Hochspringerin Friedrich holt Hallen-EM-Titel

SID
Sonntag, 08.03.2009 | 17:50 Uhr
Flog bei der Hallen-EM zum Titel: Ariane Friedrich
© sid
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Hochspringerin Ariane Friedrich hat bei der Hallen-EM in Turin ihren ersten internationalen Titel geholt. Bei den Männern sorgte Sebastian Bayer mit Weitsprung-Gold für Aufsehen.

Mit dreimal Gold und insgesamt zehn Medaillen haben Deutschlands Leichtathleten bei der Hallen-EM in Turin ihr Image aufpoliert.

Sieben Monate nach der Olympiapleite mit nur einmal Bronze in Peking weckte das Team Optimismus vor der Heim-WM in Berlin (15. bis 23. August). "Auch dort wollen wir nach diesem großen Erfolg von Turin zeigen, dass die deutsche Leichtathletik lebt", meinten die neuen Cheftrainer Herbert Czingon und Rüdiger Harksen unisono.

Furioser Schlusstag der Deutschen

Die großen deutschen Helden am furiosen Schlusstag im Oval Lingotto waren die Frankfurter Hochsprung-Siegerin Ariane Friedrich (2,01) sowie beim spektakulären Weitsprung mit Gold und Silber Sebastian Bayer (Bremen) mit europaischen Hallenrekord von 8,71m und Nils Winter (Leverkusen) mit 8,22m.

Bronze holten Kugelstoßer Ralf Bartels (Neubrandenburg) mit 20,39m, Stabhochspringer Alexander Straub (Filstal/5,76) und Sprinterin Verena Sailer (Mannheim) in 7,22 Sekunden über 60m. Internationaler Höhepunkt war der 60-m-Europarekord (6,42) des ehemaligen britischen Dopingsünders Dwain Chambers bereits im Halbfinale.

Medaillenregen für den DLV

Der Deutsche Leichtathletik-Verband gewann erstmals seit Valencia 1998 (5-4-3) mehr als ein Gold bei einer Hallen-EM. Damals hatte es zuletzt auch mehr als acht Mal Edelmetall gegeben. 2007 in Birmingham waren es nur vier Medaillen gewesen (1-1-2).

"Wahnsinn, ich kann es noch gar nicht glauben. Am Montag war es für mich eine emotionale Katastrophe gewesen, als ich mit einer Halsentzündung aufwachte. Doch es hat sich täglich gebessert und beim Einspringen war ich dann so gut wie nie", sprudelte es aus Ariane Friedrich heraus, die ihren 18. Wettkampf mit einer 2-m-Höhe absolvierte.

Ungläubig hatte die Olympiasiebte das Scheitern von Kroatiens Weltmeisterin Blanka Vlasic erlebt, die mit 1,92m nur Fünfte wurde und hinterher über technische Probleme klagte.

Bayer schafft Sensation im Weitsprung

Die deutsche Sensation war jedoch der Männer-Weitsprung. Gleich im ersten Anlauf schockte Sebastian Bayer (Bremen) die Konkurrenz, als er mit 8,29m Jahres-Weltbestleistung sprang. Dabei verbesserte der gebürtige Aachener den 20 Jahre alten deutschen Hallenrekord von Ex-Europameister Dietmar Haaf (Kornwestheim) um vier Zentimeter.

Als alle anderen Wettkämpfe schon vorbei waren, setzte der 22-Jährige, der als Sieger bereits feststand, dazu die Marke von 8,71m in den Sand und verbesserte die zehn Jahre alte Bestleistung des Spaniers Yago Lamela (8,56) deutlich. Bayer verfehlte den 25 Jahre alten Weltrekord von Carl Lewis (8,79) nur um acht Zentimeter. Der Leverkusener Nils Winter machte mit 8,22m einen deutschen Doppelsieg perfekt.

Grundstock für den Erfolg waren an den beiden Vortagen die Medaillendoubletten mit Gold/Silber im Kugelstoßen durch Petra Lammert (Neubrandenburg) und Denise Hinrichs (Wattenscheid) sowie Silber/Bronze im Stabhochsprung von Silke Spiegelburg (Leverkusen) und Anna Battke (Mainz). Lammert erzielte dabei mit 19,66m Jahresweltbestleistung, Spiegelburg schraubte ihren deutschen Hallenrekord von 4,71 auf 4,75m. Alle vier erzielten persönliche Bestleistungen.

"Die bedrückte Stimmung nach Peking ist weg"

Über die zehn Medaillen hinaus errangen die 33 in Einzel-Disziplinen gestarteten deutschen Athleten neun Finalplätze (Rang 4-8). Zehn blieben in der ersten Runde auf der Strecke, darunter auch Stabhochspringer Danny Ecker (Leverkusen), der wie alle sieben gestarteten EM-Titelvereidiger scheiterte.

"Mit zehnmal Erstrunden-Aus können wir bei genau so viel Medaillen leben", so Herbert Czingon, der als Cheftrainer im Sprung/Wurf/Mehrkampf-Bereich auch glaubt: "Die bedrückte Stimmung nach Peking ist weg."

Neuer Cheftrainer sah "neuen Spirit"

Der seit Olympia für den Lauf verantwortliche Cheftrainer Rüdiger Harksen sah "neuen Spirit, mehr Licht als Schatten" und wertete es positiv, dass es in acht der 24 Einzel-Disziplinen deutsche Jahresbestmarken gab und gleich viele Athleten persönliche Bestmarken aufstellten.

Nur einen Platz hinter den Medaillen blieben Wolfram Müller (Pirna) im 1500-m-Finale und die 4x400-m-Staffel der Männer.

Silke Spiegelburg meinte in der ersten Freude: "Ich bin glücklich und platt nach Rekord und Silber. Es ärgert mich nicht so sehr, dass ich die 4,80m nicht auch noch schaffte.

Anna Battke: "Ich habe mein Ziel Bestleistung erreicht und Bronze geholt. Vor den 4,75m hatte ich einfach Angst."

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