Mittwoch, 03.02.2010

Leichtathletik

Skah beschuldigt Regierungsstellen Norwegens

10.000-m-Olympiasieger Khalid Skah beschuldigt im Falle der Entführung seiner Kinder Regierungsstellen Norwegens. Die Außen- und Verteidigungsminister wiesen die Vorwürfe zurück.

Khalid Skah holte bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold
© sid
Khalid Skah holte bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold

Die angebliche Entführung der Kinder von 10.000-m-Olympiasieger Khalid Skah von Marokko nach Norwegen entwickelt sich immer mehr zu einer Räuberpistole und beschäftigt nun auch höchste Regierungsstellen.

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz wiesen der norwegische Außenminister Jonas Gahr Störe und Verteidigungsministerin Grete Faremo nun jegliche Beteiligung der Regierung zurück.

Im vergangenen Jahr hatten zwei Soldaten der norwegischen "Special Forces" im Auftrag von Skahs norwegischer Ex-Frau Anne Cecilie Hopstock die gemeinsamen Kinder Selma (16) und Tarik (13) mit einem kleinen Segelboot aus Marokko herausgeschmuggelt.

Offiziell seien die beiden Soldaten "im Urlaub" gewesen und hätten ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten gehandelt. Es wurde lediglich bestätigt, dass sich die beiden Kinder für drei Tage in der Botschaft aufgehalten haben, weil um ihre Sicherheit gefürchtet wurde.

Flucht war eigene Entscheidung

In einem TV-Interview mit dem norwegischen Fernsehsender TV 2 bestritten beide Kinder jedoch, gegen ihren Willen das nordafrikanischen Land verlassen zu haben. "Es war unsere eigene Entscheidung zu flüchten", sagte Tarik und seine Schwester ergänzte:

"Wir konnten nicht zur Schule gehen und ein normales Leben führen." Skah erwiderte daraufhin gegenüber der Nachrichtenagentur afp, dass seine Kinder von der norwegischen Regierung und ihrer Mutter "manipuliert" werden würden.

Der Goldmedaillengewinner von Barcelona 1992 beschuldigt stattdessen einen norwegischen Diplomaten der Botschaft in Rabat, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Beide Elternteile haben in ihren jeweiligen Heimatländern das Sorgerecht für die Kinder.

Schwere Vorwürfe gegen norwegische Regierung

"Diese Aktion wurde vom norwegischen Außenminister und seinen Leuten geplant. Sie haben das Volk belogen. Störe hat alles gewusst", sagte Skah dem norwegischen Fernseh- und Radiosender NRK: "Die offiziellen Stellen haben nun die Verantwortung, die Kinder zurückzubringen."

Seine Ex-Frau, die mittlerweile ein Buch über die Entführung geschrieben hat, hatte zuvor ihrerseits Skah wegen Kindesentführung, Körperverletzung und Bedrohung angezeigt.

Zusätzlich soll Skah nach Aussage eines der beteiligten Soldaten ihm und der Mutter einen Monat vor der Entführung "mit Schusswaffen gegenübergetreten" sein. "Das war eine dramatische Situation", wird der norwegische Offizier mit dem Decknamen "Petter" in Hopstocks Buch zitiert.

Marokkanisches Außenministerium fordert juristische Konsequenzen

Mittlerweile haben sich auch das marokkanische Außenministerium und der Botschafter in Norwegen in den Fall eingeschaltet. Das Ministerium forderte die norwegische Regierung auf, die Beteiligten juristisch zu belangen.

Der marokkanische Botschafter in Norwegen, Ahdih Bouchaab, verlangte die Offenlegung der Namen der an der Tat beteiligten Personen.

"Leute, die an Menschenschmuggel beteiligt waren, dürfen nicht geschützt werden", sagte Bouchaab: "Denken Sie mal daran, was passieren würde, wenn marokkanische Offiziere dies in Norwegen machen würden..."

Skah verspricht hohe Prämie für Rückführung der Kinder

Skah hingegen vertraut allerdings nicht nur der Diplomatie. Der 43-Jährige hat mittlerweile eine Prämie von umgerechnet 360.000 Euro für denjenigen ausgesetzt, der Sohn und Tochter nach Marokko zurückbringt.

Die Affäre könnte sogar noch weitere Kreise ziehen. In der norwegischen Tageszeitung Aftenposten erklärte ein anonymer norwegischer Offizier, es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Kinder aus Marokko nach Norwegen entführt worden seien.

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