Schaffartzik alias Mister 100 Prozent

Von Haruka Gruber
Mittwoch, 16.09.2009 | 15:16 Uhr
Auf Augenhöhe mit Top-Playmakern wie Vasilis Spanoulis (r.): Heiko Schaffartzik
© Imago
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"In Heiko we trust": Obwohl Deutschland nach der fünften Niederlage im sechsten Spiel das Viertelfinale verpasst hat, macht die EM Hoffnung auf eine goldene Zukunft. Für einige Veteranen droht die Degradierung, dafür zeichnet sich ein neuer Backcourt ab. Die Einzelkritik der deutschen Nationalmannschaft.

Center

Patrick Femerling (ohne Verein, 34 Jahre)

EM-Statistik: 9,3 Punkte, 62,9 Prozent Wurfquote, 3,8 Rebounds, 1,0 Blocks, 21,2 Minuten

Über keinen deutschen Basketballer kann man sich derart vortrefflich aufregen wie über Femerling und dessen grenzwertige Dribblings. Aber: Kaum jemand hätte es für möglich gehalten, wie wertvoll er doch noch sein kann. Vor allem europäische Old-School-Center hatten ihre Probleme mit dessen Defense und Post-Moves, zudem traf Femerling - vom Russland- und Lettland-Spiel abgesehen - hochprozentig.

Kleiner Kritikpunkt: Mit aggressiverem Rebounding hätte Kroatien nicht so viele offensive Bretter abgreifen können. Dennoch in der Form eine Bereicherung für jeden ambitionierten BBL-Klub. SPOX-Durchschnittsnote: 3,5.

 

Tim Ohlbrecht (Telekom Baskets Bonn, 21 Jahre)

EM-Statistik: 5,0 Punkte, 52,9 Prozent Wurfquote, 2,2 Rebounds, 0,3 Blocks, 11,5 Minuten

Der erhoffte Durchbruch blieb aus, war nach dem verlorenen Jahr in Bamberg aber auch nicht unbedingt zu erwarten. Zeigte in einigen Szenen sein immenses Potenzial, leider aber auch seine immense Nervosität. Etwa dann, wenn er dank seiner Athletik und Koordination am Gegner vorbeizog, den Layup jedoch vorbeilegte. Zudem extrem foulanfällig (3,5 Fouls in 11,5 Minuten!) und mit ausbaufähiger Dreierquote (1 von 5).

Mit etwas mehr Muskeln und mentaler Reife dennoch der kommende Mann auf der Center- und Power-Forward-Position. Gegen Mazedonien bereits einer der Besten (12 Punkte und 3 Rebounds in 14 Minuten). SPOX-Durchschnittsnote: 3,8.

 

Tibor Pleiß (Brose Bamberg, 19 Jahre)

EM-Statistik: 1,3 Punkte, 50,0 Prozent Wurfquote, 1,0 Rebounds, 0,0 Blocks, 4,0 Minuten

Rohdiamant - mit Betonung auf roh. Er bringt die Größe (2,15 Meter), das Ballgefühl und die koordinativen Fähigkeiten für einen internationalen Top-Center mit, dafür muss er aber schleunigst an den Spargelärmchen arbeiten. Im einzig benoteten Spiel gegen Griechenland deutete er in 9 Einsatz-Minuten seine Skills an, wurde jedoch auch von seinem 10 Zentimeter kleineren, dafür 40 Kilogramm schwereren Gegenspieler Sofoklis Schortsanitis das ein oder andere Mal einfach weggeräumt.

Wird nächste Saison in Bamberg vom toughen Coach Chris Fleming trainiert. Ohlbrecht kam mit dessen Attitüde nicht klar, hoffentlich ergeht es Pleiß besser. SPOX-Durchschnittsnote: 3,0

 

Power Forward

Jan Jagla (ohne Verein, 28 Jahre)

EM-Statistik: 9,3 Punkte, 37,9 Proz. Wurfquote, 28,6 Proz. Dreier, 6,3 Rebounds, 21,2 Minuten

Hat Jagla den Ruf als ewiges Talent abgestreift? Gegen Frankreich: nein. Gegen Russland und Lettland: ja. Gegen Griechenland und Mazedonien: nein. Gegen Kroatien: jein. Es fehlte schlicht die Konstanz. Obwohl ihn der Wurf im Stich ließ, feuerte er fast genauso häufig von Downtown (28 Mal) wie in der Zweipunkt-Zone (29 Mal).

