Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim

Die Starting Five der Zukunft

Von Adrian Bohrdt
Dienstag, 13.04.2010 | 12:00 Uhr
Philipp Neumann wechselte im Herbst 2009 von den Franken Hexern zu den Brose Baskets
© Imago
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Beim renommierten Albert-Schweitzer-Turnier spielten die größten Talente der Welt vor - und SPOX war dabei. Im All-Star-Team stehen der deutsche David Lee und Caron Butler in Mini-Form.

Das Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Events im internationalen Jugend-Basketball. Hier geben sich die Scouts die Klinke in die Hand und beobachten die Superstars von morgen. Spieler wie Magic Johnson, Dirk Nowitzki, Pau Gasol oder Tony Parker spielten alle schon beim "AST".

Die 25. Ausgabe des Turniers war geprägt von positiven Überraschungen aus deutscher Sicht. Insgesamt 28.763 Zuschauer sahen eine deutsche U-17-Mannschaft, die drei Monate vor der Heim-WM in Hamburg einen überraschenden dritten Platz erreichte.

Ebenfalls erfreulich war das Abschneiden der U-18-Mannschaft, die im Halbfinale in einer packenden Partie die USA mit 64:59 besiegte und ins Finale einzog. Auch die Spanier begeisterten mit attraktiven und punktreichen Spielen.

Die größte Sensation war allerdings der Turniersieger aus Australien, der begeisternden und hochattraktiven Basketball bot, immer wieder angepeitscht von einigen australischen Fans, die den weiten Weg mit dem Team angetreten hatten. Im Finale gewann Australien gegen Deutschlands U 18 vor 2.500 Zuschauern verdient mit 68:51 und konnte sich so seinen ersten Titel sichern.

Mit Mitchell Creek stellten die Australier auch den MVP des Turniers. Und natürlich steht auch Creek im All-Star-Team von SPOX:

Point Guard: Jackson Aldridge (Australien)

Ein ungemein interessanter Spieler. Mit 13,0 Punkten war er der zweitbeste Scorer beim Turniersieger, außerdem verbuchte er 3,9 Assists und 4,9 Rebounds. Und das bei einer Größe von nur 1,85 Metern.

Stärken: Ein unermüdlicher Arbeiter. Hat einen explosiven Antritt und spielt mit viel Übersicht und der gewissen Portion Raffinesse. Zudem zieht Aldridge selbst oft zum Korb und sucht den eigenen Abschluss.

Schwächen: Der einzige Schwachpunkt war seine Sprungkraft - woran er angesichts seiner geringen Größe unbedingt arbeiten muss.

Vergleich: Es gibt Parallelen zu Jason Kidd. Die Passsicherheit, der Basketball-IQ, das robuste Spiel.

Shooting Guard: Evan Fournier (Frankreich)

Topscorer des Turniers mit 22,7 Punkten. Der 18-Jährige leistete sich nur eine schlechte Partie, in der Zwischenrunde gegen Griechenland, als die Mannschaft insgesamt einen schwachen Tag erwischt hatte.

Stärken: Sehr dynamischer und schneller Spieler. Starker und kaum zu verteidigender Zug zum Korb. Seine Antizipation und sein Auge für die Mitspieler sind weitere große Stärken. Er ist ein Teamplayer, der aber auch selbst viele Punkte macht.

Schwächen: Gelegentlich wirkt Fournier noch zu lethargisch. In wichtigen Spielen muss er noch mehr Verantwortung übernehmen und mehr in die Defensivarbeit investieren. Weiteres Manko: die Laufbereitschaft.

Vergleich: Kevin Martin. Genau wie Martin ist Fournier ein Spieler, der über das Scoring in eine Partie findet.

Small Forward: Ryan Jamar Boatright (USA)

Mit 1,82 Metern der kleinste Spieler im Team der USA, aber auch mit Abstand der auffälligste. 19,6 Punkte bedeuten hinter Fournier Platz zwei in der Scorerliste. Erstaunlich für seine Größe: sein Rebound-Schnitt von 4,9.

Stärken: Boatright zuzuschauen macht Spaß, er legt eine unglaubliche Spielfreude an den Tag. Seine geringe Größe macht er mit enormer Sprungkraft wieder wett. Boatright ist extrem schnell, wendig und trickreich, für die Gegner kaum zu fassen. In der Defense hat er eine sehr gute Antizipation, demzufolge verbucht er auch viele Steals (2,1). Er war bei den USA der Fixpunkt: War er nicht auf dem Feld, lief oft nicht viel zusammen.

Schwächen: Viel zu klein als Small Forward und Shooting Guard, seine Zukunft kann aufgrund seiner Größe nur auf der Point-Guard-Position liegen. Aber: Er muss noch an seinem mannschaftsdienlichen Spiel arbeiten und öfter auch den Pass suchen. Ein grundsätzliches Problem bei den US-Boys: Sie haben oft für sich statt für die Mannschaft gespielt.

Vergleich: Caron Butler. Parallelen sieht man beim Antritt, der Beweglichkeit und den Bewegungen.

Power Forward: Mitchell Creek (Australien)

Dass der MVP des Turniers aus Australien kommen würde, hätte vorher wohl niemand gedacht. Creek allerdings erschuftete sich im wahrsten Sinne des Wortes diesen Titel. Mit 17,3 Punkten hatte er großen Anteil am Triumph seiner Mannschaft.

Stärken: Der 1,95 Meter große Creek ist ein Arbeitstier. Er lebt von seinem athletischen Spiel, ist sehr robust und stellt sich voll in den Dienst der Mannschaft. Dazu kommen seine enorme Laufbereitschaft und natürlich sein Scoring. Creek kann sich blitzartig von seinen Gegnern lösen, verfügt über eine gute Sprungkraft und ist unter dem Korb eine echte Waffe.

Schwächen: Die Defense. In manchen Situationen zu unbeweglich und ohne das richtige Timing. Erstaunlich, denn am offensiven Brett wirkt er wesentlich agiler.

Vergleich: Ähnlich wie LaMarcus Aldridge ist Creek stark beim Punkten und Rebounding (6,7).

Center: Philipp Neumann (Deutschland)

Der unbestritten beste Center des Turniers. 16,6 Punkte und 10,0 Rebounds sprechen eine deutliche Sprache.

Stärken: Der 2,10-Meter-Hüne ist ein Leadertyp. Er führte die Mannschaft, übernahm Verantwortung. Unter dem Korb ist Neumann sehr aggressiv und holt sich viele Bälle. Sein starker Zug zum Korb und sein extrem physisches, robustes Spiel sorgten dafür, dass Neumann in fünf von sieben Spielen die meisten Punkte für seine Mannschaft erzielte.

Schwächen: Neumann sollte sein Temperament zügeln. Er fängt immer wieder an, unnötig mit den Schiedsrichtern zu diskutieren. Außerdem muss er sich noch mehr in das Teamgefüge einordnen. Er ist zwar der Star, dennoch kritisiert er zu oft lautstark seine Mitspieler oder will unbedingt selbst punkten und übersieht dabei einen besser postierten Teamkollegen.

Vergleich: David Lee. Viele Punkte, viele Rebounds, regelmäßige Double-Doubles, alles gepaart mit gutem Einsatz.

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