Niefnecker plant Titelverteidigung

SID
Samstag, 15.01.2011 | 11:35 Uhr
Der Eiskanal im Münchner Olympiapark ist knapp 400 Meter lang
© Getty
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Heute fällt im Münchner Olympiapark der Startschuss zur WM im Red Bull Crashed Ice. Favorit vor 25.000 Zuschauern ist der amtierende Weltmeister Martin Niefnecker aus Garmisch.

Er spielt seit 15 Jahren Eishockey, ihm wurden schon fünfmal die Vorderzähne ausgeschlagen, und eigentlich sollte er nicht mehr zu schocken sein. Trotzdem war für Martin Niefnecker der Start bei der Weltmeisterschaft im Red Bull Crashed Ice (RBCI) im vergangenen Januar das "Brutalste, was ich je erlebt habe".

Seinem Spitznamen "Destroyer" machte der 20-Jährige aber alle Ehre: Mit einem Sieg bei der Deutschlandpremiere in München legte er die Basis für seinen späteren Titelgewinn - heute (18 Uhr) soll das wieder klappen.

"Ich bin Adrenalin-Junkie"

"Ich bin Adrenalin-Junkie", sagt Niefnecker über sich selbst. Das muss er auch sein. Der knapp 400 Meter lange Kurs durch den Eiskanal, der inmitten des Münchner Olympiaparks auf einer 15 Meter hohen Rampe und vor allem mit 70 Prozent Gefälle beginnt, ist definitiv nichts für Eisprinzessinnen.

"Ich brauch den Kick ab und zu, ich war schon immer so", sagt Niefnecker und lacht. Sich selbst sieht er als perfekten Fahrer: "Mir liegt der Sport, weil ich schon immer auf Schlittschuhen unterwegs bin und auch gut Skifahren kann. Ich bringe alle Anlagen mit."

"Nur mal ausprobieren"

Vor zwei Jahren zog es Niefnecker aus dem beschaulichen Garmisch-Partenkirchen am Fuße der Zugspitze in die aufregende Welt der Ice-Crasher: "Ich wollte es nur mal ausprobieren", sagt der stolze Bayer.

Bei der diesjährigen Tour tritt das Showtalent in München, Valkenburg (NED), Moskau (RUS) und Quebec (CAN) an, wo Mitte März der Weltmeister gekürt wird. Besonders freut sich Niefnecker auf den Stop in Russlands Haupstadt, weil es "dort so hübsche Mädels gibt". Erstmal steht aber die Station in München an, wo am Samstag rund 25.000 Zuschauer erwartet werden.

Ice Cross Downhill ist eine Mischung aus Eishockey, Boardercross und Ski-Abfahrt und lebt von seiner Vielseitigkeit. Das hohe Starttempo muss auf den anspruchsvollen Tracks für Sprünge und Steilkurven kontrolliert werden.

Trotzdem sind Zusammenstöße und auch Verletzungen im Duell Mann gegen Mann keine Seltenheit. Darüber will Niefnecker aber gar nicht nachdenken: "Wenn ich davor Angst hätte, würde ich nicht weit kommen in dem Sport."

Mutter konnte nicht zuschauen

Dass aber zumindest Freunde und Familie die Augen zukneifen müssen, wenn er sich im Kampf mit drei weiteren Waghalsigen in den Kurs stürzt, kann der extrovertierte 20-Jährige nachvollziehen.

Seine Mutter konnte anfangs gar nicht zuschauen, "inzwischen geht es", sagt Niefnecker. Vom Eishockey sei sie eh schon einiges gewohnt: Seit seinem fünften Lebensjahr spielt der gelernte Anlagen-Mechaniker beim oberbayerischen EC Peiting. Momentan verteidigt er in der Oberliga - im Eiskanal steht er eher für bedingungslosen Angriff.

Zumindest in den vergangenen Monaten war die Puck-Jagd aber zweitrangig. Zwar werden die Crashed-Ice-Rennen von den meisten Teilnehmern als Spaßveranstaltung gesehen, für den ehrgeizigen Niefnecker ist der Sport aber schon lange mehr.

"Ich habe mir sechs Wochen Urlaub genommen, damit ich jetzt trainieren kann", sagt der Mann, der bei seiner Mission Titelverteidigung nichts dem Zufall überlassen will: "Die Konkurrenz schläft nicht." Besonders die Kanadier und Schweizer unter den 170 Teilnehmern in München werden als stark eingeschätzt.

Der Einzelkämpfer ist gefragt

Niefnecker war deshalb in den letzten Wochen viel auf der neu errichteten Trainingsstrecke im österreichischen Waidring und auf Skipisten unterwegs. "Dass man so viel können muss", sei ohnehin das Faszinierende an der Sportart. Außerdem sieht Niefnecker sich sowieso eher als "Einzelkämpfer": "Ich muss mich hier auf niemanden verlassen wie bei Eishockey. Wenn ich's verbock, bin ich selber schuld."

"Verbocken" ist in dieser Saison verboten: Ein Ausscheiden vor seinen Fans beim Münchner Rennen ist für Niefnecker definitiv "das Schlimmste, was passieren kann". Zu schön sind die Erinnerungen an den unverhofften Premieren-Sieg."Wir haben drei Tage bei uns daheim in der Wirtschaft Party gemacht", berichtet das selbst ernannte "Feierbiest". All seine Freunde haben an der Strecke mitgefiebert: "Faszinierend, was das Event für eine Anziehungskraft hat."

Gar 120.000 Zuschauer verfolgten Niefneckers Triumph in Quebec, der Champion sieht aber noch mehr Potenzial. "Ich habe von der Debatte gehört, Ice Cross Downhill olympisch zu machen", sagt Niefnecker. Als Weltmeister wird man ja ein bisschen träumen dürfen.

Sensationssieg von Martin Niefnecker

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