Dienstag, 02.03.2010

Kalle Sauerland im Interview

"Unser Ziel: Die Eroberung der USA"

Am Sonntagabend war er einer der Gäste bei der Feier zum 70. Geburtstag seines Vaters Wilfried Sauerland. Doch schon jetzt kommt Kalle Sauerland eine Hauptrolle zu: Als Promoter und Erfinder des Super-Six-Turniers ("Die Champions League des Boxens") ist er bereits jetzt einer der mächtigsten Männer des Boxsports. Sein Masterplan: Die Eroberung der USA.

Kalle Sauerland (r.) mit seinem Schützling Arthur Abraham beim Super-Six-Turnier
© Getty
Kalle Sauerland (r.) mit seinem Schützling Arthur Abraham beim Super-Six-Turnier

SPOX: Klitschko-Manager Bernd Bönte verkündete jüngst, dass ein Kampf zwischen Nikolai Walujew und Vitali Klitschko geplatzt sei. Gibt es tatsächlich keine Chance mehr?

Kalle Sauerland: Wir müssen unser weiteres Vorgehen erstmal intern weiter besprechen, aber ein Fight zwischen beiden hat für alle Parteien so viele Vorteile, dass sich eine Lösung sicherlich finden lässt. Als Promoter wie auch als Box-Fan sage ich: Der Kampf muss kommen.

SPOX: Wie sehr werden die Verhandlungen dadurch erschwert, dass Sie die Rechte an Walujew zu 50 Prozent mit Don King teilen, der angeblich zu hohe finanzielle Forderungen stellt?

Sauerland: Wenn es nur einen Entscheidungsträger geben würde, wäre natürlich vieles einfacher. In der Branche gewöhnt man sich jedoch schnell daran, dass sich einem viele Hindernisse auftürmen und dennoch am Ende eine faire Lösung für alle gefunden wird.

SPOX: Wie ist es, mit King zu arbeiten und zu verhandeln?

Sauerland: Im Grunde ist jeder Tag mit ihm einzigartig. Er ist die Definition eines Promoters, er könnte selbst einen Kampf zwischen Ihnen und mir so vermarkten, dass jede Halle der Welt voll wird. Da ist viel Genie dabei. Wer mit ihm am Verhandlungstisch sitzt, muss aber auch Geduld mitbringen.

SPOX: Inwiefern?

Sauerland: Ich kann mich sehr gut an unser erstes Treffen erinnern. Ich musste am Anfang ohne Pause reden, weil er in seinem Stuhl saß und einfach nichts sagen wollte. Zehn Minuten später fing er plötzlich an: Aber anstatt an dem, was ich zuletzt gesagt hatte, anzuknüpfen, sprach er über Vertragsdetails, die ich zu Beginn des Monologs erwähnt hatte. Er hatte offenbar die zehn Minuten damit verbracht, die Zahlen im Kopf hin und her zu jonglieren und eine Entscheidung zu treffen. Mich hat es einerseits irritiert, andererseits aber auch fasziniert. Die Art, wie er denkt, ist einmalig.

SPOX: Und was halten Sie vom Klitschko-Management?

Sauerland: Die Verhandlungen sind in der Regel hart, aber fair.

SPOX: Wäre ein im Vorfeld vereinbarter Rückkampf zwischen Walujew und Klitschko eine Option, so dass Sauerland-Sender "ARD" und Klitschko-Sender "RTL"  jeweils einen Fight zeigen könnten?

Sauerland: Das ist eine interessante Idee, aber Nikolai und Vitali sind wohl zu alt, um schon vor dem ersten Kampf sofort einen zweiten Kampf zu vereinbaren.

SPOX: Was passiert, wenn der Fight nicht zustande kommt? Es heißt, Walujew hätte eine Option auf einen Rückkampf gegen David Haye.

Sauerland: Für Walujew und Klitschko wäre ein Fight gegeneinander bei weitem der interessanteste Kampf.

