800-m-Siegerin: Zu schnell für eine Frau?

SID
Donnerstag, 20.08.2009 | 10:19 Uhr
Im WM-Halbfinale rannte die Südafrikanerin Caster Semanya die beste Zeit
© Getty
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Mit großem Vorsprung gewann Caster Semenya am Mittwochabend den 800-m-Lauf. Aber nicht nur ihre überraschende Weltjahresbestzeit wirft Fragen auf - auch ihr männliches Aussehen. Ein Geschlechts-Test soll nun Aufklärung liefern.

Unbeeindruckt von medizinischen Tests, mit denen ihr Geschlecht untersucht wird, ist die in diesem Jahr in der Weltspitze aufgetauchte südafrikanische 800-m-Läuferin Caster Semenya zum WM-Titel gestürmt.

In der Jahres-Weltbestzeit von 1:55, 45 Minuten siegte sie vor Kenias Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei (1:57,90) und der Britin Jennifer Meadows (1:57,93).

Allerdings könnte es passieren, dass Semenya ihr Gold wieder abgegeben muss, denn medizinische Experten untersuchen derzeit, ob sie unwissend eine männliche Chromosomen-Kombination hat.

IAAF-Sprecher: "Sehr sensibles Thema"

"Dies ist ein sehr sensibles Thema. Wir haben keine abschließenden Beweise und es gibt deshalb keinen Grund, ihren Start zu verbieten", sagte IAAF-Sprecher Nick Davies.

Er könne auch noch nicht sagen, was passieren würde, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass Semenya unwissentlich ein Mann ist. Davies betonte, dass dies nicht mit einem Dopingvergehen vergleichbar sei: "Es gibt da keine vorgeplanten Schritte. Wir gehen diskret und sensibel mit dem Fall um. Es handelt sich um ein medizinisches Thema."

Untersuchungen haben vor kurzem begonnen

Die 18-jährige Semenya war in Ende Juli in 1:56,72 aus dem Nichts in die Weltspitze vorgestoßen. Im Halbfinale der WM in Berlin rannte sie in 1:58,66 Minuten die beste Zeit.

Die Untersuchungen bei Semenya hätten bereits vor kurzem begonnen. Mindestens vier Experten sind daran beteiligt, erklärte Davies.

Letzter Fall 2006 bei den Asienspielen

In der Vergangenheit gab es wiederholt Fälle, bei denen Tests zu Tage förderten, dass Männer unwissentlich als Frauen an den Start gingen.

Die als Polin geborene Amerikanerin Stella Walsh etwa holte über 100 m 1932 in Los Angeles Olympiagold und vier Jahre später in Berlin Silber. Als sie 1980 bei einem Überfall erschossen wurde, stellte sich heraus, dass Walsh männliche Geschlechtsorgane hatte.

Bei den Asienspielen 2006 in Doha musste die indische Leichtathletin Santhi Soundarajan ihre 800-m-Silbermedaille wieder abgeben, nachdem bei einem Geschlechtstest herausgekommen war, dass sie von der Chromosomen-Konstellation her männlich ist. Anschließend versuchte Soundarajan, sich das Leben zu nehmen.

Verbindliche Geschlechtstest seit 2000 abgeschafft

Normalerweise weisen Frauen zwei X-Chromosomen (XX) in ihren Zellen auf, Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Manche mit einem Y-Chromosom geborenen Menschen entwickeln alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau - ausgenommen der inneren Sexual-Organe. Sie leiden unter dem Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS).

Diese Frauen sind XY, allerdings kein Mann, weil ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert. Deshalb dürften sie auch bei den Frauen starten. Sieben der acht Frauen, die 1996 bei Olympia in Atlanta positiv auf Y-Chromosomen getestet wurden, hatten AIS und durften teilnehmen.

Das Internationale Olympische Komitee hatte 1968 eine umstrittene "Gender Verification" (Geschlechtstest) als verbindlich eingeführt, vor den Sommerspielen 2000 in Sydney jedoch wieder abgeschafft und sieht sie mittlerweile nur noch in strittigen Fällen vor. Auch die IAAF hat ihre Tests abgeschafft.

Dopinggerüchte um Bolts Trainingspartner

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