Sein Problem: Er kann nur gewissenlos ballern, weil er sich wegen seiner Schnelligkeitsdefizite keinen Wurf kreieren kann. Ähnlich unzuverlässig die Defense. Mal entschlossen und bissig (gegen Russland: 11 Rebounds, 2 Blocks), mal unkonzentriert und passv (gegen Kroatien: 5 Rebounds, 0 Blocks). Wird aus der ersten Fünf fallen, wenn Nowitzki zurückkehrt. SPOX-Durchschnittsnote: 3,3.

 

Sven Schultze (ohne Verein, 31 Jahre)

EM-Statistik: 6,2 Punkte, 42,9 Proz. Wurfquote, 40,0 Proz. Dreier, 3,5 Rebounds, 19,5 Minuten

Der typische Rollenspieler. Erfüllte seine Aufgaben zufriedenstellend, führte das Team und versenkte Dreier. Begann stark gegen Frankreich (13 Punkte, 6 Rebounds), pendelte sich daraufhin auf einem mittelmäßigen Niveau ein.

Mit 31 Jahren jedoch schon über dem Zenit, vor allem wegen seines langsamen ersten Schritts ist er am eigenen Brett ein Sicherheitsrisiko (3,7 Fouls) - und vorne quasi nicht existent, wenn er an der Dreierlinie keinen Wurf bekommt. Zukünftig vielleicht eine Option als zwölfter Mann. SPOX-Durchschnittsnote: 3,7.

 

Small Forward

Robin Benzing (ratiopharm Ulm, 20 Jahre)

EM-Statistik: 5,5 Punkte, 53,3 Proz. Wurfquote, 33,3 Proz. Dreier, 1,7 Rebounds, 17,7 Minuten

Der perfekte Small Forward: spielintelligent, lange Arme, schnelle Beine, überragende Penetration, gutes Ballhandling, ordentlicher Wurf. Wirkte zu Beginn des Turniers eingeschüchtert, erlebte seine Coming-out-Party ausgerechnet gegen Gold-Kandidat Griechenland (16 Punkte). Seine Drives zum Korb hatten den Flair von Michael Jordan, derart elegant sah es aus.

Wechselte im Sommer nach Ulm und wird wohl massig Minuten bekommen, um zu einem Weltklasse-Forward zu reifen. Ein bisschen mehr Muskelmasse könnten sogar schon reichen. Der deutsche Traum-Frontcourt der Zukunft heißt Kaman-Nowitzki-Benzing. SPOX-Durchschnittsnote: 3,3.

 

Elias Harris (Gonzaga University/USA, 20 Jahre)

EM-Statistik: 2,2 Punkte, 42,9 Proz. Wurfquote, 100,0 Proz. Dreier, 2,3 Rebounds, 12,3 Min.

Spielte von Power Forward bis Shooting Guard drei Positionen, beeindruckte mit überragender Athletik und vorbildlicher Kettenhund-Mentalität. Ließ nur in einigen überhasteten Aktionen durchblicken, dass er letzte Saison noch in der dritten Liga gespielt hat.

Wenn er sich an der Gonzaga University Spielübersicht und einen soliden Wurf aneignet, könnte aus ihm der neue Sixth Man des DBB-Teams werden, ähnlich wie Brandon Bass bei den Dallas Mavericks vergangenes Jahr. SPOX-Durchschnittsnote: 3,5.

 

Konrad Wysocki (Turow Zgorzelec/Polen, 27 Jahre)

EM-Statistik: 1,3 Punkte, 75,0 Proz. Wurfquote, 0,0 Proz. Dreier, 1,8 Rebounds, 9,3 Minuten

Hat von seiner vorbildlichen Einstellung abgesehen keine besonders augeprägte Begabung. Wurde dementsprechend nur eingesetzt, um den Rotationsspielern Verschnaufpausen zu geben. So unspektakulär sein Spielstil, so unspektakulär seine EM.

