"Will erst Haye, dann die Klitschkos"

Von Interview: Pascal Jochem
Mittwoch, 10.03.2010 | 14:27 Uhr
Gegen Ola Afolabi (l.) verteidigte Marco Huck seinen WBO-Titel zum ersten Mal
© Getty
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Am Samstag steigt Marco Huck gegen The Swamp Donkey (Sumpfesel) Adam Richards in den Ring. Zum zweiten Mal verteidigt der Cruisergewichtler seinen im August 2009 erkämpften WBO-Titel. Im Interview mit SPOX spricht Käpt'n Huck über seine Mama, seinen Freund Arthur Wichniarek und verrät, wie er sich seine Karriere im Schwergewicht vorstellt.

SPOX: Marco Huck, am 13. März steigen Sie wieder in den Ring - in Ihrer Wahlheimat Berlin. Ein ganz besonderer Kampf?

Marco Huck: Definitiv. Ich lebe und trainiere hier und es war mein großer Wunsch, dass ich in Berlin kämpfe. Es haben sich schon jede Menge Freunde und Fans angesagt. Außer Mama, die ist nie mit dabei.

SPOX: Ihre Mutter ist nicht live vor Ort? Warum?

Huck: Meine Mutter hat Angst. Die hält es schon kaum zu Hause am Fernseher aus. Sie läuft immer durch die ganze Wohnung, von Zimmer zu Zimmer. Ab und zu schaut sie sich kurz ein paar Szenen an. Aber der Fernseher läuft eigentlich nur nebenbei. So ist sie halt.

SPOX: Dafür hat sich ihr Kumpel Artur Wichniarek von Bundesligist Hertha BSC angekündigt.

Huck: Ja, Artur wird da sein und mich unterstützen. Er interessiert sich sehr für den Boxsport. Ich drücke ihm als Hertha-Fan die Daumen, dass sie den Klassenerhalt noch schaffen. Viele glauben ja nicht mehr daran, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

SPOX: Hoffnungen macht sich auch Ihr Gegner am Samstag, der US-Amerikaner Adam Richards. Wie schätzen Sie ihn ein?

Huck: Er ist ein sehr schlagstarker Boxer, deswegen muss ich auf der Hut sein. Er kommt ursprünglich aus dem Schwergewicht und hat erst zwei Kämpfe im Cruisergewicht bestritten.

SPOX: Welche Taktik haben Sie sich mit Trainer Ulli Wegner zurechtgelegt?

Huck: Ich rechne mit einem Kampf über eine lange Distanz. Richards hat sich auf diesen Fight sehr gut vorbereitet. Ich werde nichts überstürzen, schließlich habe ich Zeit. Mein Ziel ist der K.o., ich will dem Publikum etwas bieten. Aber ob er nun in der ersten oder in der zwölften Runde umfällt, ist ja eigentlich egal.

SPOX: Gemeinsam mit Arthur Abraham, dessen Kampf gegen Andre Dirrell auf den 27. März den verschoben wurde, haben Sie sich unter anderem in den USA auf Ihre Titelverteidigung vorbereitet. Warum dort?

Huck: Vor allem, weil ich mit Trainer Ulli Wegner zusammen sein wollte. Der hat mit Arthur das Trainingslager in Kalifornien absolviert. Und ich konnte davon profitieren und das ganze Feeling mitbekommen.

SPOX: Blieb während der Vorbereitung Zeit, Land und Leute kennenzulernen?

Huck: Ja, schon. Ich habe auch versucht, mein Englisch ein bisschen zu verbessern. Amerika hat unheimlich viel zu bieten. Mit der Trainingsgruppe waren wir in Beverly Hills, in Hollywood und im Kodak Theatre, wo die Oscars verliehen werden. Und im Casino (lacht).

SPOX: Und, haben Sie abgeräumt?

Huck: Ich hab' einen Dollarschein in den Spielautomaten geworfen und gleich 800 Dollar gewonnen. Ich bin eben ein Glückspilz. Da musste ich natürlich dem Team eine Runde ausgeben.

SPOX: In Kalifornien haben Sie in dem Gym trainiert, wo sich auch schon Box-Legende Oscar de la Hoya auf seine Kämpfe vorbereitet hat. Der war Champion in sechs Gewichtsklassen. Auch Sie haben zuletzt mit einem Wechsel ins Schwergewicht geliebäugelt.

Huck: Auf jeden Fall, ich sehe mich in ein bis zwei Jahren im Schwergewicht. Und da werde ich mir dann David Haye vorknöpfen.

SPOX: Warum Haye?

Huck: Ich will unbedingt gegen ihn boxen. Er hat meinen Teamkollegen Nikolai Walujew geschlagen. Aber gegen mich würde er eine Überraschung erleben. Das wäre ein großer Kampf.

SPOX: Aber Haye hat kürzlich verraten, dass er schon 2011 aufhören will. Und im Schwergewicht regieren noch die Klitschkos.

Huck: Die müssen dann als nächstes dran glauben. Erst Haye und dann die Klitschkos. Warum nicht? Einer nach dem anderen.

SPOX: Trauen Sie sich tatsächlich zu, einen der Klitschko-Brüder zu bezwingen - trotz der Größenunterschiede und Reichweitennachteile?

Huck: Die Größe sagt doch nichts aus. Nehmen Sie Mike Tyson, der war auch nicht der Größte. Der hat sie aber in seiner besten Zeit alle verprügelt, nach Strich und Faden. Ich bin ein Mann, stelle mich im Ring und bringe auch die Schlagstärke mit. Ich hatte auch schon Sparringspartner, die 120 Kilo gewogen haben.

SPOX: Viele Cruisergewichtler, wie zuletzt David Haye, wagen den Sprung ins Schwergewicht und sind dort ebenfalls erfolgreich. Sind die Cruisergewichtler die künftigen Superstars im Boxen?

Huck: Ich finde, dass das Cruisergewicht in den letzten Jahren sehr im Kommen ist. Viele Otto-Normal-Verbraucher sind selbst in dieser Gewichtsklasse zu Hause und können sich gut mit den Boxern identifizieren. Und im Cruisergewicht kann es auch sehr spektakulär zugehen. Mein Ziel ist es, alle Gürtel in dieser Gewichtsklasse zu gewinnen - um dann ins Schwergewicht aufzusteigen.

SPOX: Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Noch sind Sie längst nicht so berühmt, wie etwa die Klitschkos. Würden Sie, um Ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, auch in Showkämpfen gegen Oliver Pocher antreten oder bei der Sat.1-Tanzshow mitmachen?

Huck: Ja klar, warum nicht. Obwohl, Oliver Pocher ist zu klein, der geht mir bis zu den Knien (lacht). Ich bin für alles offen, aber man darf natürlich nicht jeden Scheiß mitmachen. Und eigentlich kann ich mich nicht beschweren. Ich habe viele Fans.

SPOX: Werden Sie denn in Berlin auf der Straße erkannt?

Huck: Ja, das passiert häufig. Ich muss immer Autogramme schreiben und für Fotos posieren. Und die jungen Mädels fragen immer nach meiner Telefonnummer.

SPOX: Und, rücken Sie die raus?

Huck: (lacht) Nein, ich bin zwar noch solo, aber meine Nummer gebe ich nicht einfach so weiter. Es sei denn, es steht meine absolute Traumfrau vor mir. Dann müsste ich noch mal überlegen.

Richards erreicht Berlin mit Verspätung

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