Leichtathletik

Friedrich springt deutschen Rekord

SID
Ariane Friedrich stellte in Berlin einen neuen deutschen Rekord auf
© Getty

Als achte Hochspringerin der Welt hat Hallen-Europameisterin Ariane Friedrich (LG Eintracht Frankfurt) am Sonntag beim ISTAF in Berlin 2,06 m geschafft und einen deutschen Rekord aufgestellt.

Zuerst fiel Ariane Friedrich vor Erstaunen auf die Matte, danach war sie im Freudentaumel nicht mehr zu stoppen: Nach ihrem Rekordsprung hüpfte die Hallen-Europameisterin wild vor Freude durch die Gegend.

Friedrich hatte soeben mit 2,06 m den 18 Jahre alten Hochsprung-Rekord von Heike Henkel um einen Zentimeter gesteigert und vor 63.896 Zuschauern den Sieg beim 68. ISTAF im Berliner Olympiastadion errungen.

"Ich wollte ein Zeichen setzen - für die WM und die deutsche Leichtathletik, die wieder im Aufschwung ist", erklärte Friedrich nach ihrem psychologisch wertvollen Sieg.

Zudem untermauerte die 25-Jährige durch den Triumph im Duell mit der kroatischen Weltmeisterin Blanka Vlasic eindrucksvoll ihre Gold-Hoffnungen für die Leichtathletik-WM (15. bis 23. August) an gleicher Stelle.

2,09 m nur knapp gerissen

Die Frankfurterin setzte in einem packenden Finale von Anfang an auf Sieg und ließ im Gegensatz zu Vlasic die Höhen 1,97 m und 2,03 m aus, um Kraft zu sparen. Sofort im ersten Versuch glückte die deutsche Rekordmarke.

Diese hatte Heike Henkel mit 2,05 m beim WM-Sieg 1991 in Tokio aufgestellt. Anschließend scheiterten sowohl Friedrich als auch Vlasic an der Weltrekordmarke von 2,09 m, die Frankfurterin im zweiten Anlauf nur knapp. Friedrich ist erst die achte Frau, die 2,06 m gemeistert hat.

Ihre bisherige Freiluft-Bestleistung lag drei Zentimeter darunter. Henkel hält jedoch noch den deutschen Hallenrekord mit 2,07 m aus dem Jahr 1992. Zudem hat Friedrich als Siegerin des ISTAF, der Auftakt-Veranstaltung der sechs Stationen umfassenden Golden-League-Serie, noch Chancen auf den mit Gold in Wert von einer Million US-Dollar gefüllten Jackpot.

Ebenbürtig mit Vlasic

Diese Möglichkeit hat Weltmeisterin Vlasic, die bereits im vergangenen Jahr durch ihre Niederlage gegen Friedrich in Brüssel um diese große Börse gebracht wurde, nun bereits zum Auftakt vertan.

2008 hatte sie das sicher geglaubte Olympia-Gold überraschend an die Belgierin Tia Hellebaut (beide 2,05) verloren. Dass die Polizeikommissar-Anwärterin in Berlin erneut ihre große Rivalin in die Schranken wies, wird bei Friedrich für weiteren Rückenwind und bei der Kroatin für Kopfschmerzen sorgen.

Das Duell der mittlerweile ebenbürtigen Konkurrentinnen wird inzwischen hauptsächlich über die Nerven entschieden, womit Friedrich keine Probleme hat: "Ich bin jemand, der Konkurrenz braucht, um zuschlagen zu können."

Kleinert gewinnt Kugelstoßen

Vor Friedrichs Glanzauftritt hatte die WM-Dritte Nadine Kleinert für einen erfolgreichen Start der deutschen Leichtathleten gesorgt. Die Magdeburgerin gewann das Kugelstoßen mit 19,39m vor der weißrussischen Olympiazweiten Natalja Michnewitsch (19,26) und der Italienerin Chiara Rosa (19,15).

Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting hat dagegen den Sieg verpasst. Der Lokalmatador und Hoffnungsträger für die Weltmeisterschaften an gleicher Stelle (15. bis 23. August) belegte nach anfänglicher Führung mit 66,17m Rang drei.

Olympiasieger Gerd Kanter aus Estland (67,88) und der Pole Piotr Malachowski (67,70) erwiesen sich erwartungsgemäß noch als zu stark. Harting hatte im Vorfeld bereits Rang drei als realistisches Ziel ausgegeben.

U20-Europameister Robin Schembera sicherte sich über 800 Meter den zweiten deutschen Tagessieg. Zur angestrebten Norm für die WM (1:45,40 Minuten) fehlten dem 20-jährigen Leverkusener in 1:45,96 allerdings 56 Hundertstelsekunden. Platz zwei sicherte sich der Brite Michael Rimmer in 1:46,31, Dritter wurde der Kenianer Reuben Bett (1:46,68). "Momentan überwiegt der Ärger. Wieder keine Norm. Dabei weiß ich, dass ich es kann", sagte Schembera.

Drei Favoriten auf den Jackpot

Die Berliner Luft beflügelte die Athleten zu vier Jahres-Weltbestleistungen. Neben Friedrich schafften dies auch 1500-m-Sieger Augustine Kiprono Choge (Kenia/3:29:47), 400-m-Siegerin Sanya Richards (USA/49,57) und die an 4,93 m gescheiterte Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa (Russland/4,83).

Stab-Kosmonautin Issinbajewa und Richards sind nun neben Doppel-Olympiasieger Kenenisa Bekele (Äthiopien/5000-m-Sieger in 13:00,76) die Favoriten auf den mit einer Millionen US-Dollar gefüllten Golden-League-Jackpot, der 2009 letztmals vergeben wird. Dafür braucht das Trio noch fünf Siege in Oslo (3. Juli), Rom (10. Juli), Paris (17. Juli), Zürich (28. August) und Brüssel (4. September).

Auch Friedrich ist im Rennen, hat aber angekündigt, in Oslo und Rom nicht zu starten. Im kommenden Jahr wird die Golden League durch die Diamond League ersetzt. In die Verlängerung ging derweil die Diskussion um die Zukunft des ISTAF.

Die Veranstalter wollen erst am Dienstag bekanntgeben, ob sie 2010 der neugeschaffenen Diamond League des Weltverbandes IAAF beitreten oder ihr Sportfest verkleinern und in den Jahn-Sportpark ziehen. In diesem Fall will der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Pläne für ein eigenes Meeting forcieren.

U20-Weltrekord im Kugelstoßen

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