Wird es angesichts weiterer aufstrebender Talente schwer haben, zukünftig für das DBB-Team berücksichtigt zu werden. Immerhin: Wegen seiner polnischen Herkunft und seines Wechsels zum polnischen Vizemeister Turow war er der umworbenste Interview-Partner der dortigen Medien. SPOX-Durchschnittsnote: 3,8.

 

Shooting Guard

Demond Greene (ohne Verein, 30 Jahre)

EM-Statistik: 8,3 Punkte, 40,9 Proz. Wurfquote, 33,3 Proz. Dreier, 2,0 Rebounds, 25,5 Minuten

Die einst vorzügliche Athletik ist ihm abhanden gekommen, so dass Greene zu einem reinen Dreier-Spezialisten mutiert ist. Den Drive zum Korb hat er fast komplett aus dem Repertoire gestrichen.

War jedoch immerhin der zuverlässigste Routinier im Kader, hatte aber ausgerechnet im Kroatien-Spiel einen Ausreißer nach unten (0 von 7 aus dem Feld). Wird bei Bauermann zumindest als Ergänzungsspieler mittelfristig eine wichtige Rolle einnehmen, sollte er sich zum Weitermachen entschließen. SPOX-Durchschnittsnote: 3,5.

 

Lucca Staiger (Iowa State University/USA, 21)

EM-Statistik: 5,0 Punkte, 100,0 Proz. Wurfquote, 57,1 Proz. Dreier, 1,2 Rebounds, 13,0 Min.

Deutschlands Zukunft auf der Shooting-Guard-Position. Bringt mit seinem herausragenden Wurf, überdurchschnittlichen Basketball-IQ und ordentlicher Defense alles für eine große Karriere mit. War anfangs nervös und verkrampft, blühte erst in den letzten beiden EM-Spielen auf, als er 6 von 8 Dreier versenkte.

Muss zukünftig aber an seiner Penetration arbeiten, um nicht als eindimensionaler Distanzschütze abgestempelt zu werden. Bei der EM nahm er nur zwei Würfe in der Zweipunkt-Zone. SPOX-Durchschnittsnote: 3,2

 

Point Guard

Steffen Hamann (Alba Berlin, 28 Jahre)

EM-Statistik: 4,8 Punkte, 33,3 Proz. Wurfquote, 20,0 Proz. Dreier, 3,8 Assists, 21,5 Minuten

Die größte Enttäuschung. Schlimmer noch: Hamann machte in der Entwicklung einen Schritt zurück. Der zuvor schon unansehnliche Dreier verkam endgültig zu einem Schandfleck. Unglaublich, wie selbst offenste Würfe teilweise nicht einmal den Ring berührten.

Die Gegenspieler konnten so Hamann bis zu zwei, drei Meter Platz lassen - mit dem Ergebnis, dass Hamann nur selten seine einzige Waffe, den Drive, einsetzen konnte. In Anbetracht der offensiven Limitiertheit und der mittelmäßigen Defense des sonst als Edel-Verteidiger bekannten Hamann scheint seine Zeit als Starting-Point-Guard abgelaufen zu sein. SPOX-Durchschnittsnote: 4,2.

 

Heiko Schaffartzik (Phantoms Braunschweig, 25 Jahre)

EM-Statistik: 12,7 Punkte, 36,4 Proz. Wurfquote, 54,8 Proz. Dreier, 3,8 Assists, 24,0 Minuten

Der Name verspricht keinen Glamour, aber das hat ja schon bei Dirk Nowitzki nicht geschadet. Schaffartzik ist das neue Aushängeschild des deutschen Basketballs. Das Fach-Magazin "FIVE" twitterte passsend: "In Heiko we trust."

Seine 100-prozentigen Quoten gegen Griechenland und Kroatien versprühten einen Hauch Magie. Sein Paket umfasst einen tödlichen Wurf, geniale Steve-Nash-Pässe und die richtige Portion Gewitztheit. Etwas mehr strategisches Verständnis, und er wird ein Spielmacher erster Güte. Wer weiß, bei welchem europäischen Topteam er gelandet wäre, wenn er nicht vor der EM in Braunschweig unterschrieben hätte. SPOX-Durchschnittsnote: 2,5.

Trotz Ausscheiden: DBB hofft auf WM-Teilnahme dank Wild Card

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