Jeremy Wariner im Interview

"Wer ist Johann Lafer?"

Von Interview: Florian Regelmann
Donnerstag, 13.08.2009 | 10:58 Uhr
Jeremy Wariner glaubt, dass er den Weltrekord von Michael Johnson brechen kann
© Getty
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Jeremy Wariner ist einer der charismatischsten Stars der Leichtathletik-Szene. Bei der WM in Berlin will der US-Boy über 400 Meter nur eins: Gold. Wariner über sein Duell mit LaShawn Merritt, seine besondere Beziehung zu Michael Johnson und seine Koch-Leidenschaft.

SPOX: Jeremy, Sie müssen unbedingt Johann Lafer kennenlernen, wenn Sie in Deutschland sind.

Jeremy Wariner: Warum? Wer ist das? Läuft der auch 400 Meter?

SPOX: Nein, er ist einer der bekanntesten Fernsehköche Deutschlands.

Wariner (lacht): Danke für die Info. Es stimmt, dass ich mich sehr fürs Kochen interessiere. Wenn ich zu Hause bin, schaue ich ständig den Food-Channel. Ich liebe es aber auch, selbst zu kochen.

SPOX: Wie hat sich die Koch-Leidenschaft bei Ihnen entwickelt?

Wariner: Das kam, als ich von zu Hause ausgezogen bin. Ich bin aufs College gegangen und war alleine, ohne Eltern. Wenn ich etwas Gutes essen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst als Koch zu versuchen. So habe ich es gelernt.

SPOX: Sie sind also ein guter Koch?

Wariner (lacht): Das würde ich schon sagen. Bis jetzt hat sich zumindest niemand beschwert.

SPOX: Kochen ist die eine Leidenschaft, das Laufen die andere.

Wariner: Genau. Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass ich geboren wurde, um zu rennen, aber ich hatte schon immer eine große Leidenschaft für Sport. Die Leichtathletik ist der Sport, der mich glücklich macht. Wenn ich auf der Bahn bin, habe ich einfach nur Spaß. Alle Probleme sind dann weit weg und ich bin wie in einer anderen Welt. Ich laufe für mein Leben gern, aber irgendwann wird damit auch Schluss sein. Mit 70 laufe ich auf jeden Fall nicht mehr so viel in der Gegend herum.

SPOX: Hat es sich schon früh angekündigt, dass Sie Leichtathlet werden könnten?

Wariner: Na ja, ich war ein hyperaktives Kind, insofern war ich immer schon viel unterwegs. Meine Eltern hatten Probleme, weil sie mir immer hinterher rennen mussten. Sie haben versucht, mich ruhig zu halten.

SPOX: War diese Hyperaktivität in der Kindheit nicht schwierig?

Wariner: Es ging eigentlich. In der Schule gab es vielleicht mal ein paar Probleme, aber ansonsten nicht. Wenn ich nicht in der Schule war, habe ich verschiedene Sportarten gemacht. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe alle Energie in den Sport gesteckt.

SPOX: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie das Zeug zu einem Star haben?

Wariner: Am Anfang wusste ich erstmal noch nicht, was ich genau machen sollte. Zuerst habe ich nämlich Fußball gespielt. Ich habe mit 4 Jahren angefangen und gekickt, bis ich 12 war. Wer weiß, vielleicht wäre ich ein großer Fußballer geworden. Aber dann bin ich zum Football gewechselt. Ich war Wide Receiver.

SPOX: Für Football waren Sie vielleicht etwas schmächtig. Wann wurde es dann mit dem Laufen ernst?

Wariner: Lange Zeit bin ich einfach nur aus Spaß gerannt. Erst als ich 2004 bei den Olympischen Spielen war, wusste ich, dass ich ein Star auf der Bahn werden will. Ich habe gemerkt, dass ich einer der besten der Welt bin und wollte dann ganz nach oben kommen.

SPOX: Jetzt steht die WM in Berlin an. Sie wollen sicher einiges gutmachen, nachdem 2008 ja eher enttäuschend für Sie verlief, oder?

Wariner: Auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr bin ich nicht in jedem Rennen mein Rennen gelaufen. Das hatte viel mit meinem Training zu tun. Ich bin im Training und dann auch im Rennen viel zu hart angegangen. Nach 200 Metern habe ich dann für 20 Meter nachgelassen und das hat mich die Rennen gekostet. Ich habe gemerkt, dass es extrem wichtig ist, mich mit gutem Training auf die Rennen vorzubereiten.

SPOX: Was sind Ihre Ziele für Berlin?

Wariner: Ich will meinen Titel verteidigen, ganz klar. Ich will mein Rennen laufen, vom Anfang bis zur Ziellinie. Ich muss die ganzen 400 Meter voll durchziehen, nicht nur 395 Meter.

SPOX: Wie sehr nervt es Sie, im Moment nicht die Nummer eins über 400 Meter zu sein?

Wariner: Das nervt sehr. Zweiter zu sein, ist für mich völlig inakzeptabel. Ich will immer der Beste sein. Ich arbeite jeden Tag sehr hart, um dafür zu sorgen, dass ich gewinnen werde.

SPOX: Wie sehen Sie Ihr Duell mit LaShawn Merritt?

Wariner: Irgendwelches Gerede, dass er mein Angstgegner sei, ist Quatsch. Ich habe LaShawn noch nie gefürchtet. Unser Duell ist gut für den Sport. Wir wollen beide die Nummer eins sein. Mir ist es egal, mit welchen Vorleistungen aus diesem Jahr wir nach Berlin kommen. Bei der WM kommt es darauf an, und wenn ich im Startblock sitze, werde ich bereit sein.

SPOX: Welche Rolle spielt Michael Johnson in Ihrer Karriere?

Wariner: Michael hat einen riesigen Anteil an meiner Karriere. Er hat als mein Manager einen tollen Job gemacht und dafür gesorgt, dass ich das bekommen habe, was ich verdiene. Er stellt sicher, dass ich mich total auf das Laufen konzentrieren kann. Um alles andere kümmert er sich. Am Anfang war es eine ganz normale Agent-Sportler-Beziehung, aber mittlerweile sind wir Freunde geworden.

SPOX: Michael hält immer noch den Weltrekord (43,18 Sekunden). Wann brechen Sie den Rekord?

Wariner: Das weiß ich nicht. Vielleicht klappt es schon in Berlin. Wenn ich die Bahn betrete, ist immer alles möglich. In erster Linie geht es mir aber um den Sieg und erst danach kommt der Weltrekord. Aber ich bin davon überzeugt, dass ich ihn brechen kann. Ich glaube, dass ich einmal unter 43 Sekunden laufen werde.

SPOX: Letze Frage: Was wäre, wenn man Ihnen die Sonnenbrille wegnehmen würde?

Wariner (lacht): Das wäre schlecht. Ich habe bei meinen Rennen immer eine Sonnenbrille auf, weil es mir hilft, mich total zu fokussieren und alles andere auszublenden.

Wann läuft Wariner? Der Wettkampfplan der Leichtathletik-WM

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