aller Zeiten ist, zeigte zum ersten Mal im davor problemlos verlaufenen Turnier Kampfgeist, als er von einem zwischenzeitlichen 7-10-Rückstand zurückkam und vor der letzten Session zum 12-12 ausglich. Auch beim 14-15 in der letzten Session behielt Trump die Nerven und gab danach keinen einzigen Frame mehr ab.

Trump glaubt fest an Titelgewinn

"Beim Stand von 14-14 dachte ich nicht, dass es mein Tag werden würde, aber ich habe mich reingehängt und gedacht: 'Du bist jetzt so weit gekommen und hast dein ganzes Leben für diesen Moment trainiert.' Da konnte ich doch nicht einfach so aufgeben", sagte Trump.

Mit Blick auf das große Finale gegen Higgins sagte er: "Je länger mein Lauf andauert, desto größer wird mein Selbstvertrauen. Schon das Turnier zu erreichen, war ein Erfolg, aber nachdem ich die China Open gewonnen hatte, kam ich mit der Einstellung hierher, das Turnier zu genießen und zu gewinnen. Daran glaube ich immer noch."

Higgins kommt nach "Wendepunkt" zurück

Kann Higgins Trumps Serie von nun elf Siegen in Folge beenden? Im Halbfinale gegen Williams sah es nicht so aus. Higgins machte wie schon im Viertelfinale gegen Ronnie O'Sullivan in den ersten Sessions viele Fehler und hatte immer wieder Probleme im Breakbuilding.

5-9 lag er gegen einen solide, wenn auch nicht überragend spielenden Williams zurück. Der Schotte hatte sogar die Chance, auf 10-5 wegzuziehen, was selbst für den Kämpfer Higgins schwer aufzuholen gewesen wäre, aber er schaffte es nicht. "Das war ein großer Wendepunkt", gab Higgins nach dem Spiel zu.

Große Erleichterung bei Higgins

Danach war es Williams, der ungewohnt viele leichte Fehler einstreute und die Kontrolle über das Match völlig verlor. Nach dem Ende der dritten Session lag Higgins plötzlich 13-11 vorne. Diesen Vorsprung brachte er teils mit starken Breaks, teils mit Nervenstärke in zerfahrenen Frames über die Zeit. Seine Jubelgeste mit ausgestrecktem rechten Arm verriet unglaubliche Erleichterung.

"Ich kann nicht glauben, dass ich das Spiel gewonnen habe", sagte Higgins. "Wir haben beide Chancen vergeben, weil wir den hohen Druck gespürt haben. Ich habe gewusst, dass ich Bälle verschießen würde und habe gehofft, er würde das gleiche tun." Seine Hoffnung wurde erfüllt.

Higgins lobt Trump in höchsten Tönen

Wird sie das auch im Finale gegen Trump? "Das wird ein unglaubliches Finale werden. Judd locht und locht und locht - sogar, wenn man ihm den Spieball direkt an die Bande legt", sagte Higgins und lobte: "Er ist ein toller Kerl und großartig für den Sport. Ich freue mich sehr auf das Finale."

Bewundernd zusehen will Higgins Trump aber sicher nicht. Schließlich könnte er mit dem vierten Titelgewinn alleiniger Dritter der ewigen Bestenliste hinter Stephen Hendry und Steve Davis werden.

Und es wäre töricht von Trump, Higgins in der besonderen Situation eines WM-Finals zu unterschätzen.

Das WM-Viertelfinale auf SPOX

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