Arthur Abraham - eine Karriere in Bildern
Der in Eriwan geborene Arthur Abraham bestritt 2003 sein Debüt als Profi-Boxer
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Berlin, Juni 2009: Abraham besiegt Mahir Oral beim IBF -Titel-Kampf. Es war der 30. Sieg im 30. Kampf
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Arthur Abraham (r.) und sein Coach Ulli Wegner (l.) nach dem Sieg über Lajuan Simon im März 2009 in Kiel
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Nadar Hamdan (r.) war 2004 nur ein Durchlaufposten für King Arthur
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Der IBF-Titel war 2005 vakant, nachdem der Gürtel pikanterweise dem US-Amerikaner Jermain Taylor aberkannt worden war...
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Und Arthur Abraham nutzte gegen Kingsley Ikeke seine Chance und wurde zum ersten Mal Weltmeister im Mittelgewicht
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Dominanz pur: Arthur Abraham besiegte 2005 Howard "Battersea Bomber" Eastman klar nach Punkten
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Howard Eastman (l.) beschwertet sich über die Entscheidung - dabei war Arthur Abraham der eindeutig bessere Boxer
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Zu Beginn seiner Karriere stieg Arthur Abraham noch als "Schlumpf-Boxer" in den Ring
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Der Schlumpf wird aristokratisch. Mittlerweile ist Abraham nur noch bekannt als "King Arthur"
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Arthur Abraham, die Legende. Acht Runden kämpfte er gegen Edison Miranda mit einem gebrochenen Kiefer - und gewann!
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Posen an der Ostsee: Arthur Abraham mit seinem späteren "Opfer" Elvin Ayala in Kiel 2007
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King Arthur - Deutschlands größter Box-Star. Gewinnt er auch das Super-Six-Turnier?
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King Arthur - Deutschlands größter Box-Star. Gewinnt er auch das Super-Six-Turnier?
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Es war der perfekte Auftakt ins Super-Six-Turnier: Am 17.10.2009 besiegte Abraham Jermain Taylor in Berlin durch K.o.
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Die schwärzeste Stunde in Abrahams Karriere. Gegen Andre Dirrell wird er in der 11. Runde wegen Nachschlagens disqualifiziert
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Sein letzter Kampf beim Super Six war auch sein schwächster: Gegen Carl Froch unterlag Abraham am 27. November 2010 klar nach Punkten
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SPOX: Aber es stimmt, dass auch David Haye zur Sauerland-Familie gehört.

Sauerland: Das stimmt, wir arbeiten sehr eng zusammen und planen eine langfristige Kooperation.

SPOX: Außerdem hat die "ARD" den Vertrag zwei Jahre vor Ablauf vorzeitig bis 2015 verlängert.

Sauerland: Es könnte nicht besser laufen. Und es hat viel Aussagekraft, wenn ein so wichtiger Partner sich jetzt schon so lange binden will.

SPOX: Ihr früher großer Rivale Universum ist in einer nicht so komfortablen Situation. Sogar über ein Ende des Boxstalls wird spekuliert.

Sauerland: Ich kenne die Situation von Universum nicht im Detail, aber es wird natürlich gemunkelt. Dass das "ZDF" wohl aussteigt, ist bitter. Aber ich bin mir sicher, dass Klaus-Peter Kohl seinen Boxstall wieder in die Spur bringt.

SPOX: Am 27. März steigt mit Arthur Abraham Ihr Aushängeschild wieder in den Ring, diesmal gegen den Amerikaner Andre Dirrell. Haben Sie das Super-Six-Turnier als Plattform für Abraham erfunden, um nach Deutschland auch die USA zu erobern?

Sauerland: Ja - und wir sind auf einem guten Weg dahin. Arthur ist aus dem Holz, aus dem Superstars sind. Sein Kampfstil passt perfekt zu den USA, und er verkauft sich auch menschlich sehr gut. Nicht umsonst sind wir der einzige europäische Boxstall, der einen langfristigen Vertrag mit einem großen amerikanischen TV-Sender hat. Die Klitschkos haben keinen.

SPOX: Mikkel Kessler, Ihr zweites Zugpferd beim Super Six, steht nach seiner Auftakt-Niederlage gegen Andre Ward hingegen unter großem Druck. Am 24. April trifft er auf Carl Froch. Wie geht es ihm?

Sauerland: Mikkel sagt selbst: Jetzt oder nie. Wir müssen hoffen, dass er den letzten Kampf gut verkraftet hat und etwas gegen Froch, den unglaublichen K.o.-Schläger, ausrichten kann. Normalerweise würde Mikkel nach einer solchen Niederlage einen Aufbaugegner bekommen, um wieder Sicherheit zu gewinnen, jetzt muss er sofort von einem Titelkampf in den nächsten. Für Mikkel ist es schwer, aber das ist ja auch das Aufregende am Super Six. Es gibt kein Fallobst, es gibt keine Gnade.

Arthur Abraham Kolumne: "T-Bone-Steak zum Abschied"

Interview: Haruka Gruber

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