Schwimmen

Phelps: Pause bis zum Anzug-Verbot?

SID
Michael Phelps steckte die Pleite gegen Paul Biedermann gut weg, doch Coach Bob Bowman kochte
© Getty

Einen Tag nach dem Rekordrennen von Deutschlands neuem Schwimmstar Paul Biedermann schlägt die Niederlage von Rekord-Olympiasieger Michael Phelps weiter hohe Wellen.

Der gestürzte US-Schwimmstar Michael Phelps sucht Trost beim Papst. Nach seiner deklassierenden Niederlage bei der WM in Rom gegen Paul Biedermann will der Rekord-Olympiasieger, der am Dienstag Titel und Weltrekord über 200 Meter Freistil an den Deutschen verlor, mit seiner Mutter Debbie am Samstag Papst Benedikt XVI. in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo südlich von Rom treffen.

Phelps schließt sich einer Delegation von über tausend Schwimmern an, die das deutsche Kirchenoberhaupt bei der Audienz empfangen wird. Unterdessen hat Phelps-Trainer Bob Bowman auf die Niederlage seines Schützlings mit heftiger Kritik am Weltverband FINA reagiert und Phelps sogar zu einer Auszeit bis zum Verbot der High-Tech-Anzüge 2010 geraten.

"Ich möchte Michael nicht nochmal in so einer Situation sehen wie gegen Biedermann. Es ist auch meine Aufgabe als Coach, Michael zu schützen", sagte Bowman. Bowman sieht Phelps im Anzug des US-Ausrüsters "Speedo" gegen Biedermann im X-Glide von "Arena" unterlegen.

Phelps Anzug ist zu 50 Prozent aus Polyurethan und zu 50 Prozent textil, Biedermanns dagegen komplett aus Polyurethan. Der Kunststoff verringert deutlich die Reibung im Wasser und lässt somit schnellere Zeiten zu.

Verbot für High-Tech-Anzüge doch erst mit Verspätung?

"Es wird Zeit, dass dieser Wahnsinn ein Ende hat", sagte Bowman. "Das Verbot sollte von der FINA auf jeden Fall ab Januar 2010 umgesetzt werden." Darauf wird Bowman aber wohl noch etwas länger warten müssen.

Denn am Dienstag teilte die FINA mit, das das eigentlich für Januar 2010 vorgesehene Verbot der High-Tech-Anzüge möglicherweise erst ab der kommenden Langbahnsaison greifen werde.

"Wir wissen nicht, ob wir das bis zum Januar umsetzen können. Vielleicht wird es auch April oder Mai. Es gibt noch einiges zu klären", sagte dazu FINA-Generalsekretär Cornuel Morculescu.

Die FINA will eine Expertenkommission einsetzen und mit einem Institut in Lausanne zusammenarbeiten, um "den Begriff von Textil neu zu definieren".

Phelps freut sich auf die Revanche in Badehosen

Mit in die Arbeit eingebunden werden soll auch der frühere Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes Örjan Madsen. Morculescu betonte, dass man aber auf jeden Fall der Entscheidung des Kongresses folgen wolle.

Dass Siege in den 50/50-Outfits nach wie vor möglich sind, zeigte jedoch die Britin Gemma Spofforth, die über 100 m Rücken unmittelbar nach Phelps die Goldmedaille für ihr Land gewann.

Phelps selbst war nach seiner ersten Niederlage seit 2004 über seine Lieblingsdistanz kurz angebunden: "Ich bin sicher nicht erfreut." Immerhin gab er zu, dass er nicht optimal trainiert habe und sich nicht in seiner besten Form befinde.

Aber: "Ich freue mich auf das nächste Jahr, wenn es beim Schwimmen wieder ums Schwimmen geht", so Phelps. "Dann treten wir wieder gegeneinander an und ich werde top vorbereitet sein."

"Historische Leistungen werden unbedeutend"

Auch Biedermann denkt schon an 2010: "Klar machen die Anzüge einen Unterschied. Aber ich hoffe und glaube, es wird der Tag kommen, an dem ich Michael auch ohne schlagen kann. Vielleicht schon im nächsten Jahr."

Doch Bowman - einmal in Rage - war nicht mehr aufzuhalten: "Dieser Sport ist am Ende, wenn nicht bald etwas passiert. Die FINA wird ihren Star verlieren, der die Tribünen füllt. Glauben Sie, dass ein kleiner Junge in Baltimore mit dem Schwimmen anfängt, um Biedermanns Rekord zu brechen?"

Bowman weiter: "Michael hat jahrelang gearbeitet, um Schwimmen auf das nächste Level zu heben. Und dieser Kerl macht es in wenigen Monaten? Die historischen Leistungen im Schwimmsport werden so doch völlig unbedeutend."

Schwimm-WM in Rom, Tag 3: Biedermann deklassiert Phelps

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung